Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DHE WAHRHEIT Seite 5 UFA-TON-KINO Wien II., Taborstraße 8 - Tal. R 42-3-41 Das srofie Tonfilm - Programm a Egmont-Ouvertare b „EVEL1N Tonlllm Sheidi Mitwirkung Kapelle Dol. Danber c Das HalsDand der Königin nach Alexander Duma Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn- und feiertags: ab 4 Uhr Universität gezogen und hätten dort das gleiche Erziehungsamt (!) ausgeübt, was man ihnen nicht verweigern könne. Es sei aber weder zu Verletzungen noch zu Sachschäden gekommen, so daß der Rektor vollständig recht gehabt habe, der „Deutschen Studentenschaft" die Anerkennung dafür auszusprechen, daß sie für Ruhe und Ordnung eingetreten sei. Den Vorfall im Anatomischen Institut stellt Dr. Jerzabek so dar: Die deutschen Studenten hätten, als sie hinkamen, nur versperrte Glastüren gefunden. Prof. T a n d 1 e r habe sich mit einem Teil der Studenten bereits entfernt gehabt. Die im Saal Zurückgebliebenen, sagte er, bestanden durchaus aus Sozialisten und Juden. An den Hochschulen — so setzte er unter lebhaftem Widersprach seitens der Sozialdemokraten fort — ist das übrigens ein identischer Begriff, denn die sozialistischen Studenten sind fast durchwegs Juden. Die Antwort auf die Frage, mit welchem Recht die deutsche Studentenschaft die Herrschaft über die Universität in Anspruch nehme, sei ganz einfach: Mit dem Recht des Hausherrn. Sie sind eben nicht jenes Gesindel, das aus dem Osten hereingekommen ist und unsere Universitäten überflutet. Diese Aeußerungen provozierten lebhafte Protest- und Entrüstungsrute bei den Sozialdemokraten. Abg. Dr. Jerzabek: Die sozialistischen Studenten, das sind durchwegs lauter Fremde. Man muß sich vor Augen halten, daß es sich hier nicht allein um Studenten anderer Gesinnung handelt, sondern mit verschwindender Ausnahme fast durchwegs um Ausländer. Die sozialistischen Studenten sind ja fast durchwegs polnische, russische und ungarische Juden. Abg. Leuthner: Es sind lauter Oesterreicher! Abg. Dr. Ellenbogen: Diese Rede warnt das Ausland, seine Söhne herzuschicken. Abg. Dr. Jerzabek erklärte schließlich, daß es nur eine Abhilfe gebe, nämlich den Numerus clausus. Abg. S c h i e g 1 stellte als nächster Redner fest, daß man angesichts des Tiefstandes dieser Rede darauf verzichte n müsse, auf sie näher e i n z u g c h e n. Er möchte nur feststellen, daß Abg. Leuthner ausdrücklich erklärt hat, daß ihn nicht die Raufereien der Studenten kümmern, sondern daß es sich darum handle, klarzustellen, wie sich die Behörden in solchen Fällen verhalten. Der Finanz- und Budgetausschuß setzte am nächsten Tag die Debatte über die Hochschulkrawalle fort. Abg. Dr. Straffner glaubte dem Rektor der Wiener Universität, Dr. Gleispach, bei seinem Verhalten aus Anlaß der Krawalle recht geben zu müssen. Abg. Dr. E i s 1 e r befaßte sich mit den Ausfällen Dr. Jerzabeks. Er verwies darauf, daß man bei ähnlichen Anlässen in der Tschechoslowakei und im Deutschen Reich die Ordnung durch Intervention der staatlichen Exekutive sehr rasch wiederhergestellt habe, und auch die Kundgebungen des Prager Rektors haben wesentlich westeuropäischer angemutet als die Kundgebungen der Wiener Universität. Das Bedauerlichste sei die Machtlosigkeit der Unterricht s v e r w a 11 u n g. Dr. Jerzabek steht mit seinem Antisemitismus auf einem verlorenen Posten. Die Studenten, die an der Universität andere verprügeln, sind bei