Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 fflfflfflMifflfflffltHm DIE WAHRHEIT und Hofrat Aladar Kaszab deckt und dessen Hauptgrundzug die Parole darstellt: „Zurück zum Judentum/4 In diesem Sinne sollen alle Bestrebungen, die der religiösen Hebung des Judentums dienen, gefördert werden, insbesondere der Bau von neuen Synagogen und Schulen. Auch die karitative Tätigkeit des Kultusvorstandes soll auf eine möglichst breite Basis gestellt werden. Man kann der Verwirklichung dieses schönen Programms durch den neuen Präsidenten, zu dessen Wahl die Pester israelitische Religionsgemeinde nur zu beglückwünschen ist, um so beruhigter entgegensehen, als Hofrat Samuel Stern, wie wir bereits letzthin erwähnten, von orthodoxen Eltern stammt, eine streng religiöse Erziehung genoß und über ein großes jüdisches Wissen verfügt. Der Vater der Baronin Klarisse Rothschild gestorben. In Lo ndo n ist am 28. November Herr Edmund Sebag- Montefiore nach längerem Leiden im 61. Lebensjahr gestorben. Der Verblichene war der Vater der Baronin Klarisse Rothschild, der Gemahlin des Dr. Alfons Freiherrn von Rothschild. * * # Bankier Edmund Sebag-Montefiore laborierte seit längerer Zeit an einem Herzleiden und war von den Aerzten schon seit Wochen aufgegeben. Baron Dr. Alfons v. Rothschild und seine Gattin, die den Herbst auf ihrem Schloß in Zillersdorf in der Tschechoslowakei verbracht hatten, sind auf die Nachricht von dem kritischen Zustand des Schwiegervaters, respektive Vaters, Sonntag früh nach London gereist. Der Verstorbene, der in London ein angesehenes Bankgeschäft betrieben hat, hinterläßt außer der Tochter, Baronin Klarisse v. Rothschild, zwei Söhne, von denen der älteste im Geschäfte seines Vaters tätig war und dieses nun weiterführen wird. Ein zweiter Sohn ist Offizier und hat als Major den Weltkrieg mitgemacht. Ein dritter Sohn ist vor einiger Zeit in Australien in den Kolonien gestorben. — Baron Dr. Alfons v. Rothschild, der zweite der in Wien ansässigen Brüder Rothschild, der an dem Bankhaus, das sein Bruder Louis Rothschild leitet, zwar beteiligt, aber nicht mittätig ist, hat seine Gattin seinerzeit in Karlsbad gelegentlich eines Kurgebrauches ihres jetzt verstorbenen Vaters kennengelernt und vor elf Jahren geheiratet. Dieser Ehe sind drei Kinder, ein Knabe und zwei Mädchen, entsprossen. Das Söhnchen hat heuer zum erstenmal die Schule besucht, die jüngste Tochter ist erst zwei Jahre alt. Israelitischer Tempel- und Schulverein für den X. Gemeindebezirk Wiens. Sonntag, den 8. Dezember 1929 findet, um 6 Uhr abends, im Tempel, X., Humboldtgasse 27, ein Trauergottesdienst nach dem verewigten Rabbiner Professor Dr. A. L. M a n d e l statt. Doppeljubiläum. Kürzlich beging Herr Ernst L ö w i, Gummiwarengeschäft. II., Pratersrraße 36. in vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag und das 40jährige Geschäftsjubiläum und war deshalb Gegenstand vieler Ehrungen. Todesfall Am 3. d. M. wuirde unter großer Beteiligung Frau Rosalia F re i w i r t geb. H e r z f e 1 d, die am 30. v. M. im 88. Lebensjahre verschieden ist, zu Grabe gerragen. An ihrer Bahre trauern die Söhne: Albert (Chemnitz), Rudolf, Eduard (Moconok), Leopold, Josef (New York) und Samuel F r e iw i r t h. die Tochter Adele Fischer, sowie Schwieger- und Enkelkinder, Neffen und Nichten. Die Verstorbene, die einem vornehmen jüdischen Hause Oberungarns entstammte, war eine ebenso wohltätige, als tief religiöse Frau, die sich wegen ihres trefflichen Charakters großer Achtung erfreute. Herr Rabbiner Dr. Max G r u m w a 1 d konnte mit Recht in einer gehaltvollen Trauerrede sagen, sie ist mit reinem Herzen durch das Leben gegangen. Bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person lebte sie als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und widmete ihr langes Leben dem Wohle ihrer Familie. Redner betonte auch die Dankbarkeit der Kinder, die die viele mütterliche Güte dadurch vergalten, daß sie ihr den Lebensabend zu verschönern suchten. Ganz besonders gilt dies von ihrem Sohne Rudolf, bei dem die Verstorbene seit dem im Jahre 1913 erfolgten Tode ihres Gatten lebte, und von seiner Gattin Olga, die die Heimgegangene wie eine