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Die Wahrheit · 1929-10-18 · Heft 42 (18.10.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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$eite 12 M'»'«Ä»"iiii|"WP«P«WP|"*"«'*"i"«.................«.....■"««■■ steht, die ihr Leben für ihren Glauben zu opfern bereit gewesen wären, und unter den trauernden Hinterbliebenen erblickt er — wie oft! — Söhne, Schwiegersöhne, Töchter und Enkelkinder, die durch ein paar Tropfen Taufwasser von den Eltern und Großeltern getrennt sind, als läge ein Ozean zwischen ihnen. Was bleibt da dem Rabbiner übrig, wenn der Friedhof nicht zur Stätte des Streites umgewandelt werden soll? Er muß wie ein Diplomat die Sprache mißbrauchen, um seine Gedanken zu verbergen, er muß also verhüten, daß die Trauerrede für den Toten zur Anklagerede gegen die Lebenden wird. * .. *"" An den Budapester Hochschulen haben, wie seit Jahren, die programmäßigen Exzesse gegen jüdische Studenten stattgefunden. Wieder mußte jedem menschlich Fühlenden die Röte der Empörung ins Antlitz steigen, wenn er von den Prügelszenen las, bei denen immer 10 bis 20 Rassenschützler über zwei bis drei jüdische Studenten hergefallen waren. Und fassungslos stand man wieder der Tatsache gegenüber, daß ein Rektor einer Hochschule, wenn er auch schon gezwungen war, eine platonische Warnung gegen die Wiederholung der Exzesse auszusprechen, es über sich brachte, auch nicht ein brandmarkendes Wort gegen die feigen Burschen zu schleudern, die ihrer Weltanschauung in solcher Weise Ausdruck verleihen. Aber man sieht, auch für derlei Schändlichkeiten gewisser antisemitischer Studenten gibt es eine Entschuldigung: es ist das Schweigen gewisser Hochschulprofessoren. Einen zwar ungewollten, aber doch geradezu grandiosen Witz enthielt das Telegramm des „N. W. Tagblattes" aus Budapest, in welchem — nach den Exzessen der ersten Tage — folgende beruhigende Mitteilung zu finden war: „Heute vormittag herrschte an den Budapester Hochschulen Ruhe, was hauptsächlich dem Umstände zuzuschreiben ist, daß die jüdischen Hörer beschlossen haben, für die Dauer der Unruhen die Vorlesungen nicht zu besuchen/' Das Wort „hauptsäcnlich" war ausgezeichnet am Platze. Es gibt im ganzen Wortschatz der deutschen Sprache vielleicht nur ein einziges, das besser die Situation gekennzeichnet hätte, das Wort „Ausschließlich". * * * Nun hat sich Graf Bethlen entschlossen, den Führer der Rassenschützler Gömbös sogar als Minister in sein Kabinett zu nehmen. Natürlich wieder nur im Interesse der Juden. Der Versuch, Gömbös angeblich durch die Ernennung zum Staatssekretär in der tückischen Agitation gegen die Juden zu stören, war mißlungen und da mußte zu radikaleren Mitteln gegriffen werden. Als Minister — so kalkuliert wahrscheinlich der ungarische Ministerpräsident — wird sich Gömbös denn doch eiü'i@e Reserve auferlegen. Die Juden in Ungarn hoffen, daß Graf Bethlen und mit ihm noch mehr die Juden eine neue Enttäuschung mit Gömbös erleben. Es wäre doch zu traurig, wenn der Herr Graf in seinem leidenschaftlichen Bestreben, den Juden gefällig zu sein, schließlich sogar so weit ginge, seinen eigene)] Platz Herrn Gömbös einzuräumen. Nur damit dieser endlich aufhöre, gegen die Juden zu hetzen! Ego. DIE WAHRHEIT The singing Fool. „Der singende N a r r", das schon klassisch zu nennende Werk des amerikanischen Sprechfilms ist sicher der Film, der den Siegeszug des Tonfilms überhaupt möglich machte. AI J o I s o n, der Hauptdarsteller des Toniilms „D e r singende Narr" (Singing Fool"), der zur Zeit mit beispiellosem Erfolg im Kino Lustspieltheater (II., Prater) zur Aufführung