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Die Wahrheit · 1929-09-13 · Heft 37 (13.9.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT dimiuoiuiiuuiiuunDmienBiBman Seite 1 umwunden erkläre, daß eine solche Handlungsweise alles eher verrate als Reife und Erfahrung, Eigenschaften also, die für eine Redaktion von der Bedeutung derjenigen des „Hamburger Familienblattes" unerläßlich sind und vorausgesetzt werden. Die Leser mögen nun selbst urteilen. Hamburg, 5. September 1929. John Jacobsohn. Die aussterbende Religiosität. Von Josef Lazarus. Frankreich schaltet den Religionsunterricht aus den Schulen aus, Jugoslawien will dem Beispiele folgen; Rußland verpönt den Religionsunterricht auch im Schöße der Familie, um das Volk vor dem „Rauschgift der Religion'" zu bewahren. Fünfhundert Jahre, bevor es überhaupt eine Religion gab, hat Abraham die „Religiosität" ersonnen: das Zwiegespräch mit der „inneren Stimme" (Gottes Stimme) im Menschen. Die Elementar-Stufe des Religionsunterrichtes ist, das Kind auf diese „innere Stimme", die Gott jedem Menschen ins Herz gelegt hat (der Hebräer nennt sie: „die Gedanken des Herzens"), aufmerksam zu machen, die Fähigkeit zu entwickeln, sie zu hören, und den Willen zu stärken, sich von ihr hemmen zu lasesn. Dieser Elementar -Unterricht verbessert die Qualität des Menschen. Wohl meinte ein Stratege, daß die Qualitätsverbesserung nach dieser Richtung ein Menschenmaterial hervorbringt, welches weniger kriegsfähig ist — „nicht verbesserte" Massen. Dem entgegen lehrt aber die Weltgeschichte, daß eine Koalition der Völker rasch gebildet werden kann, um das Rohe zu bezwingen, wo hingegen die Kleinsten und die Schwächsten zu den Siegern eingereiht werden, sobald sie nach kultureller Uebereinstimmung zu ihnen gehören. Es ist daher für das. staatserhaltende Prinzip wichtig, die kulturellen Qualitäten des Volkes von Kindesbeinen an zu heben und in Harmonie mit denjenigen der großen Völkerfamilie zu bringen. Schwieriger ist die höhere, die historische (prophetische) Stufe des Religionsunterrichtes, die dartut. wie edle Menschen und edle Völker, durch Unglück geläutert, zu neuem Glanz und erhöhtem Ruhm emporsteigen. Das Unglück der Jaakov-Familie führte den, von Midjanitischen Kaufleuten gestohlenen, von einer Jischmaelittschen Karawane nach Aegypten verkauften Joseph, dessen religiöses Wesen ihm alle Herzen der Aegypter zuwandte, vom Gefängnisse bis zum Hofe, wo er zum Vizekönig erhoben wurde. Auch das Unglück seiner Nachkommen in ägyptischer Gefangenschaft gereichte nach 400 Jahren dem Volke Israel zum Ruhm und der ganzen Menschheit zum Wohle, da sie auf diesem Wege von den Barbarismen der babylonischen, assyrischen, chittischen und ägyptischen Gesetzgebung befreit, auf die humane Grundlage des Mosaischen Gesetzes gestellt wurde, auf dem sie heute noch mit ihren Religionen steht. Das Volksunglück der Verschleppung nach Babylonien war die Rettung Israels vor moralischem Untergang im eigenen, von ägyptischen, babylonischen und assyrischen Truppen stets durchzogenem Lande. Ohne Land, ohne.eigenen Staat, jeder mareriellen Hülle entkleidet, stand nun-Israel bloß als geistiger Begriff da: die Thor ah allein war seine Heimat . . Babylonien, welches sein Gefängnis sein wolus. wurde seine Ruhmesstätte durch Gründung der jüdischen Akademien in Susa, Nehardea Pumbedita und M a h u s a, die das Monumentalwerk des Talmud schufen, deren Gerichtshof von den Persern (nach Bezwingung Babylons) als Staatsgerichtshof anerkannt wurde. Dem Volksunglück der spanischen Inquisition verdankt Israel den Ruhm, die erste europäische Kolonie in Amerika gegründet zu haben, den Seehandel den Holländern und den Engländern (unter Cromwell) und über Einladung des Hambruger Senats auch den Deutschen gebracht zu haben. So gelangte Israel durch den ganzen Lauf der Weltgeschichte durch Unglück zu Glück und Ruhm bis auf den heutigen Tag, an dem der Vorzug, das verwüstete Heilige Land wieder aufgebaut zu haben, letzten Endes die Folge der russischen Pogrome ist. Die Weltgeschichte spottet jeder physischen Kraft-Aufdrängung und läßt die größten Weltreiche durch kleine, aber