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Die Wahrheit · 1929-10-18 · Heft 42 (18.10.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHjRHÖT Seite i> neue geschaffen werden, zum Segen unserer Gemeinde, zur Ehre des Judentums. Mit nie versagendem Eifer und unverminderter Begeisterung haben Sie, hochgeschätzter Herr Präsident, als unser Führer all die schweren Arbeiten geleistet, mit strengster Gewissenhaftigkeit vorbildlich Ihres Amtes gewaltet. Diese mustergültigen Leistungen im Dienste unserer Gemeinde und deren vornehme achtunggebietende Vertretung durch Sie würde allein ausreichen, um Ihnen die dankbare Anerkennung und Verehrung des Kultusvorstandes, die unverbrüchliche Dankbarkeit unserer Gemeinde für alle Zeiten zu sichern. Hochgeschätzter Herr Präsident! Sie haben in Ihrer Amtstätigkeit stets und vor allem das edelste Organ des Menschen, das Herz, bei Ihren Entscheidungen sprechen lassen. Ihre Alacht wußten Sie nicht auf die Amtsgewalt zu stützen, sondern auf die Güte und was Ihnen, hochgeschätzter Herr Präsident, an Einfluß und Ansehen zu eigen ist, Sie haben sie vollständig und ganz in den Dienst des YVohltuns gestellt und so das Propheten wort: „Ich, der ich Güte und Wohltun verkünde, habe die Macht, zu helfen4aufs neue verwirklicht. Jene beiden schönen Tugenden, die auf jeder Seite unseres Schrifttums verherrlicht und gepriesen werden: Zedoko und Gemilas Chesed, sie haben, hochgeschätzter Herr Präsident, in Ihnen den ausgezeichneten Interpreten gefunden. Wie zahlreichen Hilfesuchenden haben Sie in Ihrer verstehenden Güte und Herzenswärme die Hand gereicht und sie in ihrer Not nicht nur unterstützt, sondern vor allem in dem Jammer ihrer Seele getröstet und aufgerichtet. Unsere Weisen sagen: „Wer ein Menschenleben rettet, dem wird es angerechnet, als hätte er die ganze Welt erhalten" Darf es uns Wunder nehmen, daß Sie in dieser hohen ethischen Arbeit zum Heile der Armen und Kranken, der von der Not des Tages Verfolgten, ohne Erwerb und Arbeit dastehenden Glaubensbrüder, vor allem in edelster Begeisterung der Kinder sich annahmen, der Zukunft und Hoffnung jedes Volkes, jener Aermsten, denen ein tückisches Schicksal ihre Erhalter und Ernährer geraubt? Heiße, unversiegbare Dankbarkeit haben Sie in die Herzen der Kinder gepflanzt und das Vertrauen an die Güte der Menschen befestigt. In diesem edlen Wirken hat ein gütiges Geschick Ihnen eine edle Frau als Gattin zugesellt, die, kongenial mit Ihnen, voll Herzenswärme und mütterlicher Liebe, jenes unsichtbare Fluidum schafft, das den Bedrängten mit Zuversicht erfüllt und den Hoffnungslosen aufrichtet. Wie unmeßbar ist der Wert einer solchen Gefährtin•. und so dürfen wir auf Ihr Tun und Schaffen die Worte des Psalmisten anwenden: „Ich dachte, die Welt wird durch Liebe aufgebaut". Wir alle. Ihre Arbeitsgenosen, vereinigen uns in dem heißen Wunsche, daß die gütige Vorsehung Sie, hochgeschätzter Herr Präsident, im Vollbesitze Ihrer Schaffenskraft bei voller körperlicher und geistiger Frische, vereint mit Ihrer hochgeschätzten, verehrungswürdigen Gemahlin, uns erhalte zur Freude und zur Ehre unserer Gemeinde und aller der zahllosen Menschen, die Sie, hochverehrter Herr Präsident, in Dankbarkeit verehren und lieben. Wir werden auf die schöne Feier noch zurückkommen. Tiefe Mißstimmung in Palästina. Unter diesem Titel veröffentlicht der Jerusalems Korrespondent der „Neuen Freien Presse" Ernst Davis folgenden Situationsbericht vor Eintreffen der Londoner Untersuchungskommission, von deren Entscheidung die künftige Palästinapolitik