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Die Wahrheit · 1929-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 40-41 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Olk WAhiMtlf Kultusvorstandes beglückwünscht und es sind hierfür herzliche Dankschreiben eingelangt. Der Bericht des Präsidums und des Vertreterkollegiums über die auf Grund der Sommervollmacht erledigten Angelegenheiten wurde ebenfalls von Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb zum Vortrag gebracht und beinhaltete: Die letzte Plenarsitzung des Kultusvorstandes vor den Sommerferien wurde am 17. Juni d. J. abgehalten und es wurden vom Plenum dem Präsidium, bzw. dem Vertreter- Kollegium die erforderlichen Vollmachten für die Geschäftsführung während der Sommermonate erteilt. Das Präsidium, welches auch während der Urlaubsperiode die Einteilung getroffen hatte, daß jeweilig zumindest eines seiner Mitglieder die Amtsgeschäfte führt, hat von den ihm übertragenen Vollmachten nur für die unaufschiebbaren laufenden Geschäfte Gebrauch gemacht und getrachtet, auch während der Sommermonate die Kollegien und Kommissionen zu Sitzungen einzuberufen. So haben nun seit dem letzten Plenum 17 Sitzungen, darunter 4 des Vertreter-Kollegiums, stattgefunden, in welchen jenes reiche Arbeitspensum zur Erledigung gelangte, welches die Tagesordnung der heutigen Plenarsitzung bildet. Zunächst sei berichtet, daß, gleich wie in den Vorjahren, die Kultusgemeinde bemüht war, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen einen stärkenden Sommeraufenthalt zu bieten. Von der „Jüdischen Jugendfürsorge" wurden 100 Schützlinge, unter Tragung der Gesamtkosten, in Heilstätten und Heimen untergebracht, für 416 Kinder wurden Verpflegskostenbeiträge zwecks Unterbringung in Ferienkolonien bewilligt, mehr als 300 Kinder waren in der „Sonnentages- Heimstätte" im Augarten befürsorgt, 978 Jugendliche haben in den mit Beiträgen seitens der Kultusgemeinde bedachten Sommerlagern und Kolonien Erholung gefunden und etwa 50 Zöglinge des Kindergartens in der Othmargasse waren durch den Bestand der neuerrichteten Baracke im Augarten einer dem Landaufenthalte nahekommenden Betreuung teilhaftig. So konnten vornehmlich durch die Mittel und die Bemühungen der Kultusgenieinde mehr als 1800 jüdischen Kindern und Jugendlichen Erholungsfürsorge geboten werden. Der Dank des Kultusvorstandes gebührt all den Vereinen, Institutionen und Organen, welche dieses schöne Werk ermöglicht haben. Der ungünstige Stand der Gemeindefinanzen, welchen die „Finanzkommission" vor Ferienbeginn feststellen konnte, drängte auf die Invollzugsetzung der Einhebung des von den Staatsbehörden inzwischen genehmigten 20prozentigen Kultussteuerzuschlages und es gelangten die bezüglichen Zahlungsaufforderungen noch im Monate Juli dieses Jahres zur Versendung. Bis zum heutigen Tage sind an Zuschlägen S 105.000.— bereits eingegangen und es drückt sich darin das Verständnis, die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder angesichts der Notlage der Gemeinde aus. Das Präsidium hat Anlaß genommen, anläßlich der in den einzelnen Bundesministerien einsetzenden Arbeiten für den Bundesvoranschlag pro 1930 den Herrn Bundeskanzler dringendst zu bitten, auf die aufrechte Erledigung der nun seit mehr als einem Jahre anhängigen Eingabe der Kultusgemeinden um eine Staatsbeihilfe hinzuwirken. Mit seiner Zuschrift vom 5. September d. J. hat der Herr Bundeskanzler dem Präsidium bekanntgegeben, daß er die Eingabe dem Herrn Bundesminister für Unterricht mit dem Ersuchen um eingehende Ueberprüfung übermittelt und ihm ersucht hat. die Angelegenheit möglichst zu beschleunigen. Das Präsidium wird nicht ermangeln, die weiteren Schritte zur Beschleunigung der Angelegenheit zu unternehmen. Eine unvorhergesehene, empfindliche finanzielle Belastung erwächst der Kultusgemeinde durch den Mauereinsturz am alten Währinger Friedhofe. Die Angelegenheit hat während der Sommermoate das Präsidium und die Baukommission intensiv beschäftigt. Es mußte dahin gewirkt werden, daß einerseits die eingetretenen Schäden behoben, anderseits die Kosten auf das unerläßliche Maß reduziert werden. Nunmehr hat die Baubehörde die Ausführungen konform den Anträgen unseres Technischen Amtes genehmigt. Die vom Präsidium und der Baukommission vorgenommenen Lokalaugenscheine auf diesem Friedhofe haben neuerlich aufgezeigt, daß die historische Bearbeitung der Grabsteininschriften einen wertvollen und wesentlichen Beitrag zur Geschichte der Juden in Wien darstellen würde und es wird die „Historische Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde" eingeladen werden, sich mit dieser Frage zu befassen. Ueber Antrag des Herrn Obmannes der Spitalskommission hat das Präsidium im Wege der Verlautbarungen in den auswärtigen jüdischen Zeitungen und durch Rundschreiben an die auswärtigen