gelangt, ist heute der höchstbezahlte Darsteller Amerikas. Seine Berühmtheit gründet sich in erster Linie auf seine unerhörte mimische Ausdrucksfähigkeit, mit der er, der weiße jüdische Amerikaner, den Niggersänger der amerikanischen Revue spielt. Asa J o e 1 s o n, wie AI J o 1 s o n vom Hause aus heißt, wurde in Rußland als Sohn des Kantors J o e 1 s o n geboren. Wie viele ihres Stammes wanderten seine Eltern nach Amerika aus und wir treffen den kleinen Asa mit acht Jahren in Washington D. C. und bald darauf im N e w Yorker Ghetto in den berüchtigten Tenements. Des Vaters größter Stolz war der Gedanke, eines Tages seinen Sohn Asa als seinen Nachfolger zu sehen. Aber die Neigungen des Sohnes bewegten sich in einer anderen Richtung. Noch als Schulknabe spielte er bereits mit bemerkenswertem Erfolg auf dein jüdischen Theater und weigerte sich nach seinem ersten Auftreten entschieden, die Schule weiter zu besuchen. Der Zwiespalt zwischen ihm und dem Vaterhaus wurde immer größer und er verließ es. Zuerst trat er in einem Wanderzirkus auf, dann als Kabarettsänger. Er hatte Engagements, aber noch nicht den erwünschten Erfolg. Gerade in diese Zeit fiel das entscheidende Ereignis seiner Künstlerlaufbahn. Bereits in Washington hatte J o 1 s o n reichliche Gelegenheit, das Leben und Treiben der Neger zu studieren und ein besonders einprägsamer Schwarzer war zeitweise sein Garderobier. Eines Abends saß AI J o 1 s o n ziemlich niedergeschlagen in seiner Garderobe. Seine Nummer hatte wenig gefallen. In sein Grübeln hinein sagte plötzlich sein treuer schwarzer Garderobier: „Du Massah müssen aussehen als mich!" Die Idee gefiel J o I s o n, er greift den Rat auf und wird über Nacht als Niggersänger berühmt. In wenigen Stunden war AI J o 1son die große Sensation und ist es bis heute geblieben. Er ist aber auch ein ganz großer Schauspieler, ein Mensch, der mit den allereinfachsten Mitteln die erschütterndsten Wirkungen zu erzielen vermag. Seinetwillen hätte der sprechende Film erfunden werden müssen, denn die Kunst dieses Mannes ist ganz einzigartig und auch durch das unbeseelte Medium der tönenden Leinwand geht si-e tief zu Herzen. Zu dieser Ueberzeugung muß jeder gelangen, der die große Szene des letzten Aktes gesehen, in welcher JoJson als Niggersänger sich zu entscheiden hat, ob er, da sein kleiner Liebling gestorben, auftreten soll oder nicht und wie der Künstler in dem schwersten Augenblick der von ihm dargestellten Rolle auch für den deutschen Zuhörer ergreifend und stimmungsvoll das schöne englische Lied „Sonny-Boy" singt, dessen Höhepunkt in dem Momente erreicht wird, da dem singenden Vater sein totes Kind vor Augen erscheint. Da spricht echtes Gefühl aus dem Gesänge des weißen Niggers. Dieses Bild wird jedem unvergeßlich bleiben, unvergeßlich schon deshalb, weil das Kind von einem Talente dargestellt wird, dem man schon heute den Erfolg anderer Filmkinder, zum Beispiel Jackie Coogans voraussagen kann. David Lee, der Sonny-Boy, der ebenfalls aus frommem jüdischen Hause stammt, hat im Vereine mit AI J o I s o n den Tonfilm „Der singende Narr" zu einem Meisterwerk dieser neuesten Kunstgattung gemacht, das nicht umsonst den Zulauf findet, wie er im Kino Lustspieltheater bereits seit Wochen zu verzeichnen ist. Bedauerlich von unserem Standpunkte ist eine vielleicht in Amerika verständliche Episode des Films, die die jüdischen Speisegesetze in nicht sehr geschmackvoller Weise herabsetzt. Ehemaliger Kaufmann aus alt jüdischer Familie total verarmt und notleidend Düte! um irgendwelche Arbeitsbetfitisung Adresse in der Administration

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