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Die Wahrheit · 1929-10-18 · Heft 42 (18.10.1929) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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EHE WAHRHEIT Seite 7 Sie gedenken jener jüdischen Kameraden, die mit ihnen Schulter an Schulter auf der Walstatt gekämpft und gesiegt. Die Treue, die sie draußen gehalten, werden sie ihren Kameraden auch hier halten. Auch im „Deutschmeisterwerk" sind d i e Heldentaten der jüdischen Helden aufgezeichnet, die die Aufgaben ihres Regimentes pflichttreu und ganz erfüllt haben. Redner legte im Namen des Deutschmeisterbundes einen mächtigen Kranz nieder. Nun stimmte Oberkantor Marguli es mit dem Chor das Lied „Seele, was betrübst du dich?" an. Das Denkmal selbst, das von Architekt Max L i e w e r ausgeführt wurde, steht am Rande des halbkreisförmigen Gräberfeldes, das etwa 1000 Heldengräber umfaßt. Durch das mächtige Pö?ial gelangt man in ein offenes Oktogon, in das das Tageslicht frei eimällt. Auf sieben mächtigen Tafeln aus Laaser Marmor ist die Inschrift: „Die israelitische Kultusgemeinde Wien, ihren im Weltkrieg 1914 bis 1918 gefallenen Söhnen" neben den Namen der Gefallenen angebracht. Die Oktogomnauer-n sind mit Lindabrunner Steinplatten verkleidet und klingen nach oben ringsum in halbkreisförmige Steinzinnen aus. Frei im Räume sind auf sieben mächtigen Tafeln aus Laaser Marmor die Namen der gefallenen Krieger, harmonisch auf die leuchtenden Flächen verteilt, in vollendet schöner Schrift verewigt. Eine hebräische, plastisch herausgearbeitete Inschrift ziert die dem Beschauer zugewendete Oktogonwand. Die deutsche Uebersetzung dieser Inschrift: „Nicht mehr wird erheben Volk gen Volk das Schwert, und nicht lernen sie fürder den Krieg, Jesaias II/4" ist als wirkungsvoller Rahmen rings um die Inschrifttafel mit vergoldeten Lettern eingemeißelt. Ebenso wie hier vor dem Grabe der eigenen Gefallenen wurde auch vor den Gräbern der in der Gefangenschaft hier Verstorbenen das Totengebet gesprochen. Die Ruhestätte der auf dem Zentralfriedhof, israelitische Abteilung, beerdigten russischen Kriegsgefangenen jüdischer Konfession wurde nach dem Entwürfe des technischen Amtes der israelitischen Kultusgemeinde in würdiger Weise ausgestattet. Vollkommen gleichgeformte, niedere Grabsteine aus Mannersdorfer Kalk, die Namen und Sterbedaten der toten Helden aufweisen und in regelmäßiger Austeilung über den Gräbern errichtet, sind im Hintergrunde von einem größeren Stein aus demselben Material überhöht, auf welchem in hebräischer und deutscher Sprache die Widmungslegende eingemeißelt ist. Sie lautet: „Die israelitischeKultusgemednde Wien den fern von der Heimat an dieser Stätte des ewigen Friedens zur letzten Ruhe gebetteten russischen Kriegsgefangenen." Eine gärtnerische Umrahmung durch halbhohes Gebüsch vervollständigt den geschlossenen und ernsten Eindruck dieser Anlage. Schließlich defilierte die Ehrenkompagnie mit klingendem Spiel und wehender Fahne vor den beiden Begräbnisstätten. Damit fand die schöne Feier, deren Gelingen vor allem dem Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb zu danken ist, ihren Abschluß; sie wird wegen ihrer erhebenden Würde allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben als ein Ehrentag unserer Gemeinde. Prof. Dr.AloisPick 70Jahre. Generaloberstabsarzt Univ. Prof. Dr. Alois Pick, der Präsident der Wiener israel. Kultusgemeinde, feierte am 15. d. M. seinen 70. Geburtstag. Man kennt das Wort Nothnagels: „Ein guter Arzt muß ein guter Mensch sein." Nun, unsere Kultusgemeinde darf von sich sagen, daß an ihrer Spitze heute ein bedeutender Arzt steht, der wirklich ein guter Mensch ist. Prof. Alois Pick, dessen 70. Geburtstag in diesen Tagen festlich begangen wurde und der seinerzeit an der Klinik Nothnagel wissenschaftlich gearbeitet hat, ist dem Worte dieses großen Meisters der Medizin gerecht geworden. Ein guter Mensch und ein guter Jude, das sind die Charakteristika des Mannes, der jetzt unserer altehrwürdigen Gemeinde vorsteht und dem nun