Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite $ Die alte Frage geht weiter, entworren hat sie keiner. Nicht die Politiker und nicht die Diplomaten, nicht die Immerklugen und nicht die Nimmerklugen, nicht einmal die Kongresse. Wir zagen, wir fragen, Antwort weiß keiner. Nur einer! Abermals kommt ein neues Jahr, wird Er jetzt die Antwort geben? Traz ( p;*in *), zurechtstellen, erwidern, antworten heißen die Zahlenbuchstaben des neuen Jahres. Wird es Gott gefallen, dieses zum Wahrzeichen einer Beantwortung und Entwirrung im kommenden Jahre zu machen? Zeichen dieser Art als Ausgangspunkt von tatenlosen Hoffnungen sind im Sinne der alten Lehrmeister Israels (vergl. Sanhedrin 97/2) zu verwerfen. Sie haben nachgerade genug zu den ungezählten Enttäuschungen neue hinzugefügt. (Man denke an die Hoffnungen des Jahres und anderer Jahre und die gerade damals einsetzenden Geserot.) Aber vielleicht wird uns Gott in diesem Jahre auf die alte Frage die Antwort, die schon in der Frage liegt, ins Herz senken und uns in allem, was geschieht, Gottes Sonderplan mit Israel erblicken lassen. Die alte Judenfragc ist die alte Judenantwort: Israel besteht! „Af gam sotb\ „und selbst dann noch", wie Gott in der „Zurechtweisung" verhieß. Trotz allem und allem, Israels Weg geht weiter. Und das bedeutet für Israel: Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis. Gott manifestiert sich uns in der Haschgacha protit, in der Sonderfürsorge unserer Erhaltung inmitten unserer Vernichtung, in der Gnade im Zorn, in der Freude im Leid, in der Wonne im Schmerz. Und unsere Selbsterkenntnis stellt sich uns dar als das Werkzeug hierzu, als die Erkenntnis unserer unentwegten jüdischen Pflicht, als die Einsicht unserer unverminderten jüdischen Aufgaben, als die alte Antwort auf die alte Frage solange, bis Gott eine andere, neue erteilt, die Geula. Aus dem Wiener Kultusvorstand. Donnerstag, den 26. v. M. fand im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt, in der Herr Vizepräsident Dr. J. 0 r n s t e i n in Vertretung des noch auf Urlaub befindlichen Präsidenten den Vorsitz führte. Er eröffnete die Sitzung mit einem tiefempfundenen Nachruf für den jüngst verblichenen Führer der amerikanischen Judenschaft Louis Marshall, der von allen Anwesenden stehend angehört wurde. Im Einlauf, der von Herrn Amtsdirektor Reg.- Rat Guido Fuchsgelb verlesen wurde, befanden sich: Dankschreiben des Herrn Bürgermeister Karl Seitz, Hofrat Prof. Dr. Qrünhut, Hofrat Prof. Dr. Pribram, Schriftsteller Felix Saiten und Schriftsteller York-Steiner für die Gratulationen des Kultusvorstandes. Ein Dankschreiben der Familie des sei. Oberrabbiners Dr. Reich aus Baden bei Wien. *) p"ri kann auch chosser, ohne Waw, das Hauptwort pflft bedeuten, Antwort. Sfeder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. DieKunerolsErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur» fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Spenden sind eingelaufen: S 10.000.— von Herrn Eduard Mandel anläßlich des Jahrzeittages nach seinem Bruder Eduard Mandel; S 5000.— von Herrn Baron Louis Rothschild für das israelitische Blindeninstitut; je S 1000.— von der Firma Lederer & Wolf und von Hedwig von Taussig; S 600.— unter der Chiffre „L. S.'\ sowie eine Reihe weiterer kleinerer Spenden. All den Spendern wurde geziemend der Dank des Kultusvorstandes ausgesprochen. Zur Einsichtnahme liegen für die Mitglieder des Kultus« Vorstandes die Wochenberichte des Matrikelamtes für die Zeit vom 16. Juni bis 31. August d. J. vor. Der statistische Ausweis des Matrikelamtes über die Monate Juni. Juli und August weist folgende Daten auf: Gesamtzahl der vorgenommenen Trauungen .... 374 Ehetrennungen . . 81 „ Sterbefälle...........560 „ Geburten (194 männlich, 179 weiblich) 373 „ Austritte...........195 „ Eintritte und Rücktritte.....91 Vom Steueramte der Kultusgemeinde liegen Konsignationen vor über die in der Zeit vom 26. Mai bis 17. August d. J. aus dem Judentum ausgetretenen Kultussteuerträger. Dieselben verzeichnen den Abfall von 88 Kultussteuerträgern, von welchen 61 eine Kultussteuer zwischen S 1.— und S 10.— jährlich zu entrichten hatten, 22 zwischen S 10.— und S 40.—, einer S 50.—, einer S 80.—, einer S 200.—, einer S 220.— und einer S 700.—. Die Austrittsliste weist unter anderem den langjährigen Assistenzarzt am Spitale der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Caspar Blond aus. Im Einlaufe befindet sich ferner die Mitteilung des Herrn Dr. Leo Goldhammer, daß er sein Mandat als Mitglied des Kultusvorstandes zurücklegt. Das Präsidium hat Herrn Dr. Leo Goldhammer schriftlich den Dank für seine bisherige Mitarbeiterschaft bekanntgegeben und gemäß den statutarischen Bestimmungen den auf Grund des Wahlvorschlages der Wählergruppe „Zionistische Liste" zur Uebernahme dieses Mandates berufenen Herrn Moses Weiner, Prokurist, Wien IX., Servitengasse 13, zum Eintritt in den Kultusvorstand eingeladen, dessen Annahmeerklärung in der vorgeschriebenen Weise erfolgte. Während der Sommermonate gelangte zur Kenntnis des Präsidiums, daß die Ehepaare Malwine und Eduard Frischauer, Nathan und Minna Weintraub, Heinrich und Betty Schischa, Josef und Rosa Keßler, Josef und Emma Kluger, Hermann und Natalie Schmelz, Jakob und Perl Taube Flick-Dreiblatt, Emanuel und Deborah Ko 1 isch das Fest ihrer goldenen Hochzeit begingen. In der üblichen Weise wurden die Jubelpaare von Delegierten des