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Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dlfe WAHRHEIT wmmm Seite 5 3eder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. DieKunerol*Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur« fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT „Ich bin mir der Größe der Aufgabe bewußt, die mir heute zuteil geworden ist. Ich tue es mit besonderer Freude, weil ich dessen sicher bin, daß hinter mir der ganze Kultusvorstand steht, der mit mir einig ist in der großen Verehrung für Sie, hochverehrter Herr Präsident. Sie traten an die Spitze unserer Gemeinde in der größten Krisenzeit. Es gehörte Mut dazu, in einem solchen Zeitpunkte ein solches Amt zu übernehmen. Man mußte von jenen Gefühlen durchdrungen sein, von denen Sie durchdrungen waren, und sich sagen können, ich komme aus anderen Zeiten und sehe andere Zeiten kommen, Sie, Herr Präsident, haben im ärztlichen Offizierskorps der alten Armee den höchsten Rang erreicht, den bisher ein Jude erreicht hat. Man mußte Sie bewundern, wie Sie den Weg eines aufrechten Juden gegangen sind und dafür wird man Ihnen stets dankbar sein müssen. Sie haben bewiesen, daß man auch ein gutes jüdisches Herz haben kann und sich eins fühlen kann mit der Judenschaft der ganzen Welt, auch in jenen hervorragenden Positionen, die Sie beruflich bekleideten. Unter Ihrer Leitung fanden sich Männer, die gigantische Arbeit vollbracht haben. Viel haben wir unter den Erschütterungen des Krieges, mitzumachen gehabt. Die Flüchtlinge aus dem Osten kamen hierher und mußten in unser Gemeinwesen, in welchem alle Juden, welcher Richtung immer sie angehören mögen, vereinigt sein müssen, eingebaut werden. Und wenn dies gelungen ist, wenn wir heute verschiedenste Richtungen innerhalb der Gemeinde friedlich vereinigt sehen, so war hierfür der Umstand besonders förderlich, daß Sie, Herr Präsident, an der Spitze der Gemeinde standen und stehen. Sie tragen den Armen die Hilfe entgegen und warten nicht, bis man auf sie drängt. Die Kultusgemeinde hat in den letzten zehn Jahren allein große Arbeiten zu leisten gehabt. Wir mußten den Lebenden zu Hilfe kommen, waren aber auch dessen eingedenk, für die Toten zu sorgen, und haben für sie die Städte errichtet, die im Vorjahre ihrer Bestimmung übergeben wurde. Wir haben in den Zeiten der bittersten Not das Ausland zu Hilfe rufen müssen. Da war es Ihre Person, die es bewirkte, daß unser Schritt nicht vergebens gewesen, und so sind wir stolz, daß Sie an unserer Spitze stehen. Wenn auch im Kultusvorstande mancherlei Meinungsverschiedenheiten auftauchen, in einer Meinung ist sich der ganze Kultusvorstand einig, in der Verehrung für Sie, Herr Präsident. Wir alle sind eins in der herzlichen Beglückwünschung, die ich Ihnen namens des Kultusvorstandes auszusprechen die Ehre habe." Stürmischer Beifall folgte dieser Rede und nun kamen die Obmänner der innerhalb des Kultusvorstandes bestehenden Parteiklubs zum Worte. Als erster der Obmann des Klubs der unionistischen Mitglieder des Kultusvorstandes, Vertreter Dr. Josef Ticho. Er sagte u. a.: „An Ihrem Ehrentage, sehr geehrter Herr Präsident, geziemt es sich, Rückschau zu halten in die Vergangenheit und Wünsche zum Ausdrucke zu bringen für die Zukunft. Als der Klub der unionistischen Kultusvorsteher vor neun Jahren vor der wichtigen Frage stand, wer an die Spitze dieser altehrwürdigen Gemeinde berufen werden soll, da war es für uns die oberste, heiligste Pflicht, vor allem die Tradition dieser Gemeinde zu wahren und eine Persönlichkeit an die Spitze zu stellen, deren soziale Geltung und Bedeutung in der Umwelt feststand und deren Ansehen und Rang dieser Gemeinde neues Ansehen und neue Geltung in der Welt verleihen mußte. Wir haben Sie berufen, weil wir wußten, daß Sie als Jude die höchste militärärztliche Würde im alten Staate Oesterreich erreicht haben, und wir waren stolz, daß Sie als Jude zu dieser höchsten Stufe emporsteigen konnten. Wir wußten, daß in Ihnen die Tugenden