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Die Wahrheit · 1929-09-20 · Heft 38 (20.9.1929) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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*^€X^C 4 ib^hmmbhmgxhmbbirm DIE WAHRHEll Demagogie ausarten, ist die Herrschaft Louis Marshalls von allen anerkannt, man unterwirft sich Ihr gern und das ist der beste Beweis für seine aufrichtige Ergebenheit gegenüber seinem Volke, in dessen Dienst er das ganze Talent gestellt hat, das ihn erlaubt, die Stellung zu erlangen, die er in den Vereinigten Staaten inne hat." 0. H. Die Kämpfe in Palästina. Von Sir Herbert Samuel. Aus einem Gespräch. Der frühere Oberkommissär in Palästina, Sir Herbert Samuel, ist zu vorübergehendem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Er hatte die Liebenswürdigkeit, einem Bekannten unseres Schriftleiters folgendes Interview über Palästina zu gewähren: Ich war gerade in Amerika, als die Kämpfe in Jerusalem ausbrachen. Es war mir sofort klar, daß hinter diesen Wirren einige hochgestellte arabische Persönlichkeiten stehen müssen, die schon seit Jahren einen geheimen Kampf gegen die englische Politik in Palästina und für ein freies Arabien führen. In den letzten Jahren hatte sich ein friedliches Verhältnis zwischen den Juden und den Arabern angebahnt, und man hatte die Hoffnung, daß sich diese Akklimatisierung vertiefen würde. Lediglich der Zuzug arabischer Flüchtlinge aus dem Hedschas-Gebiet, also solcher Elemente, die weit unzivilisierter als die arabischen Eingeborenen in Palästina sind und für die ein Leben in Gemeinschaft mit einer fremden Rasse noch völlig unbekannt war, hat es mit sich gebracht, daß Wühlereien und hetzerische Umtriebe in Palästina wieder aufkamen. Daß sich hierbei einige arabische Häupt- „Wohle Natten", solche mit „Herrn Simon Hirsch" an „Schimon Klopper" ausgehändigt werden müßten! In damaliger Zeit verursachte das Namengeben wenig Kopfzerbrechen: Der Sohn von Pinkus Aron, hieß er beispielsweise mit Vornamen Salomon, so wurde er „Schlaume Pinkus" genannt. Viele benannte man nach dem Gewerbe, das säe betrieben, so Schimon Dreiler, Jacob Posamentier usw., andere wiederum nach den Ländern oder Ortschaften, denen sie entstammten, wie „David Holländer", „Natten Segeberger" u, a. Es kam aber auch zuweilen vor, daß man sich dagegen wehrte, so benannt zu werden, so ein in der dänischen Hauptstadt später ansässig gewesener „arrivierter" Restaurateur, der im Kriege auf dänischer Seite focht, und der es sich verbat, „Schimen-Hanne-Bele" genannt zu werden, indem er betonte, nicht „Schimen" noch „Hanne" oder gar „Bele" zu heißen. Was nützte es ihm? „Schimen-Hanne-Bele" wurde er mit eiserner Konsequenz genannt und damit basta! In arger Verlegenheit soll einmal der alte Selig David, der „Dichter", von dem hier später noch einmal die Rede sein wird, bei der Geburt eines Sprößlings gewesen sein. Lange stritt man hin und her, wie man den Jungen nennen könnte, bis Selig, der ein frommer Mann war, das Gesetz sprechen ließ. Er machte der langen Diskussion ein Ende, indem er das Chumisch zur Hand nahm, es aufschlug und laut und feierlich proklamierte: „Der Junge heißt Löwe!" Der kleine Weltbürger hatte noch Glück, nach diesem königlichen Tier benannt zu werden, wenn man in Erwägung zieht, daß auf der Seite des heiligen Buches ja auch Ochs, Esel oder gar Kamel hätte stehen können! Eigentümlich war es auch, daß in den kinderreichen Familien stets die gleichen Vornamen angetroiffen wurden. (Fortsetzung folgt.) linge und kirchliche Würdenträger noch besonders hervortaten, ja wahrscheinlich auch sogar die Fäden zu dem Aufstand in der Hand hielten, ist nicht weiter verwunderlich. Wenn man der englischen Regierung zum Vorwurf macht, daß sie zu wenig Schutzmaßnahmen für die jüdische Bevölkerung in Palästina getroffen hätte, so verkennt man völlig die Situation. Je weniger englische Polizeitruppen sich im Lande befinden, um so eher kann sich eine friedliche Annäherung zwischen Arabern und Juden vollziehen. Es ist ja das Ziel der englischen Politik in Palästina, einmal das Land sich selbst zu überlassen, sobald es wirklich dazu reif ist. Die Bevölkerung, sowohl die Araber wie auch die Juden, sollen nicht den Eindruck haben, daß sie von einer europäischen Großmacht beherrscht werden. Selbstverständlich ist es eine andere Sache, wenn derartige blutige Kämpfe ausbrechen. Man hat den Juden versprochen, in Palästina eine Heimat zu finden, man hat ihnen versprochen, sie dabei zu unterstützen, ihnen zu helfen und sie zu schützen. Die Uebermacht der Araber kann natürlich bei derartigen Momenten fanatischer Hetzereien für die Juden und die ganze jüdische Zukunft in Palästina gefährlich werden. Aus diesem Grunde muß man derartige Ausschreitungen sofort mit allen Mitteln niederschlagen. Ich glaube, daß bereits heute die Wirrnisse in Palästina einer Lösung entgegengehen (?), und hoffe, daß man aus den letzten Ereignissen viel gelernt hat. Die Einwanderung arabischer Neubewohner wird jedenfalls in Zukunft sehr streng kontrolliert werden. Im Gegensatz dazu wird man die Einwanderungsquote jüdischer Siedler wieder erhöhen. Auch letzteres ist ein Problem, das äußerst schwierig ist, denn es spielen da wirtschaftliche Fragen mit, die von großer Bedeutung für das Siedlungswerk in Palästina sind. Es wäre leichtfertig, wollte man aufs Geratewohl unkontrollierbare Massen jüdischer Siedler einwandern lassen, ohne vorher Gewißheit zu haben, daß sie nicht einem wirtschaftlichen Elend entgegengehen. Erst muß man immer für geeignete wirtschaftliche Existenzmöglichkeiten sorgen und dann erst kann man nach Maßgabe die Einwanderung zulassen. Palästina soll kein Land der Not und des Elends sein, sondern ein Land der Arbeit und des Aufbaues. Auch die Frage der jüdischen Selbstschutzverbäde ist nicht so ohne weiteres zu lösen, wie man sich es in manchen Kreisen vorstellt. Es könnte gerade durch diese Frage ein verschärfter Gegensatz zu den Arabern eintreten, den man doch unter allen Umständen zu vermeiden sucht. In einem gewissen Maßstab wird man allerdings nach den letzten Vorgängen den jüdischen Selbstschutzorganisationen erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Allerdings darf nicht vergessen werden, — und das europäische Beispiel ist hierfür sehr lehrreich, —

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