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Die Wahrheit · 1929-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 40-41 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT um an der Trauer der Familie des Verblichenen, an der Trauer der Budapester orthodoxen Gemeinde und der gesamten ungarischen Judenheit teilzunehmen. Unter riesiger Beteiligung alter Schichten der jüdischen Bevölkerung Budapests und Ungarns — über 2000 Menschen nahmen an dem Leichenzug i«Ü — wurde die sterbliche Hülle des Oberhauptes der Budapester jüdischen Orthodoxie, Koppel Reich, zu Grabe getragen. Legenden vom Wunderrabbi. JItikfkmtstSke und ung«rais€fte &ett-und Jteßergänse sowie rohes und ausgelassenes Gansfeit zu billigsten Marktpreisen Stadtu. Provinzversand pr. Tel A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döblinger Hauptstraße 88 Die Aktion einer jüdischen Gefährdetenfürsorge in Wien und in Oesterreich. (Ein Gründungsentwuri.) In Deutschland. An die große Institution der jüdischen Wohlfahrtspflege, die in ganz Deutschland organisiert ist und in Berlin ihre Zentrale hat, reiht sich die jüdische Gefährdetenfürsorge an. Der Begriff ist sehr weit und umfaßt die Fürsorge über alle Personen beiderlei Geschlechtes und über Kinder und Jugendliche, die durch die Folgen des Strafgesetzes und des Strafvollzuges unmittelbar oder mittelbar getroffen sind. Im weiteren Sinne hat sich diese Fürsorge über Irre und Kranke zu erstrecken. Der Anteil der Religion dabei ist ein sehr großer, da die jüdische Religion und Ethik das Bindemittel ist, das die Grundlage der jüdischen Organisation bildet (z. B. der B. ß.); sie kann nach deutschem Muster nicht allein von Rabbinern geleistet werden, sondern jüdische Männer und Frauen mit sozialem Gefühle und sozialer Ausbildung sollen daran aktiv teilnehmen. Wir besitzen in Wien eine derartige Aktion nicht. Zur jüdischen Gefährdetenfürsorge gehört ganz die arg vernachlässigte jüdische Gefangenenfürsorge. Die Richtlinien einer solchen Fürsorge sind in den deutschen Mustern und Arbeiten enthalten. Diese Arbeit und die Prinzipien sind noch nicht fertig ausgebildet und werden wir über die Entwicklung dieser Aktion noch manches hören. In Wien und in Oesterreich. 1. Gefangenenfürsorge. Die „Allgemeine soziale Gerichtshilfe" ist wohl eine Institution, der sich diese jüdische anschließen könnte, um dann auch bei den Behörden, Polizei, Magistrat und insbesondere beim Justizministerium akkreditiert zu sein. Die Fürsorge selbst ist bedingt durch die Arbeit des jüdischen Seelsorgers, durch die Hilfe seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, den Mitgliedern der jüdischen Gefährdetenfürsorge, denen der Zutritt zu den Strafanstalten gewährt sein soll. Die Erziehungsarbeit soll schon in der Strafanstalt beginnen. Dann soll die ungeheure Arbeit für jeden einzelnen jüdischen Sträfling, individuell erfaßt, schon sechs Wochen vor dem Verlassen der Anstalt beginnen. Der Seelsorger selbst soll in bezug auf die Strafakten immer zur Verschwiegenheit gemahnt werden. Die soziale Fürsorge erstreckt sich auf die gefährdeten Mitglieder der Familie des Gefangenen: a) Frau; b) Kinder; c) Ruf der Frau und auch der Kinder, der durch die Straftat des Mannes gefährdet erscheint; d) ihre Erhaltung; e) Betreuung der Kinder; f) Rücksprache mit den einzelnen Familienmitgliedern; g) Stiften von Versöhnungen, Anbahnen von unerläßlichen