der Liebe und Güte des Arztes mit Pflichtgefühl und Ehrenhaftigkeit gepaart sind. Führer dieser altehrwürdigen Gemeinde sollte ein guter Mensch sein, in dem sich der Dreiklang des Goatheschen Wortes „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" erfüllte. Die Liebe und Güte zu Ihren Mitmenschen und insbesondere zu den Aermsten und Bedrücktesten bedeutete Ihnen nicht bloß ein schönes, von ihren Lippen kommendes und verhallendes Wort, sondern sie entströmte Ihrem warmen Herzen, aus welchem das Mitgefühl ausstrahlt, nicht nur das Mitleid, sondern auch die Mitfreude in sich schließend. Wer immer in dieses Haus kommt, hat sich an dieser Liebe und Herzensgüte erwärmt; jeder kennt sie, jeder schätzt sie. Und so ist Ihnen die ganze Gemeinde eine große Familie geworden, der Sie Ihr liebevolles Herz entgegenbringen. So schmücken Sie die Tugenden der Herzensgüte, der Menschenliebe, der Ehrenhaftigkeit und Lauterkeit, des Charakters und ein unbeirrbares Pflichtgefühl; und nun kommt die Tugend des Alters hinzu. Ich spreche es offen aus, daß ich das Alter als Tugend ansehe. Denn wenn bei allen Völkern und in allen Gemeinwesen das Alter bei jenen Personen, welche an hervorragender Stelle im öffentlichen Leben stehen, sobald sie in das Greisenalter treten, zur Tugend wird und als Tugend geschätzt und geachtet ist, so ist das in erhöhtem Maße bei uns der Fall, da uns die religiöse Satzung die Ehrerbietung gegenüber jedem, der alt geworden, gebietet; um so mehr muß dies aber dann Geltung haben, wenn eine Pesönlichkeit, an hervorragendster Stelle im öffentlichen jüdischen Leben stehend, die Schwelle des Alters überschritten hat. Möge der Allmächtige Ihnen noch eine lange, lange Reihe von Jahren in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische gewähren, zur Freude Ihrer Familie, zum Heile aller Bedrückten und Gebeugten und zum Wohle der Gemeinde und des gesamten Judentumes, dem wir alle in Liebe und Treue ergeben sind." (Lauter Beifall.) Namens der zionistischen Mandatare sprach der Klubobmann, Vetreter Dr. Desider Friedmann. Er führte unter anderem aus: „Aus Ihrer Herzensgüte strömt die milde Nachsicht für die Fehler anderer, Ihre wohlwollende Beurteilung menschlicher Schwächen, die unerschütterliche Treue Ihrer freundschaftlichen Gesinnung, Ihr tiefes Verständnis für alle guten und edlen Bestrebungen, Ihre wohlerwogene Vorsicht ... In Einmütigkeit bringt Ihnen, geehrter Herr Präsident, der Vorstand der Gemeinde seine Glückwünsche dar. Ihnen gegenüber gibt es keine Parteien und hat es niemals Parteien gegeben. Jeder von uns, der heute zu Ihnen spricht, spricht im Sinne Aller. Und wenn ich namens des Klubs der zionistischen Mandatars versuche, zum Ausdruck zu bringen, mit welcher Liebe und Verehrung wir Ihnen zugetan sind, so wollen wir damit dokumentieren, daß wir mit allen Mitgliedern des Vorstandes und der Gemeinde in einer einheitlichen Front der Anhänglichkeit zu Ihnen stehen. Mögen Sie noch lange, lange Jahre in Glück und Gesundheit Ihrer Familie, Ihren Freunden und unserer Gemeinde erhalten bleiben." Für die „Vereinigung der werktätigen Juden" sprach Kultusvorsteher Gustav Moritz. Er erinnerte daran, daß, als im Jahre 1924 er und seine Parteigenossen in den Kultusvorstand eintraten, sie alsbald erkennen konnten, welch ausgezeichnete Persönlichkeit als Präsident an der Spitze der Gemeide stehe, und so hätten trotz ihrer im allgemeinen oppositionellen Einstellung, als es im Jahre 1928 zur Wahl des Präsidenten kam, alle fünf Mitglieder seiner Parteigruppe ihre Stimme für Herrn Professor Pick abgegeben. Namens des Verbandes sozialistischer Juden sprach Vertreter Dr. Rudolf Glanz, der u. a. ausführte, daß unsere Jugend sich ein Beispiel nehmen solle an dem Manne, den wir so verehren und den wir heute feiern. Nun ergriff namens des Rabbinerverbandes Gemeinderabbiner Dr. David Feuchtwang das Wort u. a. zu folgenden Ausführungen: „In allen Ihren öffentlichen Ansprachen

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