Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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smmmtmimroHTOmtmimnmttniiiöiRnniTnminitm fflffl,HI, Seite 13 gewesenen österreichischen Generalkonsuls Herrn Carl B. Prumler, der im Sinne des Gebotes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" über alle konfessionellen Unterschiede hinweg seinen Nachlaß dem Waisenhause letztwillig vermachte, von dessen vorzüglicher Leitung er sich durch wiederholte Besuche persönlich überzeugt hatte. Dr. Ornstein gedachte ferner der aufopfernden Bemühungen, welche Oberrabbiner Dr. C h a j e s s. A. der Aufbringung der Mittel zur Erhaltung der Anstalt, die durch den Währungsverfall verarmt war, in dieser schweren Zeit gewidmet hat, ferner des allzu früh dahingeschiedenen Dr. Ernst Fried] üng, der sich durch seine Herzensgüte bei den Kindern ein dauerndes ehrenvolles Gedenken gesichert hat. Schließlich dankte er der Leiterin des Hauses, Frau Direktor Johanna Lehmann, und ihrer Mitarbeiterin, Frau Rosa B o d e n s t e i n, die in unermüdlicher Hingebung der gut jüdischen Erziehung der Kinder und der wirtschaftlichen Führung des Hauses sich widmen, dem ehrenamtlichen Anstaltsarzt Herrn Med.-Rat Dr. Heinrich Haase, der als Beirat des Kuratoriums seit Errichtung der Stiftung dem Hause und seinen Schutzbefohlenen mit Herz und Seele verbunden ist, dem Religionslehrer Prof. Dr. Bronner, der die Kinder in ihrem Gefühle für das Judentum festigt, Herrn Prof. Herz, der, des Lichtes des Auges beraubt, mit dem Lichte der Seele bemüht ist, in den Kindern das Verständnis für Musik und Gesang zu fördern, und der Wäscheverwahreiii Frl. Rosa Brief. Welche Anhänglichkeit die Zöglinge für das Haus empfinden, beweist die Tatsache, daß sich ein Komitee der ehemaligen Zöglinge gebildet hat, das durch Sammlung eines kleinen Fonds der Anstalt in ihrer jetzigen schweren Not helfen will. Dr. Ornstein forderte schließlich auch die Anwesenden auf, diesem schönen Beispiele zu folgen und die Anstalt, die es wahrlich verdient, stets zu fördern. Es folgte eine Ansprache eines ehemaligen Zögling des Hauses, Fräulein Vita Seif, jetzt Lehrerin im Blindeninstitut, die die herzliche Dankbarkeit hervorhob, mit der alle Zöglinge des Hauses dieser ihrer Heimat, dem Mittelpunkt sonniger Erinnerungen anhängen, und die Bitte aussprach, allen Schicksalsschwestern die gleiche Liebe unvermindert zu bewahren. Den Höhepunkt der schönen Feier bildete die Aufführung eines Festspieles, verfaßt von der sicherlich sehr talentierten Hertha Schwarzbart und dargestellt von den reizenden Kindern des Heimes. Die Verfasserin sprach selbst den Prolog, der in schönen Worten zum Ausdrucke brachte, was die Kinder für ihre Heimstätte und für die gütigen Menschen, denen die Erhaltung dieser Heimstätte zu danken ist, empfinden, und die Zöglinge führten unter Leitung von Fräulein Schwarzbart hierauf das Festspiel auf, in dem Kinder in ihrer Weise, die die Verfasserin trefflich auszudrücken vermochte, einen Tag im Waisenhause, seine Feste und Freuden schilderten. Das hübsche Stück, dessen musikalische Einrichtung und Liedereinlagen von Prof. Josef Herz stammen, schloß mit einem Huldigungsreigen für die Stifterin Frau Charlotte Merores-Itzeles s. A. Nach einem Hallelujah beendete Präsident Dr. Ornstein die offizielle Feier, wobei er noch erwähnte, daß Herr Bundeskanzler Dr. Hans Schober dem Kuratorium für seine karitative Tätigkeit in einem herzlichen Schreiben das beste Gelingen wünschte. Er bat Herrn Minister Prof. Dr. 1 n n i t z e r, dem Herrn Bundeskanzler den herzlichsten Dank für diese Wünsche zu übermitteln. Präsident Prof. Alois Pick ergriff nun das Wort, um dem Obmann des Kuratoriums, Herrn Dr. Jakob Ornstein für seine wahrhaft hingebungsvolle Tätigkeit in herzlicher Weise zu danken. Es folgte ein Rundgang durch das Haus, an dem sich Herr Minister Prof. Innitzer beteiligte, der in lobenden Worten seiner Befriedigung über die musterhafte Führung des Hauses Ausdruck