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Die Wahrheit · 1929-10-18 · Heft 42 (18.10.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Wahlrechtes vollzogenen Wahlen in den Kultusvorstand. Der Amtsantritt des Präsidenten Prof. Pick fiel in die schwerste Zeit, welche die Israelitische KultusRemeiiide seit ihrem Bestände zu verzeichnen hatte. Die Auswirkungen der Kriegs- und iNachkriegszeit machten sich hier besonders fühlbar. Die außerordentlichen Anforderungen, welche das Fürsorgewesen stellte, die Geldentwertung, die politischen Zersplitterungen und Kämpfe, die Lohnkämpfe mit den verschiedenen Gruppen der Angestelltenschaft, die Wiederinstandsetzung der Anstalten und Baulichkeiten der Kultusgemeinde etc. stellten den Kultusvorstand vor die allerschwierigsten Aufgaben. Unter der Führung des Präsidenten, dessen hohes Ansehen bei allen Parteien und allen Gemeindeangehörigen besonders zur Geltung kam, konnten all diese Aufgaben bewältigt werden. In der Zeit der Präsidentschaft Prof. Picks wurde die Wahlordnung der Kultusgemeinde reformiert, sowie das Steuer- und Finanzwesen einer gründlichen Anpassung an die neuen Verhältnisse zugeführt. Die materielle Lage der Angestelltenschaft aller Gruppen hat durch die Angleichung an die Bezüge der Angestellten der Gemeinde Wien eine wesentliche Besserstellung erfahren. Durch die Bemühungen des Präsidenten sind in den schweren Nachkriegsjahren bedeutende Mittel aus dem Auslände, besonders aus Amerika den Hilfsbedürftigen in Wien zugutegekommen. In die Zeit seiner Präsidentschaft fällt die durchgreifende Renovierung und Ausgestaltung des Spitales der Isr. Kultusgemeinde, die Errichtung des „Sonnentagesheimes" im Augarten, der Bau der neuen Zeremoniengebäude am Neuen israelitischen Friedhofe, der Wiederaufbau der abgebrannt gewesenen großen Synagoge im IL Wiener Gemeindebezirke, die Restaurierung und die 100-Jahrfeier des Stadttempels, die Errichtung des Kriegerdenkmals und eine Reihe Verbesserungen und Ausgestaltungen im umfangreichen Betriebe der Kultusgemeinde. Dienstag, den 15. d. M. trafen im gastlichen Hause des Jubilars den ganzen Tag über fortwährend Deputationen der verschiedensten allgemeinen und jüdischen Korporationen ein, die in Wort und Schrift Herrn Professor Dr. Alois Pick die herzlichsten Glückwünsche ihrer Verbände überbrachten. Abordnungen des Bundeskanzleramtes und Unterrichtsministeriums — der Bundeskanzler hatte auch persönlich gratuliert —, der Universität, des Deutschmeisterbundes und alle namhaften jüdischen Vereinigungen, so die „Israelitische Allianz" (Präsident Dr. Arthur Kuranda, Hofrat Dr. Josef Löwner, Sekretär Rabbiner Dr. A. Kaminka), die „Union deutschösterreichischer Juden" (Präsident Dr. Jakob Ornstein, Dozent Dr. Hugo Stern, Sekretär Oskar Hirschfeld), das Kuratorium der IsraelitischyttiUhriscfke und ungarische &ett*und Xebergänse sowie rohes und ausgelassenes Gansfett zu billigsten Marktpreisen Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döblinger Hauptstraße 88 theologischen Lehranstalt (Hofrat Dr. S. Frankfurter), das Kuratorium und Frauenkomitee des Meroreswaisenhauses, Verein „Ferienheim" (Präsidentin Sofie Grünfeld), die Beamten der Kultusgemeinde, die durch eine Abordnung unter Führung der Herren Amtsleiter Förster und Inspektor Oehler eine schöne Denkschrift überreichten, sie alle und noch unzählige andere kamen, um dem Jubilar und seiner geschätzten Gattin Glückwünsche zu ihrem Jubel tage zu überbringen. In den zahlreichen Glückwunschschreiben, darunter eines des Altbundeskanzlers Michael Hainisch, manifestierte sich ebenfalls die große Beliebtheit des Jubilars. In der am 16. Oktober