Scheidungen (beiderseitiges Einverständnis): h) Takt und Diskretion bei allen Interventionen; i) Kleideraktion; j) Berufsvermittlung; k) Verbindung mit den Auswandererämter und mit den Fürsorgeinstituten der Gemeinde Wien und der Polizei; 1) Was ich in den deutschen Entwürfen vermisse, ist der Versuch, die Grenzfälle zwischen Stein und Steinhof zu untersuchen und mittels moderner psychologischer Heilmethoden (Methode Dr. Adler, Individualpsychologie) manche Resultate anzustreben. Eine ganze Reihe junger Männer, knapp an das Jugendalter grenzend, kenne ich selbst. Die Rettung kann nur durch eine Organisation von Männern und Frauen Zustandekommen. Weitere Kapitel sind: Heimatlosigkeit (Produkt des Zerfalles der Monarchie), Mangel an Dokumenten, Grausamkeiten bei der Abschiebung, Kontakt und Einflußnahme mit und bei Reb Chaim, hört zu, was mir neulich passiert Wie ich bin mit dem Rabbi gefahren! Da bat der Rabbi ein Wunder vollführt — Das war schon nicht da seit Jahren! Wir sind gefahren durch finsteren Wald Mit dem Rabbi seine zwei Schimmel, Die Nacht war stockdunkel, der Wind war kalt, Kein Mond ist gestanden am Himmel — Und plötzlich steht ein Baum da . . . soo dick! Soo breit! WTas soll ich euch sagen? Man hat nicht können vor und zurück, Nicht rechts und nicht links mit dem Wagen! Was soll man da machen? Man bleibt doch bei Nacht Im Waid mit dem Wagen nicht stehen! Jetzt muß — so hab' ich voll Hoffnung gedacht — Ein großes Wunder geschehen! Und richtig — der Row stellt sich hin vor den Baum, Und ohne erst lange zu suchen Beginnt er sofort — man glaubt es kaum — Den großen Baum zu verfluchen: „Baum! Fall um! Du sollst nicht mehr steh'n!" Hör* ich seine Stimme erschallen . . . Und da ist das große Wunder gescheh'n: Der Baum ist nicht umgefallen! Die Eize. Vor den Wunderrabbi der Moische trat Und spricht mit flehenden Mienen: „Ich bitt' Euch, Rabbi, gebt mir einen Rat! Wie könnt' ich mir Geld verdienen? Ich steck* in Schulden bis daher. Und weiß nicht, wovon sie begleichen; Drum bin ich zu Euch gekommen hierher, Zum Wundermann, um ein Zeichen!" Der Rabbi lehnt sich im Sessel zurück Und verlöscht behutsam die Lichter, Er wölbt die Stirne und spannt den Blick, Und nach bangen Minuten spricht er: „Geh't morgen zur Börse, Reb Moische, und kauft Sechs Schluß von Fanto-Papieren, Und eh* noch die Frist von neun Tagen verlauft Stoßt sie ab, und Ihr werd't nicht verlieren. Nach neun Tagen aber kauft Euch sodann Für den Erlös Schweizer Franken — Reb Moische. dann werd't Ihr ein reicher Mann Und werd't es mir ewig danken!" 4ch dank' Euch schon jetzt, Rabbenu, gar sehr — Doch — damit ich Euch nicht täusche — Wo nehm' ich das Geld für die Aktien her?" Fragt ängstlich von neuem der Moische. „Ich hab' auch das Geld für die Aktien nicht! Wie krieg ich es Rebbeleben?" Da streicht sich der Rabbi den Bart und spricht: ..Zwei Eizes kann ich nicht geben!" TED MODERNST EINGERICHTETE -JttD dampfbAckerei Unter Aufsicht des ehiw. Rabbinates d. ADAS JISROEL (Schiffßcbul) •pazlalltflti Uns. Welz*«- u. Kornbrot unter dem Namen El m _ n fA Affi *pr sowie weiss-, fein- ■» H /m " D MC W M UND MILCHGEBACK Bestellungen für Sudes und Hochzeiten werden entgegengenomm u-bestens ausgeführt LEDERIR * KOHM( Verkaufslokal: 11, Große Schiffgasse 16 Telephon A41-7-45 — Betrieb: IL, Hollandstraße 7, Telephon R47-4-95

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