gab. Die Festgäste bewunderten die Ausstellung der verschiedensten Zöglingsarbeiten, die Herr Präsident Dir. Wilhelm Kux, ein warmer Freund des Heimes, restlos käuflich erworben hat. Wir, die wir dieser schönen Anstalt unseres jüdischen Wien so oft mit unseren publizistischen Kräften fördernd beizustehen versuchten, gratulieren dem Hause, seinen Erhaltern und seiner Leitung an diesem Jubeltage auf das herzlichste und wünschen, daß er dazu beigetragen hat, wieder neue Freunde der Anstalt zuzuführen, damit ein schönes Werk der Nächstenliebe nicht untergehen muß. Statt eindringlicher Worte sollen diesmal Zahlen sprechen, die beweisen mögen, wie sehr die Anstalt eine solche warmherzige Förderung verdient: Die Gesamtzahl der seit Errichtung des Institutes im Hause verpflegten Mädchen betrug 279, hiervon waren 53 Waisen, 187 Halbwaisen und 39 verlassene Kinder. Nach Oesterreich zuständig waren 104, fremdzuständig 140, heimatlos 35. O H * * ¥ Wollten wir an dieser Stelle all derer gedenken, für die unser Herz von Dankbarkeit erfüllt ist, wir könnten kaum zu Ende kommen! Welch unvergängliche Verdienste hat Frau Adele v. Mises, unsere erste Heimmutter, sich um uns erworben! Welch große Liebe bringen wir Frau Prof. Pick, der Gattin des Präsidenten, unserer Tante Regine, entgegen! Aber wir beabsichtigen, heute der stillen, segensreichen Tätigkeit einer Frau zu gedenken, die ihr Leben uns lebte und lebt und deren ganze Liebe, die ihr schönes Herz zu fassen vermag, uns gehört. Frau Direktor Lehmann, die nun schon seit 23 Jahren unserem Hause vorsteht, war und ist all den Kindern in all den vielen Jahren die Mutter, zu der man voll Bewunderung und vertrauensvoller Liebe aufblickt und die voll des innigsten Verständnisses in die Seelen ihrer Schützlinge sieht. Im Vertrauen auf ihre nie versagende Hilfe kommen wir mit unseren kindlichen Nöten zu ihr und wenn wir groß und unsere Nöte ernst geworden sind, ist immer noch sie die mütterliche Freundin, an deren Herzen sich jedes Herz erleichtert. Mit unermüdlichem Eifer und heiliger Begeisterung bemüht sie sich immer, uns auf die Schönheit der Welt, sei es in der Religion, in der Natur, der Kunst, zu weisen und sie uns genießen zu lehren. Zur Zeit des Krieges, als die Not so schrecklich war und besonders für uns im Wachstum begriffene Kinder gefährlich werden konnte, bleichte die unaufhörliche Sorge um uns ihr Haar. Tag und Nacht war unser Wohl ihr Gedanke und sie scheute, auf das tatkräftigste von Frl. Bodenstein unterstützt, keine Mühe, keinen Gang, um unser tägliches Brot zu beschaffen. Niemals können wir unsere Dankesschuld an sie begleichen. Wir können nichts, als sie von ganzer Seele lieben, wie Kinder eine liebe, gute Mutter lieben. Möge sie, der äußerliche Anerkennung ihrer Verdienste nur in geringem Maße zuteil wurde, sich unserer aufrichtigen Liebe freuen! Für alle ehemaligen und gegenwärtigen Zöglinge des Merores-Waisenliauses Herta Schwarzbart und Lilli Goldhammer. Budapest. Wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, ist durch die in einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossene Statutenänderung die Möglichkeit geschaffen worden, Herrn Hofrat Samuel Stern, der der Repräsentanz bisher nicht angehörte, an die Spitze der Pester israelitischen Religionsgemeinde zu berufen, deren Geschäfte seit dem Tode des Präsidenten Aladar K a s z a b von den beiden bewährten Vizepräsidenten Herrenhausmitglied Dr. S. Glücksthal und Rechtsanwalt Dr. Marcell H a j d u geführt wurden. In einer zweiten außerordentlichen Generalversammlung, die Sonntag, den 1. Dezember, stattfand, wurde nach einer Ansprache des Herrenhausmitgliedes Doktor S, Glücksthal Hofrat Samuel Stern einstimmig zum Präsidenten gewählt und von einer Deputation unter Führung des Vizepräsidenten Doktor H a j d u feierlich eingeholt. Hofrat S. S t e r n erklärte, die Wahl anzunehmen, und entwickelte, lebhaft akklamiert, sein Programm, das sich mit dem seiner Amtsvorgänger Dr. Alexander Leder er