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Die Wahrheit · 1929-09-13 · Heft 37 (13.9.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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alle Völker, den Weissagungen der Propheten entsprechend, sich auf dem Heiligen Berg versammeln werden, würdig vorzubereiten. Dem „Jüdischen Friedensbund" sind in dieser Angelegenheit bereits aus verschiedenen Ländern Anregungen zugekommen. Sämtliche Zuschriften sind an die Geschäftsstelle des Jüdischen Friedensbundes Berlin-Schöneberg, Am Park Nr. 15, zu richten. Mendelssohn-Feiern vor hundert Jahren. In einer Zeit, in der das ganze deutsche Judentum den 200. Geburtstag Moses Mendelssohns würdig feiert, dürften die Nachrichten über die Feier- Ücnkeiten, mit denen man vor hundert Jahren diesen Gedenktag beging, nicht ohne Interesse sein. Ein Artikel der tiaude- und Spenerschen Zeitung berichtet uns unter dem 19. September 1829 hierüber ausführlich. Sein Verfasser ist kein geringerer als der Altmeister der Wissenschaft des Judentums, Leopold Z u n z. Zu einer Feier fühlte sich in erster Reihe Berlin veranlaßt, wo Mendelssohn den größten Teil seines Lebens vom Jahre 1742 bis 1786 verbracht hatte. Der äußere Rahmen, in dem in diesem Jahre die Mendelssohn-Feier abgehalten werden wird, ist sicherlich glänzender als der jener schlichten Feier, an der in einem Lokal auf der Neuen Friedrichstraße 35 120 geladene Gäste teilnahmen. Aber die Redner dieser Feier sind Träger klangvoller Namen. Als erster sprach Moses Moser, die Seele des 1819 gegründeten Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden, der Mann, von dem Heinrich Heine gesagt hatte, daß er im jugendlichen Alter nicht bloß die gründlichsten Kenntnisse besaß, sondern auch durchglüht war von dem großen Mitleid für die Menschen, von der Sehnsucht, das Wissen zu verwirklichen in heilsamer Tat. Er behandelte die sittlichen Triebkräfte Mendelssohns. Dann kam der Historiker jener Generation J. M. Jost, der vor Graetz eine mehrbändige „Geschichte der Israeliten" verfaßte, zu Wort. Ihm lag es ob, ein Lebensbild Mendelssohns zu entwerfen. Die Reihe der Redner beschloß Leopold Zunz selbst mit einem Vortrag über die Bedeutung Moses Mendelssohns für die Mit- und Nachwelt, der uns in seinen Gesammelten Schriften (Bd. II, S. 102) erhalten ist. In besonders sinniger Weise beging die Heimatstadt Mendelssohns, Dessau, diesen Tag. Auf Veranlassung Dr. David Frankels, des Direktors der dortigen israelitischen Schulen, wurde eine Mendelssohn-Stiftung geschaffen, mit dem Zweck, arme jüdische Knaben und Jünglinge zu unterstützen, die sich den Künsten und Wissenschaften, dem Lehrfach oder einem Handwerk widmen wollten, während in Berlin die Errichtung der Mendelssohnschen Waisen-Erziehungsanstalt an diesem Tage beschlos- 11 ÖSTERREICHS GROSSTE PHOTOFIRMA ||||| PHOTO WEITZHANN IWIEN II II-, PRATERSTR. II., TABORSTR. 36 ||||| UND ZAHLREICHE FINAL EN 1| sen wurde. Auch in Hamburg, wo Dr. Salomon, der Prediger der Tempelgemeinde eine Festschrift dem Gedächnits des Weisen von Dessau widmete, ehrte man neben einer Feier der israelitischen Freischule im Apollosaal das Andenken Mendelssohns durch eine Stiftung, die seinen Namen trug, aus welcher Studierende der Philosophie und Medizin, ferner junge Leute, die sich dem Rabbiner- oder Lehrerberuf widmen wollten, Stipendien beziehen sollten. Auch von Mendelssohn-Feiern in Dresden, Frankfurt a. M. und Breslau