abhängt: Im Lande herrscht Gewitterstimmung. Wenn man durch die Straßen Jerusalems geht, sieht man Juden mit verbitterten Mienen, wo Juden untereinander oder mit Fremden zusammenkommen, hört man verbitterte Reden. In der Provinz ist es, nach dem, was man in Erfahrung bringen kann, nicht viel anders. Die Juden spüren, daß eine große Entscheidung bevorsteht... Und sie spüren, daß sie in eine Stellung hineinmanöveriert wurden, die es schwer macht, die Schlacht zu gewinnen. Die Schlacht ist der Prozeß vor der Untersuchungskommission, die vom Londoner Kabinett hieher geschickt wird, um die Ursachen der Araberrevolte festzustellen. Das Kabinett hat bekanntlich angekündigt, daß es nach dem Bericht dieses Gremiums die Politik Englands in Palästina festlegen wird. Die Tendenz der Untersuchung. Ueber die Tendenz der Untersuchung bestehen schon heute, bevor die Kornmission noch London verlassen hat, keine Zweifel. Nach allem, was mau weiß, wird sie die Administration reinwaschen und die Schuld zwischen Juden und Arabern aufteilen. Die Regierung soll, so wird behauptet, von Beginn der Unruhen an alles vorbereiten, um die Unterscheidung zwischen Angreifern und Angegriffenen zu verwischen, beide auf eine Stute zu stellen, daß man weiß, wer überfallen hat und wer über lallen wurde. Die Konsequenz, mit der die Regierung nach hiesiger Auffassung diesen Weg verfolgt, selbst dort, wo die Dinge ganz eindeutig sind, charakterisiert am deutlichsten ihr Verhalten in der Hebron affäre. Unmittelbar nach der Schlächterei wurde den Juden verboten, die verstümmelten Leichen als Beweismaterial zuphotographieren... Die Exhumier u n g, die auf Verlangen jüdischer Aerzte stattfand, wurde drei Wochen lang verzögert, bis wegen der schnellen Verwesung nicht mehr festzustellen war, was auf Fäulnis, was auf Verstümmelung zurückzuführen ist, und die Kommission veröffentlichte darauf einen Bericht, der erklärt, daß der Vorwurf der Verstümmelung unbegründet sei. Die Zuteilung der Schuldquote. Auch nach dem Pogrom im Jahre 1921 wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, nicht von London, sondern von Sir Herbert S a m u e 1. Auch die Kommission gab einen Bericht heraus. Sie stellte fest, daß die Schuld an den Unruhe u den Zionismus treffe, weil die Araber nicht mit ihm einverstanden sind. Das ist ungefähr so, als wenn mau sagen würde, an einem Kommuuistenaufruhr in Europa ist die kapitalistische Wirtschaftsordnung schuld, weil die Kommunisten nicht mit ihr einverstanden sind. Dem Bericht folgte eine Deklaration der Regierung, die kein W o r t des Tadels für die Pogromhelden, ebensowenig die Androhung der gesetzlichen Strafe enthielt, ihnen aber das Versprechen gab, die jüdische Einwanderung einzuschränken. Was auch prompt geschah. Vieles spricht dafür, daß die Dinge jetzt einen ähnlichen Verlauf nehmen werden. Die neue Kommission zur Untersuchung des Pogroms kommt in eine Atmosphäre, in der sowohl Angreifer wie Angegriffene von vornherein als schuldige Parteien betrachtet werden. Ein hoher Regierungsfunktionär erklärte zum Ueberfluß Vertretern der Juden inoffiziell, daß sämtliche Beamte der Administration gegen die Juden seien, weil sie von ihnen wegen des Verhaltens der Regierung vor den Unruhen, während ihrer Dauer und nachher angegriffen wurden. Faktisch geht der Kampf nur noch um die Zuteilung der Schuldquote. Noch vor anderthalb Wochen meinten gut informierte Leute in London, die Juden würden vierzig, die Araber sechzig Prozent der Schuld zugeschrieben bekom-

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