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Die Wahrheit · 1929-09-27 · Heft 39 (27.9.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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liPilüül KUNEROL ist reines KokosnaßFett und wird unter streng ritu» eller Auf sieht des Herrn Bezirksrabbiners S.Ehrenfeld zu Mattersburg erzeugt. Daher kann es jeder Streng* gläubige zur Zubereitung der Speisen verwenden. so oft zur Anwendung zu bringen versuchen, als Gastwirte entweder aus eigenem Entschlüsse oder unter dem Drucke der Großmächtigen einer Gemeinde Vertretung, eines Verschönerungsvereines oder dergleichen die erste Pflicht des Gastwirtes, die Gastfreu ndlichkeit, hintansetzen. Die Jewish Agency. Die Schaffung der Jewish Agency ist ein für die gesamte Judenheit hochwichtiges Ereignis, dessen Bedeutung für die unmittelbare Gegenwart nicht minder groß erscheint, wie für eine Zukunft, der ihre Auswirkung zugedacht ist. Bei großen Ereignissen, die wir miterleben, fehlt zu ihrer richtigen Wertung die Distanz; man muß daher untersuchen, wie sie entstanden sind, welche Faktoren sie ermöglicht haben. Ich erblicke in der zustandegekommenen Vereinigung ein geeignetes Mittel, jene leider ungeheure Kluft zu überbrücken, welche sich mit der Iuaugurierung einer jüdisch-nationalen Politik in der Judenheit gebildet hat. Ihr Zustandekommen ist einem erfreulichen Wandel in den Anschauungen zu verdanken, der sich in den Köpfen der zionistischen Parteiführer, wenigstens in deren überwiegenden Mehrheit in richtiger, leidenschaftsloser Kritik der realen Gegebenheiten vollzogen hat und vollziehen mußte. Der Zionismus ist von Theodor Herzl aus rein philanthropischen Motiven begründet worden. Er war, so wie die aus ihm hervorgegangene nationale Bewegung lediglich ein Produkt der politischen Unterdrückung der Juden in Rußland und Polen und des Antisemitismus in Deutschland und Oesterreich. Die ersten und begeistertsten Anhänger der Bewegung in den Kreisen der Intellektuellen, die zunächst die akademische Jugend für sich gewannen, stammten aus dem Osten. Besonders weil das politische Moment ein dem Judentum bisher ganz fremdes gewesen, war die nationale Propaganda von heftigen Reibungen und Widerständen begleitet, die der Kampfruf: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns", stets zur natürlichen Folge hat. Der Wiederaufbau von Palästina an sich hat nirgends und niemals eine Gegnerschaft in der Judenheit gefunden; man hat ihn als philantropische Aktion zur Rettung von heimatlos gewordenen Glaubensbrüdern nach Kräften unterstützt. Aber die Verhöhnung des Standpunktes, daß ein Jude, der in Deutschland lebt, ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und kein Angehöriger einer jüdischen Nation sei, ein Standpunkt, der als „assimilatorisch" gebrandmarkt wurde, ferner die starke Betonung des Nationalen gegenüber dem Religiösen, die namentlich konservative Kreise verletzte, hat die Spaltung in zwei feindliche Lager hervorgerufen, die sich noch verschärfen mußte, als die Zionisten Anstrengungen machten, die Anerkennung der Judenheit als einer eigenen Nation in den gesetzgebenden Körperschaften durchzusetzen. Dazu haben sie sich der falschen Feststellung bedient, daß sie als die Vertretung der gesamten jüdischen Bevölkerung anzusehen seien. Wären nicht in gleicher Weise, nämlich unter der Behauptung, die Zionisten repräsentierten die gesamte Judenheit, die Verhandlungen mit der englischen Regierung geführt worden, wahrlich, es wäre das odiose Wort: „nationale" Heimstätte bezüglich des Palästinamandates, respektive der Balfour-Deklaration einfach ausgefallen und viel Kampe und Streit innerhalb der Judenheit damit weggefallen. Dieselbe Taktik wurde seitens der jüdisch-nationalen Partei in der Behandlung der Minoritätenfrage eingeschlagen, während die große Mehrheit der Deutschen und Oesterreicher jüdischer Abstammung ihre von den Judenfeinden aller Farben ihnen zu Unrecht abge sprochene Zugehörigkeit zur deutschen Nationalität gewahrt wissen will. Nun aber hing und hängt die ganze zionistische Bewegung aufs innigste mit der Palästinafrage zusammen. Kann doch füglich von Nation ohne der nötigen Basis der erst zu schaffenden Autonomie und staatlichen Organisation im früheren Heimat - laude keine Rede sein! Als die weltpolitische Konjunktur die heißersehnte Möglichkeit schuf, zahlreichen aus ihrer Heimat vertriebenen oder ihrer Heimat infolge von Bedrückungen und Verfolgungen überdrüssig gewordenen Glaubensgenossen eine neue Heimstätte in Palästina zu bieten, haben namentlich Jugendliche und Intellektuelle aller Berufsarteu mit staunenswertem Opfermut, in härtester Schwerarbeit an der Urbarmachung des Bodens, an der Austrocknung der Sümpfe, am Straßenbau und in landwirtschaftlichen, wie industriellen Betrieben an dem Aufbau sich betätigt und bewunderungswürdige Werte geschaffen, die das Märchen von der Arbeitsscheu der Juden zunichte machten. Märchenhaft war die Schönheit und das rasche Aufblühen von Städten und Siedlungen, die in kurzer Zeit die Vorbilder der durch Rothschild, Baron Hirsch u. a. gegründeten Kolonien erreichten und teilweise übertrafen. Die Leistung war allerdings nur mir allerschwersten Opfern an Geld, Kraft und Leben zu vollbringen; Krisen entstanden, namentlich dem industriellen Aufschwung erstanden die schwersten Hindernisse und das hatte Rückwanderungen zur Folge. Es erwies sich als ganz unmöglich, in absehbarer Zeit die jüdische Bevölkerung Palästinas auf die gewünschte Höhe, auch nicht an Zahl zu bringen. Es dämmerte auch die Erkenntnis, daß gerade dem Ackerbau, selbst bei voller Besiedelung, nur ein

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