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Die Wahrheit · 1929-09-13 · Heft 37 (13.9.1929) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 mmiaimmmmaäiak Fanatismus zum Opfer gefallen sind, versichert den im Kampfe stehenden Jischuw in Erez Israel in Bewunderung für seine mutige Abwehr seiner innigsten Sympathien und entbietet den Jüdischen Einwohnern Palästinas ihre brüderlichen Grüße, Die Versammlung spricht die sichere Erwartung aus, daß das durch alte Uebung geheiligte Recht jüdischer AndachtsVerrichtung an der Klagemauer in vollem Umfange hergestellt und daß in Zukunft dem friedlichen jüdischen Schaffen in Palästina voller und ausreichender Schutz zuteil werden wird. Nachdem der Vorsitzende die Annahme der Entschließiinj; koü.sKuienc. erklärte er die Versammlung für geschlossen. Qlcwetx». Moses Mendelssohn, der bei Lebzeiten, wie seine berühmtesten Zeitgenossen feststellten, einen persönlichen Zauber auf alle übte, ja selbst auf judenfeindlich gesinnte Gegner, die ihn kennen lernten, scheint diese magische Kraft bis auf den heutigen Tag bewahrt zu haben. Wie wäre es denn sonst möglich, daß ein Münchener Blatt, das durch manche Leistung sich gegen den Verdacht des Philosemitismus gründlich geschützt hat, am 6. September eine Würdigung des Philosophen veröffentlicht, in wxlcher es u. a. buchstäblich heißt: „Er (Mendelssohn) hat gezeigt, daß das Ideal eines Juden zugleich das Ideal eines Menschen sein kann, sein soll. In der von ihm erstrebten, durch ihn selbst als möglich erwiesenen Vermählung der uralten jüdischen Kultur mit deutschem Geist, dem Geist der Aufklärung und Humanität, in der Verkündigung einer ideal gerichteten Weltanschauung bleibt seine bleibende, für die deutsche wie für die jüdische Geschichte gleich große Bedeutung". Wahrhaftig, auch an diesen Berliner Moses knüpfen sich Wunder, wie das Zitat aus dem Münchener Blatt beweist. In allen Tagesblättern ohne Unterschied der Partei und der Couleur kann man gelegentlich immer wieder die diplomatischen Winkelzüge gegeißelt finden, mit denen die Bemühungen zur ehrlichen Abrüstung aller Staaten verzögert oder vereitelt werden. Natürlich, Oesterreich ist am berufensten, den leitenden Politikern in großen Staaten in dieser Frage eine tüchtige Lektion zu erteilen. Ist es nicht empörend, daß die großen Staaten nicht an Entwaffnung denken, was doch für sie ein wahres Kinderspiel sein müßte? Warum sollen auch Menschen aufeinander schießen, die sich noch nie gesehen? Wer kann es besser ermessen als wir in Wien, wie segensreich der Friede wirkt, wo doch die edle Suttner in dieser Stadt schon vor Dezennien ihr Buch „Die Waffen nieder" geschrieben hat. So etwas vergißt man nicht bei uns. Und man wird übrigens .noch jeden Sonntag daran erinnert. * * Bei der zweiten Halsmann-Verhandlung in Innsbruck stehen dem Angeklagten als Verteidiger zwei Innsbrucker Advokaten zur Seite, deren streng katholische Abstammung und Gesinnung über jeden Zweifel erhaben ist. Diese kluge Vorsicht wäre vielleicht schon bei der ersten Verhandlung am Platze gewesen, denn damals war nicht nur der Angeklagte, sondern auch dessen jüdischer Verteidiger einigermaßen in der Sicherheit seines Lebens bedroht, als er vom Mob auf der freien Straße haranguiert wurde. * . * * Der englische Außenminister hat in Genf gelegentlich einer Beratung der Mandatskommission seinem tiefen Bedauern über die Vorgänge in Palästina und seiner Sympathie für die jüdischen Opfer Ausdruck verliehen. In Genf versuchte der Vertreter Englands, von aufrichtig humaner Gesinnung beseelt, wenigstens in seinem Berichte die Zahl der jüdischen Toten und Verwundeten zu — verkleinern. Nur schade, jammerschade, daß nicht schon die englischen Beamten in Palästina rechtzeitig das Notwendigste zur wirklichen Verminderung der Zahl der jüdischen Opfer veranlaßt hatten. * * * . Macdonald sagte in seiner großen Genfer Rede, er hoffe im Namen der ganzen Versammlung zu sprechen, wenn er erkläre, niemals könne eine Nation, die ein internationales Gewissen hat, es zulassen, daß Mord und Plünderung in irgend einem Lande herrschen. Der englische Premier hat ein bewunderungswürdig treffendes Wort gefunden, als er von dem internationalen Gewissen die Mißbilligung solcher Greuel annahm. In der hohen Versammlung sitzt mancher getroffene Vertreter eines sogenannten Kultur- und Rechtsstaates, der mit genauen Daten darüber dienen könnte, daß das nationale Gewissen allein die blutigsten Schandtaten gegen Juden nicht allein zuläßt, sondern auch gelegentlich favorisiert. & Die Juden in Ungarn erleben wieder eine bittere Enttäuschung. Ivan Hejjas, dessen Gewissen, wie ein geistreicher Staatsanwalt meinte, sich durch die mit seinem Namen verbundene Ermordung so vieler unschuldiger Menschen nicht belastet fühlt, hat, seitdem er Abgeordneter ist, sich Schweigen auferlegt, oder vielleicht wurde es ihm auferlegt. Nun ergab es sich, daß er, der ohne Immunität ungehindert und straflos hetzen durfte, mit Immunität ausgerüstet still bleibt. Es ist begreiflich, daß man in Ungarn nach diesem Präzedens an die Ernennung Gömbös zum Staatssekretär ähnliche Hoffnungen knüpfte. Aber der große Judenhetzer läßt sich auch durch seinen Ministerrang durchaus nicht in der wüstesten Judenhetze stören. Er hat nur die Mittel geändert, aber sie vielleicht noch verschärft. Statt des gesprochenen Wortes mißbraucht er nunmehr das geschriebene. Der aktive Herr Staatssekretär deckt nämlich mit seinem Namen ein Wochenblatt, das unausgesetzt die infamsten Beschuldigungen und Verleumdungen gegen die Juden verbreitet. Herr Gömbös hält diese Doppelrolle für kompatibel. Aber wie denken jene darüber, die Herrn Gömbös zum Amte eines Staatssekretärs verhalfen, wie sie vorher Herrn Hejjas reif für die Würde eines Abgeordnetenmandates hielten? Ego.

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