Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 ■«BaateatflimiataaiiM«^^ WAriRHEi 1 MODERNST EINGERICHTETE , , dampfbAckerei Unter Aufsicht de« eiuw. Rabbinates d. ADAS JlSROEL (Schiffschul) SpMtelitfiti Ung. Wetzenti. Kornbrot unter dem Namen £■ Mfi m _ HR Mfi Mfe *■* SOWIE WEISS-, FEIN- ■» ^P1 Ii UND MILCHGEBACK Bestellungen für Sndes und Hochzeiten werden entgegengenonun u. bestens ausgeiührt LEOERCR * KOHN, Verkaufslokal: 11, Große Schiffgasse 16 Telephon A41-7-45 — Betiieb: u., Hollandstraße 7, Telephon R47-4-95 ^f^'^ttvweiß zwar genau, daß in der Führung der marxistischen Parteien sicherlich die Nichtjuden eine nicht geringere Rolle als die Juden spielen. Warum findet er dann nicht ein gleich scharfes Wort gegen die Judenhetzer, die, unverblümt oder verblümt, ausschließlich den Kampf unter Schlagworten führen, die nicht den Sozialdemokraten als solchen, sondern die Juden treffen. Pater Fiala kennt die haßgeschwollenen, mit Gewalt drohenden Reden Starhembergs, Pfrimers, Riehls usw. usw., aber er wendet sich „gegen den Abschaum der Juden", obwohl er in einem Atem gesteht, daß auch die „anständigen Juden" diesen ablehnen. Was sollten sie, was können sie denn noch tun? Er weiß, daß in der Presse und in der gelehrten Literatur unter den hervorragendsten Gegnern der Sozialdemokraten sich zahlreiche Juden befinden, warum sagt er das nicht den offenen und den verkappten Hakenkreuzlern, denen beim Kampf gegen die Marxisten in Wahrheit der Hepp-Hepp-Kriegsruf als das Wichtigste erscheint? Die Juden sind weder so bösartig verblendet noch so selbstmörderisch gesinnt, irgend jemand wegen seiner zufälligen oder gar verleugneten Abstammung von Juden zu schützen oder zu stützen. Sollen die Juden aber um jeden Preis wahllos und blindlings zu allem Ja und Amen sagen, damit ja nur die Geschäfte der Judenhasser blühen und gedeihen? Pater Fiala meint es gewiß gut. Aber er denkt vorläufig auch noch nicht daran, daß die anständigen Juden und Christen sich nur in einem begegnen müßten, in dem Abscheu gegen den Abschaum der Menschen ohne Unterschied der Konfession. * * Diesem Standpunkt hat offenbar sich in einer von der „Arbeiterzeitung" im Auszug veröffentlichten Predigt der Gloggnitzer Kooperator Johann Oesterreicher genähert. Er sagte unter anderem: „Schlagt die anderen tot! Rottet sie aus! So dröhnt es immer wieder an unser Ohr. Und viele lassen sich betören, lassen sich täuschen. Christus aber lehrt, daß dieser Kampfruf Lüge und Betrug ist, daß der, der ihn verbreitet, das Volk in Unheil führt ... Ich habe euch heute von etwas Ungewöhnlichem gesprochen, weil ich mir nicht einst den Vorwurf machen will: Weh' mir, daß ich geschwiegen habe! Ich habe heute gegen den Bürgerkrieg gepredigt, weil ich nur eines fürchte: die Verantwortung vor Gott." Wahrhaftig, herrliche Worte für den Frieden unter den Bürgern eines Staates hat dieser schlichte Kooperator gefunden. Er sprach als wahrer Priester und patriotischer Oesterreicher. * * * Herr Dr. Walter Riehl hat dem dringenden Bedürfnis, seinen Gefühlen anläßlich der grauenhaften Ereignisse in Palästina Erleichterung zu verschaffen, nicht widerstehen können. Er hat das richtige Blatt hiefür gefunden, er legte seine Expektorationen dort nieder, wo er seinerzeit begeisterte Artikel für Rothstock veröffentlichte. In alter, mittelalterlicher Zeit hat, woran jetzt erinnert wurde, ein fanatischer, von Judenhaß beseelter Patriarch Unrat an der Klagemauer häufen lassen. Jetzt schreibt Dr. Riehl über die Klagemauer in Jerusalem seine Artikel. Dr. Riehl konstatiert, ohne sich durch ein Wort menschlichen Mitleids über das in Strömen geflossene jüdische Blut zu kompromittieren: „Es scheint wahr zu sein, daß bei den Auseinandersetzungen etliche Juden ihr Leben eingebüßt haben." Basta. Dann fährt er fort: „Ganz objektiv gesprochen wird doch niemand im Ernst sagen, daß das Klagen der Juden, ihr Winden der Körper und die sonderbaren Gebete vor der Klagemauer einen vernünftigen Sinn haben. ... Faßt man aber die Klagemauer als Nichtheiligtum auf, dann erinnern wir daran, mit welcher frechen Herabsetzung die Juden etwa unsere Anhänglichkeit an den Teutoburger Wald usw. behandeln." Fein, Herr Dr. Riehl! Da haben Sie den Juden gut heimgezahlt dafür, daß einer von ihnen, Heinrich Heine, Witze über den Teutoburger Wald gemacht hat. Schade, daß er nicht selbst diese Züchtigung erlebt hat! Doch nein, dieser Spötter wäre noch imstande gewesen, die „Anhänglichkeit" Dr. Riehls an den Teutoburgerwald in einer Weise zu respektieren, die ihm wieder nicht gefallen hätte. * * * Sämtliche Wiener Tagesblätter brachten in ihren Innsbrucker Berichten unter anderem auch die Worte, die der Angeklagte anläßlich des Lokalaugenscheines gesprochen. Sie lauteten: „An der Todesstätte meines Vaters erkläre ich noch einmal, daß ich unschuldig bin. Ich bitte, glauben Sie mir das, meine Herren Geschworenen!" Es ist selbstverständlich, daß ein Funken von Rechts- und Anstandsgefühl genügen müßte, um in diesem Stadium des Prozesses in den Worten des Angeklagten nichts anderes als eine Beteuerung seiner Unschuld erkennen. Die „Dötz" fühlt sich frei von solchen Hemmungen. Sie bringt die Worte Halsmanns unter der Anschrift: „Der Angeklagte wagt es, angesichts der Mordstelle seine schreckliche Ta tinAbredezustelle n." Die „Dötz" wagt es also, dem Gesetze, dem Rechts- und Anstandsgefühl mit schamloser Frechheit ins Antlitz zu schlagen und den Angeklagten bereits als den Mörder zu verurteilen, der nicht seine Unschuld beteuert, sondern „seine schreckliche Tat in Abrede stellt." Darf eine solche journalistische Nichtswürdigkeit ungestraft bleiben? * * * * Die „Dötz" würde, zur Rechenschaft über diese Nichtswürdigkeit gezogen, sicherlich wagen, es in Abrede stellen, daß sie den Angeklagten bereits als „Mörder" verurteilt. Sie würde beteuern, daß sie nur infolge ihres mangelhaften Deutsch eine Aufschrift gewählt habe, die in der Tat_dann eine solche Mißdeutung gefunden. Nun, an dem guten Glauben der „Dötz" dürfte ein Zweifel vielleicht gestattet sein, ihr schlechtes Deutsch wird jeder zugeben. Ego.