Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i2 t/^Utili^ IßsJuÄeitenvGmlagv Das wahre Unglück. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er bekanntlich was erzählen. Da berichtet uns ein Mitglied der „U n i o n", daß er, ebenso wie viele andere Gäste, von Velden a. Wörthersee einen Autobus-Ausflug nach Rosenbach in den Karawanken gemacht hat. Der einzige größere Gasthof, namens Matschnig, welcher gleichzeitig das Ausflugsziel bildet, enthält auf der großen Stirnmauer eines Nebengebäudes mit Riesenbuchstaben folgende Aufschrift: „Juden — Unglück." Ueber und unter dieser Aufschrift sind drei karikierte Judenköpfe in Ueberlebensgröße aufgezeichnet. Man kann sich vorstellen, welchen deprimierenden Eindruck diese Ueberraschung auf die Sommergäste von Velden, denen auchJuden aus aller Welt angehören, gemacht hat. Wir fragen nun die zuständige Fremdenverkehrskommission, welche Schritte sie gegen diesen unglaublichen Unfug zu unternehmen gedenkt. Ist sie nicht auch der Ansicht, daß ein größeres Unglück für unseren Fremdenverkehr dieses Hetzplakat als die darin zum Ausdruck gebrachte hirnrissige Gleichstellung vom „Juden — Unglück" ist. Herzl-Konjunktur. Senator Dr. Mayer Ebner, Czernowitz, wendet sich in einem ausführlichen Briefe mit bitteren Vorwürfen an unsere Redaktion, daß wir in Nr. 34 unseres Blattes unter obigem Titel „einem so gehässigen, schmählichen und durchwegs verlogenen Artikel eines seiner persönlichen Feinde in Czernowitz Raum gegeben haben". Abgesehen davon, daß es uns unerfindlich ist. warum Herr Senator Dr. Mayer Ebner nicht bei aller persönlichen Feindschaft in der von uns zitierten Quelle, der „Bukowinaer Volkszeitung" berichtigt, scheint er auch den Grund, der uns bei diesem Abdrucke geleitet hat, vollkommen zu verkennen. Wir wollten in der betreffenden, mit Absicht „Herzl-Konjunktur" überschriebenen Notiz, wie aus ihren einleitenden Zeilen klar hervorging, nur aufzeigen, welche Nebensächlichkeiten jetzt ans Tageslicht gezerrt werden, um nur den Zusammenhang zwischen Herzl und unseren jüdischen „Politikern" zu beweisen. (Man erinnert sich in diesem Zusammenhang wohl noch der famosen Saiten-Gedenkrede.) Herr Senator Dr. Mayer Ebner erhärtet ja selbst diese Erscheinung, wenn er in seinem langen Briefe erklärt, daß „das, was er als Erinnerung an Herzl aufbewahrt und publiziert hat, keineswegs von einer jüdisch-historischen Wichtigkeit ist". Da sich Senator Dr. Mayer Ebner aber darauf beruft, daß wir „einem Manne, der seit mehr als drei Jahrzehnten im öffentlichen judischen Leben steht, die gesellschaftliche Rücksicht schuldig sind", stehen wir nicht an, den wesentlichen Teil seiner Richtigstellungen mit Auslassung aller aggressiven Stellen hier zu veröffentlichen: „Ich habe außer an anderen auch an den drei ersten Zionistenkongressen in Basel teilgenommen, ich habe am ersten Kongreß ein Referat erstattet, ich wurde auf demselben ersten Kongresse in das aus 23 Mitgliedern bestehende Aktionskomitee gewählt und ist es wirklich so wichtig für Ihre Leser, ob ich 1897 nach dem ersten Kongreß Herrn Dr. Theodor Herzl einen „Besuch" in der Redaktion der „Welt" gemacht, oder ihn bloß — wie Ihr Gewährsmann herausgeschnüffelt hat, — in Wien „getroffen" habe? Und ist es wirklich eine unerhörte Anmaßung von mir, wenn ich in meinen Reminiszenzen berichte, daß Dr. Herzl mir gelegentlich meines Besuches „seinen Vater vorgestellt" hat? Und ist diese mir zuteil gewordene Auszeichnung schon aus dem Grunde erfunden, weil ich gelegentlich einer anderen Veröffentlichung dieses sicherlich nebensächlichen Details nicht Erwähnung getan habe? Halten Sie es für glaublich, daß der Weltmann, der wohlerzogene Theodor Herzl mich in DIE WAHRHEIT der Redaktion der „Welt" — also war ich doch dort zu Besuch — so beleidigend empfangen hat, wie der Artikelschreiber der „Bukowinaer Volkszeitung" es darstellt? Ich war jahrelang Mitarbeiter der „Welt", ich war Kongreßdelegierter, Referent und gewähltes Aktionskomiteemitglied und Herzl, der 1897 in aller Welt um Freundschaft warb, soll mich so schmählich empfangen und abgewiesen haben?" Die feindlichen Brüder. Herr Samuel W e i z m a n n, ein Bruder des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Dr. Chaim W e i z m a n n, ist soeben im Auftrage der Regierung der Sowjetunion in den Vereinigten Staaten eingetroffen, um für sie als wirtschaftlicher Experte zu fungieren. Er erklärte Vertretern der Presse, daß er in Amerika für den Plan der Besiedlung von Biro-Bidschan im Fernen Sibirien durch Juden und die Ausgestaltung dieses Gebietes zu einer autonomen jüdischen Republik wirken wolle. Es besteht die Möglichkeit, sagte Samuel Weizmann, im Verlauf der nächsten 15 Jahre eine Million Juden in Biro-Bidschan anzusiedeln. Die bestehenden Schwierigkeiten sind leicht zu überwinden, die große Entfernung von Europa kann ebenfalls kein Hindernis sein; im Gegenteil, diese räumliche Entfernung werde es bewirken, daß die Siedler sich nicht allzu leicht entschließen werden, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß nach den ersten Erfolgen des Kolonisationswerkes der Regierung auch die ausländischen jüdischen Organisationen wie JCA und Agro-Joint das Biro- Bidschan-Projekt unterstützen werden. — Auf eine Frage der Journalisten erklärte Samuel Weizmann, er sei Gegner des Zionismus, ungeachtet dessen stehe er auf freundschaftlichem Fuße mit" seinem Bruder Dr. Chaim Weizmann. Jüdische Erbauer des Völkerbunds-Palais. Von den fünf Architekten, die den Völkerbundpalast in Genf erbauen, sind zwei Juden: der Genfer Architekt Flegenheimer und der ungarische Architekt Vago. Flegenheimers Entwurf ist bekanntlich mit dem ersten Preis gekrönt worden. Von den portugiesischen Marranen. Das Organ der Alliance Israelite Universelle „Paix et Droit" veröffentlicht eine Mitteilung des Pro-Marranen-Komitees, daß es in Portugal bereits zwei neojüdische Gemeinden, eine in Oporto und eine in Braganza, gibt. Die zum Judentum bekehrten Marranen geben eine hebräische Zeitung „Ha-Lapid" („Die Fackel") und religiöse Bücher heraus. Ein jüdischer Minister in Australien. Das Parlament in New Victoria hat Herrn H. Cohen zum Minister für Unterricht und Volksbildung ernannt. Herr . H. Cohen ist der erste jüdische Minister in Australien. Lederhandschuhfabrik jfosejl 2iadmqzt L, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 II., Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40