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Die Wahrheit · 1929-09-13 · Heft 37 (13.9.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 faßt hat. Das mußte sich rächen und hat sich leider nur zu blutig gerächt! Was nun? Das ist die große Frage, die jetzt entsteht. Es ist nur zu natürlich, daß der Resignation auf der einen Seite ein verstärkter Wille zur Aufbauarbeit gegenübersteht. Die Zeit wird lehren, welche Tendenz mehr Berechtigung besitzt. Vorderhand, da die Dinge noch in Fluß sind, ist vor Uebertreibungen nach der einen oder anderen Richtung entschieden zu warnen. Es ist nicht gut, wenn man wichtige politische Fragen in jenem Momente zu lösen sich anschickt, da das Ende noch nicht abzusehen. Die Zukunft der jüdischen Religion in Sowjetrußland. Von Binjamin Segel, Wien. Es verlohnt sich, über diesen Gegenstand etwas ernster nachzudenken. Noch nie seit ihrem Bestände war die jüdische Religion einer so harten und schweren Probe ausgesetzt, richtiger gesagt: war die Treue und Ergebenheit der Juden zu ihrer Religion so sehr gefährdet und in Versuchung gebracht, wie jetzt in Rußland. Alle die unzähligen grausamen Verfolgungen, die die jüdische Relisrion über sich hat ergehen lassen müssen, zielten darauf ab, die Juden als ihre Träger zu vernichten; sie bedienten sich der Peinigungen und Folterungen oder der Ausrottung, um die Juden zur Abtrünnigkeit zu bewegen. Die Verfolger der jüdischen Religion sowie deren Werkzeuge waren Nichtjuden, und die I im im ü Verfolgungen geschahen im Namen der Idee, daß das Christentum die bessere, edlere, wahrere Religion sei, daß die Juden durch Uebertritt zu ihr moralisch und intellektuell höher steigen und im Diesseits wie im Jenseits einen höheren Rang in den Augen Gottes erwerben. Es ist bekannt, daß alle diese Verfolgungen kein nennenswertes Ergebnis brachten, an dem Bestände des Judentums zu rütteln, ohnmächtig waren, im Gegenteil nur die Wirkung hatten, daß den Juden ihre Religion nur um so teurer wurde. Die Verfolgungen schmiedeten ein eisernes Band zwischen Israel und dem Judentum, ein Band, das im wesentlichen noch heutzutage vor^p'lt. Bei allem Unheil, das die Verfolgungen der jüdischen Religion über unzählige Juden brachten, gereichten sie ihr doch im Grunde genommen nur z"m Segen. Anders liegen die Dinge in Sowjetrußland. Hier sollen die Juden nicht physisch ausgerottet werden, UFA-TON-KINO en II., TaborslraSe 8 - Tel. R 42-3-41 Das fifmtgeater ber guten Q settsdfaft zeigt Brigitte Helm! Franz Leyerer - Warwlck Ward |]|); in Kill Die wunderbare lüge der Wj Nina Petrowna Ein Oroßfilm der Erich Pommer-Produktion der Ufa Beginn der Vorstel'ungen: V,6, 1lß und 9 Uhr S nn- und feiertags 4, V»6 V48 und 9 Uhr •m i Der Dichter: „Mein Herr, Sie haben Ihren Standpunkt — wir werden nicht ein'g werden---." Der General: „Die Herren verzeihen, daß ich in <t"ese Debatte eingreife. Aber mir fällt soeben ein Erlebnis von 1870 e'ti. Ich habe mich damals gefreut und freue mich heute noch, es erlebt zu haben. — Sie. werter Herr D'chter, behaupten, der Jude se; feige, egoistisch und rücksichtslos. Sic haben vielleicht als Rechtfertigung für Ihre Ansicht ein Beispiel, eine „Tatsache" zur Hand. Wenn in selchen Fragen einzelne Beispiele richtunggebend für Gefühle se:n können, dann wird man es mir nicht als Schwäche anschreiben, wenn ich mich von einem Beispiel, e:ner „Tatsache", e'nem Erlebnis mein langes Leben hindurch