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Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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UnpiüflßHhurtm befleißen Sie sich gedrängter Kürze, absoluter Klarheit, unbestechlicher Wahrheit und Aufrichtigkeit, strenger Gerechtigkeit, gepaart mit inniger Wärme und weiser Einsicht. Das liegt offenbar in Ihrer Wesensart und deren Wurzel ist offenbar in Ihrer hohen Güte und Herzenskultur, in Ihrem edlen Menschentum und Judentum zu suchen. Nicht allzuhäufig sind solch hohe Tugenden in einem und demselben Menschen vereint zu finden. Ihnen aber sind sie in reichem Maße zuteil geworden. Daraus ist zu erklären, daß alle Parteien im Vorstande und in der Gemeinde in Ihnen einen gerechten, gütigen Beurteiler finden und ein Unrecht von Ihrer Seite unmöglich ist. Wir Rabbiner betrachten Sie als unseren Freund, da Sie in uns verantwortungsvolle Lehrer der Gemeinde sehen. Sind doch Sie, Herr Präsident, ein Mann der Wissenschaft und der stärksten Tugend, des aufrechten Judentums und der reinsten Menschlichkeit. Ihre Noblesse im Denken, Sprechen und Handeln, die Ritterlichkeit Ihres Wesens, die Güte Ihres Herzens, die Vornehmheit im Verkehr und Umgang mit jedermann haben, um biblisch zu sprechen, die Seelen aller erobert. Das ist ein beglückendes Gefühl, reichliche Ernte der Saat, die Sie gesät haben. Gott gebe Ihnen, verehrter Herr Präsident, Kraft und Gesundheit, an der Seite Ihrer hochgeschätzten Gemahlin. Ihre hohe, wichtige Aufgabe lange Jahre erfüllen zu können, zum Glück und Segen der Gemeinde, die wir alle lieben und der wir mit Ihnen und durch Sie Gedeihen, Entwicklung und Frieden wünschen." Als nächster Redner sprach namens sämtlicher Bezirkskommissionen der Israelitischen Kultusgemeinde der Präsident der Schätzungskommission und Obmann der Bezirkskommission für den I. Bezirk Dr. Norbert K1 i n g e r. Er führte u. a. aus: „Den Bezirkskommissionen obliegt laut Statuten die Fürsorge für das Wohl der Wiener Glaubensgenossen. Ich spreche also im Rahmen dieses statutarischen Wirkungskreises, indem ich heute den Wunsch ausspreche, daß unser Präsident dem Wohle der Wiener Gemeinde noch lange erhalten bleiben möge. Die Bezirkskommissionen repräsentieren gewissermaßen das jüdische Volk Wiens und Volkesstimme ist Gottesstimme. Ich spreche aber auch als Sohn des seligen Präsidenten Heinrich Klinger, eines der Amtsvorgänger unseres Jubilars. Mein verewigter Vater hatte aus seinem wohlwollenden Herzen eine Devise für seine Amtsführung, und das war die Erhaltung des Friedens in der Gemeinde. Und wenn ich nun heute gehört habe, wie die Vertreter der verschiedenen politischen Richtungen innerhalb der Gemeinde sich vereint haben, um unseren Präsidenten zu beglückwünschen, kann ich wohl sagen, daß dieser die von meinem Vater überkommene Tradition auch für seine Amtsführung hoch hält." Hierauf ergriff der Präsident des Bethausvorstandes für den I. und II. Bezirk Dr. Elias Münz zu folgenden Ausführungen das Wort: „Namens aller Bethausvorstände der verehrlichen Kultusgemeinde Wien grüße ich, Herr Präsident, in reiner Freude den Tag Ihres 70. Geburtsfestes, welches von der ganzen Kultusgemeinde als ein wahrer Festtag anerkannt werden muß. Auf Ihrem Haupte sehe ich, Herr Präsident, eine herrliche Krone glänzen. Heißt es doch in unserem Schrifttümer „Eine herrliche Krone ist das greise Haupt: sie wird auf dem Wege der Zedokoh gefunden." Der Begriff der Zedokoh kann in unserer deutschen Sprache nicht in einem Worte sinngemäß übersetzt werden, vielmehr nur von einem echt jüdischen Gemüte in seiner ganzen Tragweite und Bedeutung erfaßt oder zumindest geahnt werden. Am nächsten kommt diesem Begriff im Griechischen die „Kalokagathia", welche dann gegeben ist, wenn jemand alles Gute und Schöne, das den Menschen ziert, in seinem Lebenswirken betätigt. Dies trifft nun bei Ihnen, Herr Präsident, im vollsten Maße zu, so daß Sie nach dem einhelligen Zeugnisse aller in allem Ihren Tun von der Triebfeder der Zedokohübung sich jederzeit leiten lassen." Namens aller Tempel- und Bethausvereine brachte der Obmann des Verbandes derselben, Börserat Ignaz Glück, in überaus herzlichen Worten die Glückwünsche dieser Körperschaften zum Ausdrucke. Er wies darauf hin, daß die Tempel- Doktor der Philosophie erteilt Nachhilfeunterricht in Religion und allen Schulgegenständen Adresse ist in der Administration zu erfragen DIE WAHRHEIT Ungarische Mastgänse s 3*60 Mährische