Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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oi£ Wahrheit miitwHHuwitfaiuma««««^ Seite 7 Fenstern befindlichen Seitenwand die Qeschwornenbank, zwei Reihen mit vierzehn Geschworenen. Allmählich gewöhne ich mich an das etwas düstere Tageslicht im Saal und kann die einzelnen Gesichter dieser Schicksalsmänner unterscheiden. Der erste ganz links, schon nahe dem Tisch des Vorsitzenden, scheinbar der Obmann der Geschworenen, das typische Tiroler Gesicht, etwas ländlich, rötliche Koteletts, zeigt sich wie die meisten seiner Kollegen als mitdenkend, interessiert. Unter den übrigen auch intelligent dreinblickende Männer. Alle haben Papiere vor sich liegen. Obenauf die bekannte Skizze der Unglücksstelle, auf der die einzelnen Wegpartien mit Nummern bezeichnet sind. Die Unglücksstelle soll mit einem Hakenkreuz angedeutet sein. Ob das für die Geschworenen ein dauerndes Rufzeichen bedeutet? Wer weiß? Wer kann in das Innere dieser Männer hineinsehen? Gegenüber der Geschworenenbank die Verteidiger: Dr. Preßler, noch jung, schneidig, sitzt ganz nah beim Staatsanwalt, kaum einen Meter entfernt, er führt augenblicklich das Wort, während der neben ihm sitzende Doktor Mahler vorläufig nur leise Bemerkungen macht. Er ist der ältere, kühlere und fängt jedes Für und Wider auf, macht fortwährend seine Notizen. Neben den beiden, näher zu den Zuschauern, sitzen zwei gerichtliche Sachverständige. Vorne der Senat, bestehend aus dem Vorsitzenden Hofrat Ziegler, ein äußerst sympathischer Mensch, zwei Beisitzern und dem Schriftführer. Vor der Geschwornenbank drei Gerichtsstenographen, die abwechselnd mitschreiben. Der Raum vor dem Gerichtshof ist klein und eng. Der junge Halsmann steht darin, halb zu den Geschworenen gewendet und schildert soeben seine unglückselige Bergpartie mit dem verunglückten Vater. Der Vorsitzende läßt ihn ruhig erzählen, unterbricht nur ab und zu mit einer berichtigenden oder aufklärenden Frage. Von Zeit zu Zeit wendet sich der Vorsitzende an die Geschworenen und rekapituliert das soeben Gehörte mit großer Intelligenz derart, daß jeder dieser Männer vom Volk es verstehen muß. Man gewinnt den Eindruck eines äußerst sorgfältig und tief zusammenfassend geführten Prozesses, der die Blößen des mangelhaften früheren verhüllen soll. Es werden Details grundlegend besprochen, Entfernungen meterweise beschrieben und Zeiten sekundenweise erforscht. Denn das ist doch das Unfaßbare, daß gerade in dieser scheinbar kaum minutenlangen Zeit des Vorausgehens des jungen Halsmann der tragische Moment liegt. Er macht auch tatsächlich keinen allzu sympathischen Eindruck. Ungelenke, eckige Bewegungen, Unterlassung anpassender, gleichsam Sympathie erweckender Eindrücke zeigen den noch nicht ausgereiften, sehr weltfremden Jüngling. Seine Ausdrucksweise kann den Geschworenen nicht immer verständlich sein, wobei sein Deutsch stark akzentuiert ist. Er hat im Vorsitzenden einen warm mitfühlenden Helfer, der Vieles zwischen dem jungen, etwas mürrischen Menschen und den Geschworenen überbrückt. Selbst der Staatsanwalt wirkt beruhigend, wenn er sachlich in Halsmanns Bericht eingreift. Mittags wird eine Pause von halb Eins bis Drei eingeschaltet, man erhebt sich gemütlich von den Sitzen. Der Gerichtshof verläßt den Saal. Die Verteidiger klopfen dem jungen Menschen aufmunternd auf die Schulter. Ein Berichterstatter knipst ver- Ux&Iohl <leu$$c^österreicl%i$cl&er Juden Wien 5X., Berggasse Nr -4 — Telephon AlO-2-77 Einladung zu der am Samstag, den 21. September, 8 Uhr abends, im Großen Festsaal des Hotel Continental, IL, Taborstraße 8, stattfindenden 2&u Ehren Moses MendLelssoluns (anläßlich der 200. Wiederkehr seines Geburtstages) FESTPROGRAMM: CHORVORTRÄGE des Wiener jüdischen Gesangvereines unter Leitung des Chormeister> A. D z i m i t r aw s k y. Am Klavier Kapellmeister Rudolf Beck P. Lwow: Melodie ohne Worte Achron-Dzimi trowsky: Elul im Carlen M. Milner: Psalm XIII (Tenorsolo: Oberkantor Simon Weiss) Salonfiügel: Bechslein. Verl etung: Klavierhaus Josef Saphir, Wien II., Praterstraße 34 PROLOG, verfallt von Prof.Heinrich Glücksmann, Dramaturg des Deutschen Voiksthealers, gesprochen von Frl. .Margarete Bach FESTREDE, gehalten von Rabbiner Dr. I. Tag licht CHORVORTRAG des Wiener jüdischen Gesangvereines. Mussorgsky: .Josua'" (Solo: Konzer tsangerin Grete K 5 r n e r)