der Auswahl derjenigen, deren materielle Unterstützung sie beanspruchen, nicht so exklusiv. Abg. Janicki verwies darauf, daß der an der Universität bestehende Kanzleifonds seine Einnahmen aus Gebühren ziehe, die von allen Studenten eingehoben werden, aber zum großen Teil verwendet wird zu Subventionierung der „Deutschen Studentenschaft" und zur Bezahlung jener Broschüren, die sich mit der Bekämpfung der der deutschen Studentenschaft nicht genehmen Professoren befassen. Redner verlangte vom Unterrichtsminister, die Gelder dieses Fonds im Sinne einer Forderung des Obersten Rechnungshofes den Staatseinnahmen und Staatsausgaben zuzuführen. Abg. L e u t h n e r wies an der Hand eines detaillierten Ziffernmaterials nach, daß im Gegensatze zu den Behauptungen des Abgeordneten Jerzabek die Zahl der Ausländer, sowohl an der Gesamtzahl der Studierenden als erst recht an der Zahl der sozialistischen Hörer gemessen, außerordentlich klein sei. Auch die Behauptung, daß die „Deutsche Studentenschaft'* unpolitisch sei, werde durch eine Erklärung des Rektors und Senates der Leipziger Universität widerlegt, in der festgestellt wird, daß die „Deutsche Studentenschaft", zu der auch die österreichische Gruppe zählt, derart stark in eine politische Richtung verfallen sei, daß die Zugehörigkeit zu ihr als Förderung parteipolitischer Zwecke betrachtet werden müsse. Eine lahme Antwort des Unterrichtsministers. Zum Schluß der Debatte ging Unterrichtsminister Doktor S r b i k sehr eingehend aur die Hochschulfrage ein. Er erklärte, daß die Unterrichtsverwaltung auf dem Boden der Gesetze stehe und demnach Exzesse und Gewalttätigkeit verurteile. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung an den Hochschulen vollen Erfolg haben werden. Was die Frage der Studentenschaften anlangt, bemerkte der Minister, daß diese kein Glied des gesetzlich geregelten Hoch schulorganismus darstellen. Mit Rücksicht auf den großen Kreis, der in diesen Vereinigungen zusammengeschlossenen Studierenden, hätten sich die akademischen Behörden veranlaßt gesehen, mit ihnen Fühlung zu halten und in manchen Fragen zu verhandeln. (Das ist ja das Unglück:) Schulrat Dr. Pollak 70 Jahre. Von Dr. Max G r u n vv a 1 d. Das erste Wort, mit dem ich unseren Freund Schulrat Dr. Heinrich Pollak zu seinem 70. Geburtstage beglückwünsche, sei eines der letzten unserer Thora. Sie sagt von unserem größten Lehrer: Sein Auge war ungetrübt geblieben und nicht gewichen „seine Kraft'*. Das Wort „lechoh**, „seine Kraft*', weist als Schlußbuchstaben nicht, wie zu erwarten, ein Vav, das maskuline Suffix, sondern ein He, das Zeichen für das Femininum, auf. Es soll, so lehrt eine Deutung, hiermit betont werden, daß nicht nur Moses Gesundheit nichts zu wünschen übrig ließ, sondern daß auch ihre, nämlich der Thora Kraft in ihm durch das Alter nicht gelitten hatte. Auch von unserem Jubilar, der mit seinem Pflichteifer und seiner Hingebung an seinen Beruf als Lehrer als Muster dienen kann, dürfen wir zu unserer und aller seiner zahlreichen Freunde Genugtuung feststellen: Er erfreut sich nicht allein einer gottbegnadeten Gesundheit, sondern seine Thora, sein Wirken als Lehrer der Großen wie der Kleinen hat mit zunehmenden Jahren keine Einbuße erlitten. Und ungetrübt leuchtet sein Auge mit demselben Feuer der Jugend, wie wir es seit je an ihm kennen, und mit derselben gewinnenden Freundlichkeit, die ein Erbteil seiner Familie ist.