Gemeinden gegen den Uebelstand Abhilfe zu schaffen versucht, daß Kranke, für welche in ihrer Heimat oder zumindest in der Nähe ihrer Heimat Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten bestehen, ohne alle Barmittel nach Wien geschickt und an das Spital der Kultusgemeinde gewiesen werden, welche vielfach aus räumlichen, aber auch aus finanziellen Gründen, außerstande ist, die Aufnahme der Patienten vorzunehmen, und dann noch durch die Wiener Kultusgemeinde die Mittel der Heimbeförderung aufgebracht werden müssen. Ein Erfolg dieser Aktion ist nicht wahrnehmbar, vielmehr muß verzeichnet werden, daß erst, in den letzten Tagen aus einer großen Stadt des Auslandes, in welcher sich ein jüdisches Spital befindet, die Anhersendung eines Patienten unnützerweise erfolgte. Die schrecklichen Ereignisse in Palästina haben das Präsidium der Kultusgemeinde veranlaßt, eine großzügige Hilfsaktien ins Werk zu setzen und besonders dahin zu wirken, dal] eine Zersplitterung der Sammeltätigkeit und der Hilfeleistung aus den in Wien aufzubringenden Mitteln vermieden bleibe. Der Bericht über diese Aktion wird gesondert die heutige Plenarsitzung zu beschäftigen haben. Für den 1. Oktober d. J. hat das Präsidium eine Enquete einberufen, die sich mit der Frage der Zentralisierung und der Reform des jüdischen Fürsorgewesens zu befassen haben wird. Ein über Auftrag des Präsidiums während der Sommermonate fertiggestelltes Referat wurde von der „Fürsorgekommission" als geeigneter Ausgangspunkt für die Beratungen der Enquete erkannt und es ist zu gewärtigen, daß nunmehr auch diese den Kultusvorstand schon so lange beschäftigende Angelegenheit der Erledigung zugeführt wird. In den letzten Wochen war das Präsidium, die „Kommission für Kultus und rituelle Angelegenheiten", der Bethausvorstand mit jenen Maßnahmen befaßt, die in Ansehung der hohen Feiertage zu treffen sind. Der Kultusgemeinde und deren Bethausvorständen werden in diesem Jahre neun temporäre Betstätten errichtet. Die Veranstaltung eines Minjans für die reifere Jugend, wie dies in den letzten Jahren üblich war, muß in diesem Jahre wegen der Unmöglichkeit der Erlangung eines entsprechend gelegenen und würdigen Lokales entfallen, und es werden die Jugendlichen in den bestehenden Bethäusern untergebracht werden. Von 62 eingelangten Ansuchen um Bewilligung temporärer Betveranstaltungen wurden in erster Instanz 55 und im Rekurswege weitere zwei aufrecht erledigt, während fünf Ansuchen mangels Zutreffen der hierfür geltenden Voraussetzungen abgewiesen wurden. Sechs angemeldete Hausandachten wurden zur Kenntnis genommen, bezüglich einer, da ihr sichtlich der Charakter der Hausandacht mangelt, die Abweisung ausgesprochen. Den diesfälligen Beschlüssen der Kommission, bzw. des Präsidiums, ging die Einladung zur Stellungnahme an die in Betracht kommenden Bezirkskommissionen und Bethausvereine voraus, doch hat eine solche Stellungnahme nur zum Teile stattgefunden. Für den Unterrichtsbeginn im Schuljahre 1929/1930 sind die Vorkehrungen seitens des Unterrichtsressorts in umfassendster Weise getroffen worden, und es hat der diesbezügliche Bericht des Schulbüros in der Sitzung der Unterrichtskommission vom 24. d. M. die Zustimmung gefunden. Die Bemühungen der Schulinspektion mußten dahin gehen, die von der Schulbehörde beabsichtigten Zusammenlegungen von Klassen und Abteilungen für den israelitischen Religionsunterricht tunlichst hintanzuhalten, weil hierdurch die Unterrichtserfolge wesentlich beeinträchtigt wären, und es ist dies in den meisten Fällen auch gelungen. Was die Organisation und den Betrieb der Bibelschulen anbetrifft, wird sich die Unterrichtskommission in einer besonders zu diesem Zwecke einberufenen Sitzung in allernächster Zeit mit konkreten Anträgen beschäftigen. Wegen der kalendarischen Verhältnisse hinsichtlich der diesjährigen Feiertage wird der Jugendgottesdienst in diesem Schuljahre erst am 2. November 1929 beginnen. Es wird jedoch an die Eltern der Appell gerichtet werden, ihre Kinder soweit möglich an den Feiertagsgottesdiensten teilnehmen zu lassen, und es werden ganz besonders alle Propagandamöglichkeiten ergriffen werden, um eine starke Frequenz der Jugendgottesdienste zu bewirken. Mehrfache freudige und traurige Anlässe haben in den letzten Wochen das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde veranlaßt, durch Vertreter der Kultusgemeinde die Anteilnahme zu bekunden. So wurde der hochverdiente langjährige Obmann der Bezirkskommission für den VI. und VII. Bezirk, Herr Leopold Waller, anläßlich seiner goldenen Hochzeit und seinem 50jährigen Firmenjubiläum beglückwünscht, zu der von der Kultusgemeinde Nikolsburg besonders solenn begangenen Hundertjahrfeier zum Gedenken für Rabbi Mordechai B e n e t h wurde Amtsdirektor Regierungsrat

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