führen l;eß. Tch habe an ienem Tage angefangen, über etwas nachzudenken, woran ich früher nie gedacht habe, weil es mir zu unwic'ut g erschien. — Verstehen Sie mich, meine Herren, es handelt sich — blc ß — um ein Gefühl, um nichts weiter. Bitte, lassen Sie sich erzählen: An einem Wintertage des Jahres 1870 lag eine deutsche Infanterieabteilung in einem französischen Dorf in Quartier. Die Herren Offiziere hatten es sich in einem geräumigen Hanse, dessen Besitzer geflüchtet war. bequem gemacht. Man wußte, daß vor dem nächsten Morgen kein Alarmruf zu erwarten war und wollte den Abend — vielleicht den letzten — genießen. Die Offiziere saßen beisammen bei Speise und Trank und erzählten sich lustige und ernste Dinge, verwegene Heldenstückchen und tapfere Kriegsstreiche. Da erzählte der General ein Husarenstück, daß sich ein Hessenländer Pfarrerssohn vor kurzem geleistet hatte. Ergriffen schilderte der alte Soldat, wie der Hesse bei Nacht und Nebel in französischer Uniform bis zi:m Feinde heranschlich, sich im Lager umsah, frs er die Rlegimentsfahne entdeckte, und wie er in einem günstigen Augenblick d ese ergriff und zurückschlich den feindlichen Hügel hinab. Und wie er zu früh entdeckt wurde, wie eine französische Kugel ihn durchbohrte, wie er dann mit letzter Kraft seinem unten wartenden Kameraden die Fahne zuwarf und sterbend rief: „Lauf, George die Fahne ist unser!" Dieses Stück erzählte der G^e^l. er ni*e rnf*n und Stand des Tapferen der «e'n T eben h'wb d*ff»r. d*R er sein Mütchen an dem verh^ßt^n Fe^d kühlen kf'nt*. Ein lunger Leutnant bö-te d;e*e Er75Huia e^ w~de nachdenklich und ceine Ancen elften w''d Tn A -"en-- bl'ck faßte er den Entschluß, bei der nächste" G-I-e-Ve-'t um d'e feindl'cbe Fahne zu k^m^fen. s;e »im!eden P-»r zu erobern, um sich so auf e!nm?>l Pu^m ii"d P^ng zu ve-^öß^n. Gott — es war iugendl:cher E'fer! Wer kennt;hn n'cM? Am anderen Morgen st^nd der Leutnant ~n d~r ^~'t-e seiner Trunre 'm heißesten Nr^mrf m;t dem F^'nd f" 'rh'- har war d?<= Pingen um;eden Zrll E de, fr'r de? F:e'*nd "'"r1 Feind d^s Flut hergrben. Dem Leutnant 7iir Se'+e k^m-fte «e;n n"-cc^p, ei kleiner, aber muskulöcer M?nn von et^vn fiinfn-d-"."nz:g Jahren. Pe'de waren he'ß bemüht, an den fe>"ndJ;rhen F"Hnentxäger heranzukommen, was ihnen auch gelrng. Nun be^nn das P'ngen um die Fahne. Die Frr-nzf^en merkten die Ab~:cht und bildeten einen Kreis um den F?hnenträger. Der T eutn;»nt verstärkte sich auch durch einige semer Leute, und es gel n^ ihm, den feindlichen Kreis zu sprengen. M't einem S-tz "»^n" der Leutnant auf die Fahne zu, rannte in diesem Moment seinen Degen dem Träger in d;e Rippen und entr:ß ihm d e heißumstrittene Fahne. In diesem Augenb' ck?ber wu ^en d'e daneben kämpfenden Kernenden 7tin"'cVc:ed s^et D°r letitndnt sah sich allein mit seinem Purschen und erkannte die Gefahr, in der sich bc'de befanden. Da kn~llte nu<= n-c'-ster Nähe ein Schuß, der Leutnant kmekte zusammen, während er die eroberte Fahne seinem Purschen in d e Hand g?b und rief: „Lauf, Levi, de Fahne ist unser!" Eine Sekunde nur überlegte der kle;ne Levi. d^nn "?rf er die schwere Fahne zu Fcden, ergriff im Nu den gefallenen Leutnant, packte ihn auf die Schulter und l'ef zurück, indem er sich mit der Waffe, die er in der rechten H^nd hielt, den Weg bahnte. Erschöpft und blutend brachte Levi den ohnmächtigen Leutnant aus der Kampflinie,

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