ethisch beseelte Staaten besiegen, so daß die Opportunität, eine recht hohe Bevölkerung behufs Vaterlandsverteidigung zu erziehen, hinfällig wird. Das brutale Weltreich der Babylonier wurde durch den humanen Cyrus. Mitregenten des kleinen Medien besiegt, dann sein Weltreich, nachdem es sich seiner humanen Traditionen entsagte, durch Alexander, König des kleinen Macedonien. Nachdem sein Weltreich unter seinen Nachfolgern brutal geworden, wurde es durch den Arm der kleinen Gruppe der Makkabäer abgewehrt. Die kleinen Niederlande gaben den Anfang zur Zerbröckelung des. durch die Brutalität der Inquisition gebrandmarkten spanischen Kolosses, in dessen Weltreich „die Sonne nie unterging". Das damals militärisch noch unbekannte, kleine Japan besiegte den durch Pogromme befleckten russischen Koloss im selben Jahre, in welchem der Zar sich rühmte, daß sein Reich so groß sei wie die Fläche des — Mondes! Brutalität vergeht — Glaubensfriede besteht. Solche Geschichtsbilder bewahrheiten die Weltanschauung unserer Propheten, dieser bis auf den heutigen Tag unerreichten Politiker des Altertums, de inmitten stürzender Weltreiche und aussterbender Völker ihr kleines Volk — ohne materiellen Staatsbestand — zu ewigem Bestehen erzogen, und in Gesinnung und Gesittung nach den Gesetzen der Bibel in die gesamte Vöikerfamilie harmonisch eingebettet haben. Verstünde ein Staat für seinen Dauerbestand inmitten der Völkerfamilie zu sorgen, so würde er sein Volk nicht zu nutzloser Machtentfaltung erziehen, die von einer Koalition der Völker als Ausläufer barbarischer Zeiten proskribiert wird, sondern er würde die Qualität seiner Bewohner von Schule aus heben, zu kulturellem Einklang mit den anderen Völkern, die den Glaubensfrieden in ihren Ländern zu erhalten verstehen. Mathematik-, Physik- und Chemie-Unterricht allein tun es nicht. Auch der professionelle Religionsunterricht nicht, wenn er sich bloß auf das Erlernen von Glaubensartikeln und Gebetsformeln beschränkt. Der Religionsunterricht muß vertieft, aber nicht beseitigt werden. In der Volksschule im abrahamitischen Sinne vertieft zur Pflege der Gewissensstimme, in der Mittelschule im Sinne der Propheten zur Orientierung im Leben. Das Antike wird wieder zur Lebensnotwendigkeit. In solcher Betrachtung der Weltgeschichte,, des Lebenslaufes der Herrscher, und der Familienchroniken des eigenen Städtchens, beschleicht einen das Gefühl, daß es irgendwo einen Lenker des menschlichen Schicksales gibt. In diesem „Gefühl" liegt aber ein Leben-erhaltendes Prinzip, welches die Schule pflegen und vertiefen soll, denn, wenn kommerzielle Krisen die Alten ums Vermögen bringen, sie ins Falliment stürzen, oder wenn die Jungen in Liebesverwicklungen geraten, wenn den Leuten die Nerven versagen und wenn gebrochene Herzen aus dem Leben flüchten wollen, dann erinnert sie das vermeintliche „Rauschgift der Religion" an die Religionsstunde aus Weltgeschichte, daß der Edle durchs Unglück zu höherem Glück geführt wird, sobald er sein Ungemach als Mittel zur Läuterung betrachtet und sich darnach benimmt. Somit ist es Aufgabe der Schule, den Schüler mit jenem lebenerhaltenden Wissen zu versehen, welches nötig ist, um das Ungemach im Leben zu ertragen, anstatt aus demselben zu flüchten. So dient die Elementarstufe des Religionsunterrichtes, um den Zynismus niederzudrücken, der aus den Polizeibekenntnissen der jugendlich Verirrten spricht. Die höhere (historische) Stufe des Religionsunterrichtes soll aber zur Orientierung der Verzweifelten dienen, deren seelische Hilflosigkeit aus den Briefen der Selbstmörder zu ersehen ist. Mit Recht sagt Moses von seiner Lebenslehre (de.- Thora): „Ein Buch des Lebens ist sie — Allen, die daran halten." Die Leiter der Sowjet-Republiken mögen erwägen: „Besser das Rauschgift der Religion, welches den Verzweifelten ins Leben zurückführt, als der Giftbecher des Ratlosen, der ihn aus dem Leben hinausführt. Bai Tdiloii st!Lea$Äet für die hohen Feiertage Posten als Vorbeter. Nimmt auch eine Vertretung für längere Zeit an. Zuschriften erbeten an die Verwaltung dieses Blattes unter nH> L.M

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