Lebergänse „ 3 90 Gansfett kg ■• 4-50 Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döblinger Hauptstraße 88 und Bethausvereine eine große und wichtige Aufgabe im Rahmen unserer Gemeinde zu erfüllen haben, daß sie dazu der steten Förderung, des steten Wohlwollens der Gemeinde, die sie als ihre Muttergemeinde bezeichnen, bedürfen. Das Verhältnis der Tempel- und Bethausvereine zur Kultusgemeinde sei ja ein solches wie das von Kindern zu ihrer Mutter und in dem Jubilar verehren alle Vereine ihren väterlichen Freund, zu dem sie in höchster Wertschätzung emporblicken, und deshalb feiern die Tempel- und Bethausvereine das heutige Fest mit der Gemeinde und vereinigen sich mit dem Kultusvorstande in den heißesten Glück- und Segenswünschen. Im Namen aller im Wirkungsbereiche der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bestehenden Fürsorgeinstitutionen führte der Obmann der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge KommerziaIr.it Karl Klemperer u. a. folgendes aus: „Wenn ich Sie heute im Namen der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge und der ihr angeschlossenen Vereine und Institutionen auf das herzlichste beglückwünsche, so liegen mir — es ist ein etwas peinliches Gefühl — die Worte des römischen Gladiators im Sinne: morituri te salutant, Caesar: soll doch die Zentralstelle nach einem in jüngster Zeit gefaßten Beschlüsse zu einem Organ der Gemeinde umgestaltet werden. Der Zentralstelle^, welche auch unter ihrer Präsidentenschaft vortreffliche organisatorische Arbeit — ich verweise nur auf die Jugendfürsorge — geleistet und sehr beachtenswerte Vorschläge zur Reform der Fürsorge ausgearbeitet hat, wird es nur. willkommen sein, in eine öffentliche Stelle aufzugehen, die, durch den Einfluß und die materielle Kraft der Gemeinde unterstützt, eine umfassendere Tätigkeit entwickeln kann, als es ihr möglich gewesen ist. Aber wenn auch die Form eine andere wird, das innere Wesen, Vereine, Verbände, Institutionen, werden bleiben und weiter ihre Tätigkeit fortsetzen. Welche Bedeutung diese für die Fürsorge und für jüdisches Leben überhaupt haben, brauche ich Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, nicht auseinanderzusetzen: Sie erfahren es jeden Tag und jede Stunde Ihrer Amtstätigkeit in diesem Hause und ich gestatte mir, Ihnen für das diesen Organisationen stets bewiesene besondere Wohlwollen den aufrichtigen Dank auszusprechen. Ihr Beruf schon, zu dessen Zierden Sie gehören, führt Sie zur Fürsorge. Sie besitzen, und da gestatte ich mir auch Ihre hochverehrte Frau Gemahlin einzuschließen, jene Eigenschaft, welche für soziale Arbeit die wichtigste ist, die aber auch nach den Worten unserer Weisen alle anderen Eigenschaften in sich faßt: ein gutes Herz. Möge unter Ihrer Präsidentschaft die Reform der Fürsorge zu einem erfolgversprechenden Abschlusse gelangen und mögen Sie sich an einer tadellosen Wohlfahrtspflege, dieser schwersten und wichtigsten Aufgabe unserer Gemeinde, noch viele viele Jahre erfreuen." Nun ergriff Amtsdirektor Reg.-Rat Dr. Emil Adler das Wort, um namens der gesamten Angestelltenschaft der Kultusgemeinde die folgende Ansprache zu halten: „Ihr 70. Geburtstag wurde zu einem Festtage für die ganze Gemeinde und diese, ihre Führer und Lehrer, sowie die angesehensten Korporationen wetteifern mit Ihren überaus zahlreichen Freunden und Verehrern, um die Sympathien kundzugeben, deren Sie sich wie selten jemand in Ihrer Stellung, an der Spitze eines Gemeinwesens, unterschiedslos bei allen Parteien erfreuen dürfen. Wir Angestellten haben aber noch ganz besondere Ursache, den heutigen Tag mit Ihnen, verehrter Herr Präsident, zu feiern. Für uns bedeutet dieses Fest der Gemeinde zugleich ein Familienfest, denn wir verehren in Ihnen nicht bloß den obersten Chef der Angestelltenschaft, wir schätzen und lieben Sie auch als unseren wahrhaft väterlichen Freund, als welcher Sie sich jederzeit während Ihrer nunmehr neunjährigen Präsidentschaft mit Rat und Tat erwiesen haben. In Ihnen, verehrter Herr Präsident, finden berechtigte Interessen der Angestellten einen beredten Anwalt und jeder von uns in seinen Nöten ein geneigtes Ohr, ein freundliches Wort und wo immer möglich auch werktätige Hilfe; ein starres Nein ist wohl niemals von Ihren Lippen gekommen. Tagtäglich sind wir Zeugen dessen, daß Sie in ihrem hohen, an Mühseligkeit und Sorgen so reichen Amte keine größere Befriedigung haben, als

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