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Die Wahrheit · 1929-09-27 · Heft 39 (27.9.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 ßäfci m BBaWn» DIE WAHRHEIT relativ geringer Bruchteil zuzuführen möglich wäre. Und nun das Härteste: Trotz größter Anstrengungen war die Partei — sicher infolge ihrer früher nie eingestandenen Minorität in der Gesamtjudenheit, sowie der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse — absolut nicht in der Lage, für den Nationalfonds, dem Keren Kajemes und Keren hajessod so viel an Geldmitteln aufzubringen, als eben zu einer rascheren und wirksameren Aufbautätigkeit erforderlich gewesen wäre. Sie hat auch sich und den anderen nie vorher öffentlich eingestanden, daß sie schon seit Anbeginn, so oft sie mehr Geld brauchte, sich an Nichtzionisien und immer mit Erfolg gewandt hat. Nie vor dem letzten im vorigen Monat abgehaltenen Kongreß hätte ein Weizm a n n die Worte wagen dürfen: „W i r Z i o n istensindeineMinoritätimJudentu m." Nie vorher hätte er sagen dürfen: „Wenn es schlecht ging,... schickte man uns zu diesen (nichtzionistischen) Juden, um das Geld zu suchen, und sie gaben es." Es war auch diesem letzten Kongreß erst vorbehalten, daß Worte fielen, welche die Eindämmung, ja die Bekämpfung des Chauvinismus zur Pflicht machten, Worte wie die, daß man „durch den Nationalismus zum Uebernatioiialismus zu gelangen" trachten müsse. Wie bin ich angefeindet worden, da ich immer und immer, nicht nur in der Wahlbewegung aus Güdemanns „Nationaljudentum'4 zitierte, daß unsere Bibel das Judentum zum Bekenntnis zum Kosmopolitismus nötigt, weil sie auf den Universalismus eingestellt ist, und jetzt durfte Leon Blum, allerdings einer der feinsten Köpfe, die wir derzeit besitzen, ruhig und protestlos von den Juden als einer „nation internationale*' sprechen! Es durfte einem „hebräischen Humanismus" das Wort geredet und gewarnt werden, die „Wege zur Religion nicht zu verschütten"! Mit der Schaffung der Jewish Agency ist de facto die Führung der ganzen Palästinaaktion aus den Händen der bisherigen Leitung der zionistischer: Organisation und der zionistischen Kongresse in die der gesamten palästinafreundlichen Judenheit übergegangen. Nach den Worten Ussischkins haben 90 Prozent der zionistischen Welt der Vereinigung zugestimmt, „damit etwas Bestehendes so gut wie möglich gemacht werde." Und das große Werk verdankt seine Schöpfung einer unermüdlichen Tatkraft und geistigen Kapazität eines Nichtzionisten: zum größten Teil ist Louis Marshall sein Initiator. Dieser Große war sicherlich einer der größten unter jenen „nichtzionistischen Juden," die nach den Worten Weizmanns „Palästina finden und empfinden und dafür arbeiten, vielleicht mit größerem Eifer als manche Zionisten", Worte, die den Ruf: „sehr richtig" auslösten. Die Arbeit, H ÖSTERREICHS GROSSTE PHOTOFIRMA [|||| PHOTO WEITZMANN 1 WIEN 1 H II., PRATERSTR. 9 II., TABORSTfc. 36 II ■ und zahlreiche f i l i a l e h ilil yElilfkrisctke und ungavisefke &ett- und Xeßergänse sowie rohes und ausgelassenes Gansfeit zu billigsten Marktpreisen Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döblinger Hauptstraße 88 welche die J e w i s h A g e n c y zu leisten haben wird, ist den derzeitigen (ca. 150.000) jüdischen Bewohnern Palästinas und den künftigen Einwanderern gewidmet; wie schwierig das Aufbauwerk sich gestaltet, bisher und in Zukunft, davon hat Weizmann auf dem letzten Kongreß ein drastisches und zutreffendes Bild entworfen: Noch immer braucht man dazu: „Menschen, Geld und Wunder". Diese herbeizuschaffen, wird ihre Aufgabe sein. Es ist tief traurig daß ihre erste Arbeit der Wiedergutmachung der Schäden, welche die letzten Araberüberfälle verursacht haben, gewidmet sein muß. Allein wir haben allen Anlaß, zu hoffen, daß sie ihrer Aufgabe gewachsen sein wird. Bedeutet doch schon ihre Gründung einen Fortschritt in der Erkenntnis, daß die oberste Pflicht aller Juden in der Pflege des Einigenden — Religion und Kultur - und in der Ueberwindung des Trennenden gelegen ist, in der Ueberwindung alles Politischen, sowie des Nationalismus! Med.-Rat Dr. Heinrich H a a s e. Aguda undJewish Agency. Am Sonntag, den 15. d. M., erstattete in der Knessio Gedaulo unter Vorsitz von Leo Wreschner Herr Jacob Rosenheim das mit größter Spannung erwartete Referat über die Teilnahme der Agudas Jisroel an der Jewish Agency, das wir hier ebenso wie die gefaßte Resolution der besonderen Bedeutung wegen nachtragen. Nahezu alle Kommissionen unterbrachen ihre Arbeiten, um bei dieser hochwichtigen Debatte anwesend zu sein. Herr Jacob Rosenheim führte ungefähr aus: Der Gegenstand, über den ich zu sprechen habe, ist nur scheinbar politischer Natur. Unsere Politik wächst aus unserer Weltanschauung empor, und diese basiert auf unseren Religionsgesetzen. Das gesetzestreue Judentum hat in der Balfour-Deklaration vom ersten Augenblick an das Walten der Vorsehung erblickt. Die Kreise der Agudas Jisroel haben niemals geglaubt, daß die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte mit menschlicher Hilfe imstande wäre, die Erlösung herbeizuführen. Aber wir wollen die Mizwas Jischuw Erez Jisroel mit ganzem Herzen und aller Hingabe erfüllen. Jede jüdische Ackerfurche und jede jüdische Seele auf heiligem Boden ist Werkzeug des Allmächtigen. Jetzt, wo in Zürich die Konstitution der Jewish Agency vollzogen ist, muß die Knessio Gedaulo ihre Stellung zu diesem historischen Geschehen festlegen. Es ist selbstverständlich, daß anläßlich der letzten Geschehnisse in Palästina die zionistische und die agudistische Leitung alle ihre Eingaben, Proteste und sonstigen Maßnahmen gemeinsam unternehmen.

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