von nah und fern Gratulationen zukamen, die seiner Wirksamkeit gerecht wurden und denen auch wir uns anschließen. iUFA-TON-KINOi Das Tifmtßeater der guten Geseffscgaft zeigt raosfoukln 1*1 ANOLESCU DER KONIG DER HOCHSTAPLER mit Brigitte neun, Helnrldi George, Ulla Pari© und das erste deutsche Hl TC III BIABD Tonfilmlastspiel: ALI C KLClDCK Paul Nortfan und SleitfrEed Arno Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn- und feiertags: ab 4 Uhr Univ. Prof. Dr. Alois Pick ist am 15. Oktober 1859 zu Karolinenthal bei Prag in Böhmen geboren, sein Vater, Leopold Pick, war Kauimann, seine Mutter hieß Sofie, geborene Epstein. Seine Eltern waren stets darauf bedacht, ihren acht Kindern, deren viertes er war, eine sorgfältige Erziehung angedeihen zu lassen. Er wurde im Jahre 1883 an der Prager deutschen Universität zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert und war durch 2 Jahre an der propädeutischen Klinik des Prof. K n o 11 in Prag tätig. Im Jahre 1884 trat er als Berufsmilitärarzt in das österreichisch-ungarische Heer ein. Während seiner Dienstzeit vom Jahre 1884 bis 1887 in der Herzegowina hat er als Erster eine in der warmen Jahreszeit dort und auch in verschiedenen Gegenden des Mittelmeeres häufig vorkommende Krankheitsform als eine eigenartige Infektionskrankheit erkannt und beschrieben. Es ist die später mit dem Namen „Papataccifieber" belegte Krankheitsform. Ein bei dieser Krankheit vorkommendes charakteristisches Symptom wird in der Literatur mit seinem Namen benannt. — Jahre 1887 wurde er auf die Klinik von Prof. Nothnagel in Wien zugeteilt und hat an dieser Klinik mehrere Jahre wissenschaftlich gearbeitet. Im Jahre 1890 hat er sich als Dozent für Interne Medizin habilitiert und hält seit dieser Zeit Vorlesungen an der Medizinischen Fakultät über Interne Medizin, besonders über Magen- und Darmkrankheiten. Im Jahre 1904 erhielt er den Titel eines außerordentlichen, im Jahre 1918 den eines ordentlichen Universitätsprofessors. — In seiner Eigenschaft als aktiver Militärarzt, in der er bis Ende 1918 verblieb, war er durch acht Jahre dem Generalstabe zur Dienstleistung zugeteilt, war sodann Chefarzt der Abteilung für innerlich Kranke im Garnisonsspitale Nr. 1 in Wien, der größten Militärheilanstalt der bestandenen Monarchie, sodann Chefarzt der klinischen Abteilung an der militärärztlichen Applikationsschule in Wien und hatte die internen Kurse für die Doktoren, die auf eine Stelle im militärärztlichen Offizierskorps aspirierten, zu halten, war gleichzeitig Mitglied des Militärsanitäts-Komitees und während des Weltkrieges Präses des Militärsanitäts- Komitees, der höchsten wissenschaftlichen Stelle für militärwissenschaftlich-medizinische Angelegenheiten. — Er hat den höchsten Rang, und zwar den eines Generaloberstabsarztes (entsprechend dem Feldmarscballeutnant der militärischen Chargen) erreicht und ist am Ende 1918 als Militärarzt in den Ruhestand getreten. — An der Universität ist er weiterhin tätig und hält Vorlesungen über Magen- und Darmkrankheiten. Er hat eine große Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht, die einzeln anzuführen, zuviel Raum in Anspruch nehmen würden, ferner zwei größere Werke, und zwar: „Vorlesungen über Magen- und Darmkrankheiten", 2 Bände, bei Deuticke, Leipzig und Wien, „Klinische Semiotik", gemeinsam mit Dr. Adolf Hecht, bei Alfred Holder. Wien und Leipzig. Von diesen Werken ist auch eine englische und russische Uebersetzung erschienen. — Seit dem Jahre 1920 ist er Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Er gehört einer größeren Anzahl medizinischer Gesellschaften an und betätigt sich aktiv bei verschiedenen wissenschaftlichen und humanitären Bestrebungen. Gelegentlich der ersten Neuwahlen in den Kultusvorstand, die nach dem Kriege stattfanden, wurde Prof. Drt Alois Pick in diese Körperschaft und aus deren Mitte zum Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde gewählt. Es waren dies die ersten nach den Grundsätzen des Proportional-

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