Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 42 (18.10.1929)
- Date
- 1929-10-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iflilllülllllllllllllll^ Seite \7 zahlreiche Glückwünsche eingelangt. Besonders herzlich schrieb der Stadtpfarrer, üemeindevorstand Dr. T h i r. Das Schreiben hat nachfolgenden Wortlaut: An die Israelitische Kultusgemeinde Leoben. Indem ich für die freundliche Einladung zur Eröffnungsfeier der neuerbauten Leichenhalle bestens danke, beglückwünsche ich die Erbauer zu ihrem Werke. Es tut mir leid, daß ich an der Feier teilzunehmen verhindert bin, weil ich in meiner Nachbarpfarre St. Michael beim Patrocinium sci'n muß. Ich bedauere um so mehr mein Fernbleiben entschuldigen zu müssen, als ich die Bedeutung jeder religiösen Betätigung für das Volk schätze, und jeden achte, der mit Bekennermut vor die Oefientlichkeit tritt. In ergebener Hochachtung Dr. Thir. Um 11 Uhr vormittags fand sich in der mit Blattpflanzen geschmückten erbauend wirkenden Halle eine dichtgedrängte Versammlung ein, die Spitzen der Aemter und Behörden und ansehnliche Bürger der Stadt ohne Unterschied des Glaubens. Unter anderen bemerkte man den Leiter der Bezirkshauptmannschaft Leoben Hofrat Dr. Theodor Hofier, den Biirgerineisterstellvertreter Landtagsabgeordnetcr Rudolf Bichl, Kreisgerichtspräsident Hofrat Dr. Rudolf U 1 b r i c h, Stadtiimtsvorstand Dr. Friedrich Letnig, Postamtsdirektor Pis c h c ra u e r, üremialvorstand Josef Z in ö 1 n i g, der Erbauer Ing. Ernst Rossmann, die Präsidenten der Grazer Kultusgemeinde Dr. Robert Sonnen wald und Karl Schwarz, Vorstand der Chewra Kadischa Graz S. F ü r s t, die Vorstände der jüdischen Gemeinde in Leoben Benno Gewing und Otto Kraus und viele andere. Architekt Ing. Ernst Rossinann überreichte dem Präses der Leobner Chewra Kadischa Moritz Varady die Schlüssel der Zeremonienhalle als Symbol der Uebergabe und dankte für das ihm zuteil gewordene Vertrauen. Der Präses Moritz Varady begrüßte namens der Chewra Kadischa die Versammlung in schwungvollen Worten und führte aus: ..Während wir uns sonst in Trauer und Schmerz hier vereinigen, wenn die Ernte den Jahre in ihrer Reife einem der Unseren das Auge schließen läßt, oder wenn durch Krankheit oder Unglück nach dem Willen des Unerforschlichen junges blühendes Leben stirbt, während wir sonst in Tränen gelöst um eine Bahre stehen, heute sind wir nicht in Trauer, sondern in festlich feierlicher Stimmung vereinigt: am Schlußpunkte eines gottgefälligen Werkes, zur Ehre der hier ruhenden Toten, zur Ehre des Opfersinnes der hiesigen Judenschaft." Kultuspräses Dr. Sonnenwald beglückwünschte namens der ürazer Judenschaft in herzlichen Worten die Leobner Glaubensbrüder und versicherte sie der steten Anteilnahme der Grazer Muttergemeinde. Vorstand S. Fürst überbrachte die Glückwünsche des Grazer Brudervereines. Nunmehr ergriff Landesrabbiner Univ.-Prof. Dr. David Herzog das Wort zu einer nach Form und Inhalt meisterhaft gehaltenen Weiherede. Nachdem er der Juden gedacht, die schon im 14. Jahrhundert Leoben besiedelt hatten, knüptte er an das Wort an: ..Gepriesen sei der, der Euch in Gerechtigkeit geschaffen, der in Gerechtigkeit Euch hat abscheiden lassen und der einst in Gerechtigkeit auferstehen wird." Der Mensch sei in Gerechtigkeit geschaffen worden, nicht um das Leben anzuklagen ob seiner irdischen Wertlosigkeit, vielmehr könne man dem Leben Schönheit abgewinnen, wenn man sich nicht von materialistischen und egoistischen Gründen leiten lassen, vielmehr müsse man an das Leben den Maßstab der ethischen und sittlichen Forderung stellen und der Ucberschuß des Erfolges müsse in sittliche Werte gewandelt werden. Diese Stätte mahne an die Pflicht, Gerechtigkeit und Liebe im Leben zu erweisen. Dann habe man den Funken göttlichen Feuers in sich entfacht. Wer so gelebt, der werde auch in Gerechtigkeit abscheiden. Der Tod, der große Verführer, umklammere den