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Die Wahrheit · 1929-09-27 · Heft 39 (27.9.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Als Jude er der erste Europäer, Ja, mehr als das, der erste Jude, der Des Ghettos Gitter und des Ghettos Ketten Zerbrach, sich zum Weltbürgertum bekannte Und von den Majestäten der Kultur Mit offnen Armen aufgenommen ward. Und vor dem kleinen Buckeljuden neigten In Ehrfurcht Goethe, Kant und Herder sich Und des Jahrhunderts kühnster Geistesritter, Ein Lessing bot ihm warme Kameradschaft, Eroberte ihm Ohr und Herz der Welt Und malte treu nach seinem edlen Wesen Die ew'ge Hochgestalt des weisen Nathan, Deß Gott die Menschen einigt und nicht trennt, Dem Weisheit Liebe ist und Liebe Weisheit. So wuchs ins Ewige aus seiner Zeit Der Psalmenbarde der Unsterblichkeit. Nicht Denkmal nur, Gedenken ward zum Lohn Und Liebesdank dem Moses Mendelssohn, Deß Name ruhmleuchtet wird genannt, Nennt man die Besten, die man je gekannt! Das Palästinaproblem. Es ist gewiß sehr leicht, den politischen Gegner zu beschimpfen, aber es ist wohl etwas schwerer, ihn zu widerlegen. Ich glaube wohl, die Angriffe gegen mich in der „Stimme" vom 19. September 1929 am besten dadurch zu parieren, daß ich darüber zur Tagesordnung übergehe, da ich „leider" nicht die Fähigkeit besitze, einen politischen Kampf mit Schimpfworten auszutragen, sondern vielmehr immer bestrebt bin, mit geistigen Waffen zu kämpfen. Das Palästinaproblem kann nicht dadurch gelöst werden, daß man unentwegt einer Idee nachstrebt, sondern man muß mit den realen Tatsachen rechnen, die sich der Erreichung eines Zieles entgegensetzen. Es kann nicht geleugnet werden, daß England in Palästina englische und nicht jüdische Politik betreibt, es kann nicht geleugnet werden, daß hinter den Kulissen der palästinensischen Politik noch andere Mächte wirken, die ihre Freude daran haben und die es sehr gerne erreichen würden, daß Englands Machtstellung in Palästina erschüttert werde. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Araber die weitaus überwiegende Bevölkerung des Landes bilden, das sie heute als ihr Land bezeichnen, weil sie dort bodenständig wurden. Es kann und darf nicht vergessen werden, daß England den Arabern Staatsgut übergab, die Juden aber jeden Zoll ihres Bodens kaufen ließ, es muß bedacht werden, daß England der arabischen Einwanderung weit mehr das Augenmerk widmete als der jüdischen Einwanderung. Es muß schließlich in Erwägung gezogen werden, daß mit einem Abrücken Englands aus Palästina bestimmt keine judenfreundliche Politik des Nachfolgers verbunden ist. All diese Umstände müssen zu bedenken geben und müssen von den jüdischen Politikern genau erwogen werden. Wenn nun ein Jude zur Ueberzeugung kommt, daß nach seiner Meinung das Aufbauwerk als eine religiös-humanitäre Arbeit gefördert werden soll, so ist er aus diesem Grunde noch lange nicht zum Ketzer zu stempeln und mit jenen Beduinen zu vergleichen, die in der Moschee gegen Juden hetzen. Ich glaube, daß das Judentum vom religiös-humanitär eingestellten Juden jedenfalls so viel erwarten kann, als von jenen nationalen Juden, die es nicht oft genug wiederholen können, daß sie mit der Religiosität nichts zu tun haben. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, wenn eine jüdische Zeitung es wagt, die Religiosität hinter politische Kraftleistungen zurückzustellen. Mögen die Zionisten ihre kulturelle, politische Kraftleistung noch so sehr herausstreichen, sie werden immer wieder belehrt werden, daß das Judentum dort ist, wo Glaube, Tradition und Religiosität und Volksbewußtsein in jüdischem und nicht politischem Sinne ist. Dr. Ernst Feldsberg. „Vogelstraußpoiitik". Die Basler „N a t i o n a 1 z e i t u n g" beschäftigt sich wiederholt mit den Ereignissen in Palästina und schreibt u. a.: „Der Araberauistand hatte sicher mehrere Ursachen. Eine davon lag zweifellos in der Vogelstraußpolitik vieler Optimisten, die eine immer größer werdende Gewitterwolke einfach nicht sehen wollten." Wer in den letzten Jahren mit jüdischer Politik zu tun hatte, weiß, daß das Basler Blatt nur allzusehr recht hat. Wer es in den letzten Jahren wagen wollte, den Dingen wirklich ins Gesicht zu sehen, wurde sehr bald als Phantast, als unverbesserlicher Pessimist oder gar — wie im Falle Dr. Feld sb e r g — als tendenziöser Gegner des Palästinawerkes verschrien. Während normalerweise in der Politik die Gefahrenpunkte hervorgehoben werden, wurde hier umgekehrt versucht, die Gefahren als gering hinzustellen. So wurde die öffentliche Meinung der Welt in Sicherheit gewiegt und Bestrebungen, die Gefahren zu verringern, wurden auf diese Weise künstlich hintangehalten. Die Bemerkung des Basler Blattes ist nur zu richtig. Der Verband der jüdischen KauHeute und Gewerbetreibenden in Wien teilt mit: Die ParfümeriewarenHrma ..Fioris". Wien I.. Graben 29 a. legt offenbar großes Gewicht darauf, als „arische Firma" erkannt zu werden, indem sie in ihrer Auslage und in ihren Schaukasten diesen Umstand betonende Ankündigungen angebracht hat. Wir halten es für angezeigt, die weitere Öffentlichkeit auf diese sonderbare Art der Reklame aufmerksam zu machen. Lederhandschuhfabrik Josef Qiastuiqec L, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40

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