weiß Zunz in dem erwähnten Zeitungsartikel zu berichten. Blättert man in den Berichten und Reden, die anläßlich des 100. Geburtstages gehalten wurden, so sind sie alle auf den gleichen Ton abgestimmt, erfüllt von Dank und Verehrung gegen den Mann, der durch Wort und Tat die geistige Emanzipation der Juden vorbereitet hatte, deren Früchte vor hundert Jahren noch recht spärlich waren. Unsere Zeit sieht viele jüdische Fragen in anderem Lichte als unsere Urgroßväter vor hundert Jahren. Doch geblieben ist die Achtung vor dem Streben und Wirken Mendelssohns, der sein Leben unter das Wort stellte: „Der Mensch forscht nach Wahrheit, billigt das Gute und Schöne und tut das Beste." Dr. Aber-Bremen. Eine Rechtfertigung. Das „Hamburger Familienblatt" hält strenges Gericht über mich, weil ich in der „Wahrheit" den Verlag des genannten Blattes angegriffen haben sali, und da ich die Ehre habe, mich zu den Mitarbeitern der „Wahrheit" zählen zu dürfen, sei es mir erlaubt, mich hier, am Schauplatz meines angeblichen Vergehens, verteidigen zu dürfen. Wer hier in einem meiner „Hamburger Briefe" die bezügliche Stelle nachlesen wird, der wird schwerlich die Ueberzeugung gewinnen können, daß es mir darauf ankam, dem Verlage des „Hamburger Familienblattes" eines auszuwischen. Vielmehr dürfte er finden, daß ich mich veranlaßt und berechtigt fühlte, mich mit der Person des Verlegers des „Hamburger Familienblattes" kritisch zu befassen, denn ich bin der Ansicht, daß jeder gesittete Mensch die Verpflichtung hat, die im Verkehr mit seinen Mitmenschen gebotenen Höflichkeitsformen zu respektieren und daß ein Mann vom Rang und Stand des Herrn Verlegers des „Hamburger Familienblattes" für sich nicht das Recht einer Ausnahme hiervon beanspruchen dürfe. Im Gegenteil, eine solche Persönlichkeit muß um ihres Prestiges willen doppelt darauf bedacht sein, sich nach dieser Richtung hin nichts zuschulden kommen zu lassen, und ich glaube, daß jeder Mensch diese meine Ansicht, die ich übrigens dem Blatte unterbreitete, teilen wird. Nicht so die Redaktion des „Hamburger Famiiieinblattes". „Wess' Brot' ich ess', des Lied ich sing'", dieses für unser Wirtschaftsleben so außerordentlich wichtige Gebot mag für die Haltung des „H. F." mir gegenüber bestimmend gewesen sein; dennoch kann ich es nicht verstehen, daß die Redaktion des „Hamburger Familienblattes", der man im übrigen alle journalistischen Ehren zuzuerkennen berechtigt ist, sich so weit vergessen kann, daß sie zu Maßnahmen greift, die nicht nur journalistisch betrachtet, sondern auch vom allgemein moralischen Standpunkte aus als höchst anfechtbar bezeichnet zu werden verdienen. Nichts hat mir ferner gelegen als ein Angriff auf das „Hamburger Familienblatt" und wenn dasselbe behauptet, ich hätte hier meinem Groll wegen Minderbezahlung zweier Artikel Ausdruck verleihen wollen, so irrt es sich, denn der betreffende „inkrimierte" Satz war längst geschrieben, als ich mit dem Blatte wegen dieser Sache korrespondierte. „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus" und wenn das „Hamburger Familienblatt' eine solche Tonart anschlägt, daß es mir, dem Wohlanständigkeit oberstes Gesetz ist, „Anpöbelung" und dergleichen vorwirft und meine Manuskripte, die ich demselben im Vertrauen auf seine Objektivität glaubte zusenden zu dürfen, barsch und unbeherrscht zurückweist, so darf es sich nicht wundern, daß ich ihm un-

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