Menschen, auf das ihm niemand entgehe und wer an die Gottgebundenheit glaube, der werde dereinst in Gerechtigkeit auferstehen. Man müsse an das Jenseits glauben, denn es wäre ein schlechter Künstler, der sein Werk in Trümmer schlägt. Diese tiefdurchdachten, geistvollen Worte überwältigten alle Anwesenden. Hierauf stimmte Oberkantor K o f I e r tiefergreifend die rituellen Gesänge an, die den Abschluß der würdigen Feier bildeten. Eine marmorne Tafel trägt in goldenen Lettern die Namen derer, die sich um die Erbauung besonders verdient gemacht haben. Es sind dies: Moritz Varady als Präses, David Seifert, Siegmund W e i n b e r g e r als Vorstände, Otto Kraus, Otto Popper, Leopold R c i t m a n n, Karl Schneider. Max Werdisheim als Ausschüsse. Bethausvorsteherbestellung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hat die Herren Franz Goldstein, Siegfried Karpf und Solim Kl a wir als Mitglieder des Bethausvorstandes für den Ottakringer Gemeindetempel bestellt. In Verona ist ein jüdischer Tempel eröffnet worden. Die religiöse Zeremonie wurde vom Oberrabbiner Dr. Friedental geleitet. Nach der Zeremonie wurde eine Gedenktafel der im Kriege gefallenen Veroneser Juden enthüllt. Oberkantor S. Einhorn ist nach Sjähriger verdienstvoller Tätigkeit von unserer Gemeinde geschieden, nachdem er zum Oberkantor des neuerbauten Hictzinger Tempels berufen wurde. Mit seiner klangvollen, kultivierten Stimme, seinem hohen musikalischem Wissen und nicht zuletzt durch seinen warmfühlenden, echt jüdischen Vortrag hat er sich immer die besondere Würdigung unser Gemeinde erworben und durch seine Kunst auch über die Grenzen unseres Bezirkes hinaus große Anerkennung gefunden. Wir sehen Oberkantor Einhorn, der sich durch konziliantes Wesen nur Freunde überall erworben hat, mit aufrichtigem Bedauern aus unserer Mitte scheiden und sprechen ihm auch auf diesem Wege unseren wärmsten Dank für sein Wirken aus. Wir wünschen ihm auch auf seinem neuen Tätigkeitsfelde und für seine weitere Zukunft das Beste. Der Vorstand des Bethaus-Vereines ..Enumas-Aves", Wien XIV., Storchengase 21. Der Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein für den lf>. und 17. Bezirk in Wien, Sitz: XVI.. Hubergasse 8. veranstaltet anläßlich seines 30jährigen Bestandes Samstag, den 2. November 1929. 8 Uhr abends, in den Sälen des Restaurant ..Volksgarten" eine Jubiläums-Akademie unter Mitwirkung erstklassiger Kunstkräfte mit anschließendem Tanzkränzchen. Mit Rücksicht auf die große Not der Zeit, welche an den Verein die größten Anforderungen stellt, bittet die Leitung im Interesse ihrer Schützlinge um recht zahlreiche Beteiligung. Todesfälle. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk hat durch das Ableben seines langjährigen verdienstvollen Präsidenten, des Herrn Direktor Benno Kahane einen schweren und unersetzlichen Verlust erlitten. Der Verblichene hat den Verein durch 25 Jahre in vorbildlicher Weise geleitet. Unter seiner Präsidentschaft wurde im Jahre 1913 das modern eingerichtete und allen hygienischen Anforderungen entsprechende Vereinshaus im 16. Bezirk, Wurlitzergasse 11. erbaut. Bei dem am 4. Oktober stattgefundenen Leichenbegängnis waren die Vorstandsmitglieder fast vollzählig anwesend. Namens der Vereinslcitung sprach der Vizepräsident Herr Josef Salamon dem heimgegangenen Präsidenten, der sich in hingebungsvoller Liebe der armen jüdischen Kinder angenommen hatte, in tief bewegten Worten den Dank für sein menschenfreundliches Wirken aus. — Nach langem, schweren Leiden verschied am 26. September 1929 in Baden Herr Louis Pollak im 69. Lebensjahre. Er gehörte lange Zeit hindurch dem Vorstande der YMNASTIKSCHULE RUTH BISCHOFSWERDER ]., WEIHBURGGASSE 9 im Atelier Hed« J u e r. Kurse für Erwachsene und Kinder von 4 Jahren an. _ Kalte und warme Dusche. ■^■■■■■■■■■■■■^■^■■■■■■■■■■i Sprechstunde: Montag, Dienstag, Donnerstag. Freitag von 3—4 Uhr. Telephon U 23-7-14