eigene Tochter bis zum letzten Atemzuge aufopfernd betreute. — Die kantorale Funktion versah Erster Kanton Leo Funke mit Chorassistenz in überaus würdiger Weise. Der schlichte Sarg wurde nach der Trauerzenemonie von den Söhnen und Verwandten der Verblichenen zur letzten Ruhestätte getragen. Am offenen Grabe rezitierte Kantor Leo Funke im Auftrage; der korporativ mit ihren Obmännern erschienenen Vereine: „Erster Wiener Gewerbeverein", Leopoldstädter Kranken - Unterstützungsverein „Nächstenliebe", Allgemeiner Kranken, und Unterstützungsverein „M o n t e f i o r e" und „Smetana - Wohlfahrtsverein" ein El-mole Rachamim. Trauersitzung. Am 19. November fand eine Trauersitzung des Jüdischen Frauenwohltätigkeitsvereines Favoriten statt, dessen Präsidentin Frau Anna Mandel, die Witwe nach dem verstorbenen Rabbiner Prof. Dr. A. L. Mandel ist. Die Vizepräsidentin, Frau Louise Pollatschek hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf, der alle Anwesenden tief rührte. Die Trauerfeier wurde im Protokoll verewigt. Musikalischer Nachmittag im jüdischen Versorgungshaus, IX., Seegasse. Am 27. November fand in der Versorgungsanstalt, Seegasse, eine äußerst gelungene musikalische Veranstaltung statt. Herr Leo Funke, begleitet von Herrn Kapellmeister Kurt Gerson K r o n f e I d, brachte Arien und Lieder in vollendeter Weise zum Vortrag. Fräulein Regine Löben söhn erfreute die Alten durch heitere Rezitationen, Herr Max Oppermann spielte mehrere Geigensoli. Das Arrangement lag in den bewährten Händen des Herrn Leo Funke und waren die Pfleglinge der Anstalt voll des Lobes und Dankes für den ihnen bereiteten Genuß. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 9. Dezember 1929, findet im Klubsaale der ..Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Medizinalrat Dr. Heinrich Haase: ..Schleidens Wissen um das Judentum" statt. Beginn halb 8 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Der Mädchen- und Frauenverein Krankenbesuch „Bikur Chaulim" (I., Seitenstettengasse 4), veranstaltet am 8. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im Festsaale des Hotel Continental (II., Taborstraße 6), eine Wohltätigkeits- Jause mit künstlerischen Vorträgen. Entree S 2.60 samt Jause, an der Kassa. Tel. A. 19-7-54. Moses Mendelssohn-Feier. Der Jüdisch-akademische Philosophenverein. Wien, veranstaltet am Donnerstag, den 12. Dezember d. J., um 7 Uhr abends, im großen Hörsaal des mathematischen Instituts der Universität Wien, IX., Strudelhofgasse 4, Parterre rechts, anläßlich des 200. Geburtstages des großen jüdischen Philosophen eines MosesMendelssohn- Feier. Den Vorsitz führt Herr Hofrat Prof. Dr. S. F r a n kfurter. Die Festrede hält Herr Dr. Walter Eckstein: „Mendelssohn als Philosoph". Auskünfte und Einladungen beim Jüdisch-akademischen Philosophenverein, IX., Zimmermannplatz 8, Tel. A 25-2-28, täglich zwischen 13—14 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Ein „alljüdischer Tendenzfilm". Die nationalsozialistischen Bundesgenossen Hugenbergs greifen Hugenberg als Besitzer der Ufa-Film-Gesellschaft sehr stark an. Sic fordern von Hugenberg die sofortige Absetzung des momentan in Berlin laufenden Al-Jolson-Films „Der Jazzsänger", da es sich ihrer Meinung nach um einen alljüdischen Tendenzfilm handle. Dr. Göbbels, der Führer der Berliner Nationalsozialisten droht Hugenberg offen: „Gelingt es Herrn Hugenberg nicht, seine Geschäftsjuden dazu zu zwingen, das deutsche Filmpublikum, das seine Theater besucht, mit einer ekelhaften alljüdischen Propaganda zu verschonen, so wird man zur Selbsthilfe schreiten müssen. Die Nationalsozialisten werden nicht davor zurückschrecken, einen politischen Kampf gegen die Ufa zu führen. Wir fordern die Ufa auf, den Film „Der Jazzsänger" vom Spielplan abzusetzen, widrigenfalls sämtlichen Nationalsozialisten im ganzen Reich geraten wird, die Theater der Ufa in Zukunft zu meiden." Dazu erklärt die Ufa, sie denke nicht daran, dieser Aufforderung Folge zu leisten, da es sich keineswegs um einen Tendenzfilm handle. Die Ufa mache sich zum Prinzip, weder nach der einen noch nach der anderen Richtung in ihren Programmen Tendenz zu betreiben. UkbdM<mncntmfärVk fflahtheä!