im Sitzungssaal der Kultus- Gemeinde stattgefuudenen Festsitzung des Kuliusvorstandes wurde Herrn Prof. Dr. Alois Pick folgende Adresse überreicht: Hochgeschätzter Herr Präsident! in festlicher Stimmung haben sich heute der gesamte vorstand unserer Gemeinde, die Vertreter der Bothausvcstände und Tempelvereine, die Delegierten der Bezirkskommissionen, die Abgesandten all' der zahlreichen humanitären Institutionen und Körperschaften, die Abgeordneten unserer Beamten und Angestellten versammelt, um mit Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, sich eins wissend mit unserer ganzen großen Kultusgemeinde, Ihren 70. Geburtstag zu besehen. ntmiSSigä Mehr als ein Menschenalter haben Sie in unserer altösterreichischen Armee verbracht und durch Ihre außerordentlich gewissenhafte Pflichterfüllung, durch Ihren vornehmen Charakter und durch Ihre wissenschaftlichen Leistungen die höchste militärische Charge errungen, die je einem .luden zu erreichen vergönnt war. Als Gelehrter vermochten Sie. hochverehrter Herr Präsident, durch richtunggebende Forscherarbeit das unbestrittene Ansehen der Fachwelt zu gewinnen, als Schüler jenes großen Mannes, der die Güte als das vornehmste Requisit des Arztes erklärte, waren Sie Ihren Kranken nicht nur der Arzt für die Krankheit des Körpers, sondern auch der Helfer für die Nöte des Alltags und den Kummer der Seele. Unser erster Gruß gilt Ihnen als dem Manne, der in der Zeit der schwersten Bedrängnisse opferfreudig dem Rufe der Wiener Judenschaft Folge geleistet und den das einhellige Vertrauen aller Mitglieder des Kultusvorstandes an die Spitze unserer Gemeinde gestellt hat. Noch kein Jahrzehnt ist seither verstrichen und doch, wie unendlich groß und vielgestaltig war das Weltgeschehen in diesem Zeiträume, unvergleichbar in seinen Wirkungen den Ereignissen manches Jahrhunderts früherer Zeiten. In den schmerzvollen Tagen nach dem Zusammenbruche stand auch unsere alte Gemeinde am Rande des Abgrundes. Ungezählte Stunden saßen Sie, hochgeschätzter Herr Präsident, mit den Mitgliedern des Kultusvorstandes im Beratungssaale, um in schwerer Arbeit den Weg zu suchen, der zur Erhaltung unserer altehrwürdigen Gemeinde führen sollte: und wenn manchmal jede Aussicht versperrt blieb und Kleinmut manches Gemüt erfüllte, Sie, hochverehrter Herr Präsident, haben niemals die feste Zuversicht aufgegeben, daß dieser Hort unserer Glaubensgemeinschaft, dieses Bollwerk echt jüdischer Humanitätspflege den Stürmen des Tages standhalten werde. Unbeirrbar standen Sie als treuer Wardein auf Ihrem Posten, um durch Wort und Tat zu erfüllen das Bibelwort: „Kehret zurück zur festen Burg, die Ihr in der Hoffnung beharret". Die ruhige Sicherheit Ihrer Führerschaft hat die Verzagten ermutigt, Ihr beispielgebendes Wirken hat die Zuversichtlichen bestärkt, bis es gelang, für unsere Gemeinde eine neue Grundlage zu schaffen für die kommende Aera des Aufschwunges. Immer wieder dürfen wir mit Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, freudigen Herzens zurückblicken, welche Fortschritte unsere Gemeinde in diesem Jahrzehnt gemacht: Altbewährte Einrichtungen konnten erhalten und vergrößert, MODERNST EINGERICHTETE IBO DAMPFBÄCKEREI Unter Aufsicht des ebrw. Rabbinates d. ADAS JISROEL (Schiffschul) Spezialität: Ung. Welzenu. Kornbrot unter dem Namen WS W M£ M\ . MV. mm A *■* sowie weiss-, fein- ■* ■» mm- ■** mW m UND MILCH GEBACK Bestellungen für Sudes und Hochzeiten werden entgegengenoram u.bestens ausgeführt ANDERER & KOMM, Verkaufs!oka!: 11 , Große Schiffgasse 16 Telephon A41-7-4S — Betrieb: 11., Hollandstraße 7, Telephon R47-4-95

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