Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIt MMBIAUOBKäUI Seite ii sondern ausschließlich gegen die Juden und nicht etwa bloß gegen die sozialdemokratisch gesinnten Juden gerichtet. * * * Herr Hofrat Pichl will, wenigstens nach seiner Grabrede zu schließen, nicht ganz auf den Kampf mit geistigen Waffen verzichten. Da ist es nun begreiflich, daß er, der ohne die geringste Angst vor dem Staatsanwalt, zum verbrecherischen Kampf mit tödlichen Warfen aufruft, mit den geistigen Waffen noch sorgloser hantiert. Er glaubt, die „geistigen Mörder" huldigten einen angeblichen jüdischen Ritus, der in der Lehre „Auge um Auge, Zahn um Zahn" besteht, und zeigt damit nur, daß er nicht weiß, daß dieses Gesetz nie buchstäblich gemeint war. Anspruch auf die Schaffung dieses Ritus in des Wortes grausamster, bösartigster Bedeutung könnte nur Herr Hofrat Pichl erheben, der seinen Gesinnungsgenossen ganz ungeniert an einem offenen Grabe diese Lehre predigte. * * * * Kein Geringerer als der protestantische Bischof Desider Baltasar war es, der vor einigen Tagen in einer Versammlung ausrief: „. . . Wir sind ein reaktionärer Staat, der die feudalen und klerikalen Reste des Mittelalters aufrechterhalten, die das für Freiheit, Fortschritt und Demokratie geschaffene Antlitz der ungarischen Nation verunzieren." Bischof Baltasar sprach diese Worte, was ausdrücklich betont sein mag, in der Polemik gegen gewisse seine Kirche bedrohende Strömungen, sonst hätten Fernstehende wirklich geglaubt, er spreche von der Lage der Juden in Ungarn. Ego. Union dcutsdiöstcrr. Juden. Mitteilungen des Zentralvorstandes. Mit der letzten Praterzusammenkunft haben diese Sommerveranstaltungen der „Union", die sich für die Aufrechterhaltung des Kontaktes zwischen den Mitgliedern als durchaus zweckentsprechend bewährt haben, ihr Ende gefunden. Der Zentralvorstand der „Union deutschösterreichischer Juden" beginnt nun mit der Herbstkampagne, die angesichts der großen Vorbereitungen, die für ihr Gelingen bereits in den Sommermonaten getroffen wurden, vielverheißend zu werden verspricht. Wegen der bedeutenden politischen und kulturellen Ereignisse sah sich der Zentralvorstand veranlaßt, die Versammlungstätigkeit bereits Mitte dieses Monats, also noch vor den hohen Feiertagen, aufzunehmen. Der Stellungnahme zu den traurigen Vorfällen in Palästina dient eine Versammlung, die M o n t a g, d e n 16. September, 8 Uhr abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines. I., Eschenbachgasse 9, stattfindet. Die Referenten Vorstandsmitglieder der „Union" werden in dieser Versammlung den Standpunkt der „Union" zu dem jetzt leider so aktuellen Palästinaproblem präzisieren. In diesem Monat jährt sich auch zum 200. Male der Geburtstag Moses Mendelssohns. Dieser Tag ist für das Judentum von großer Bedeutung. Mendelssohn hat in seine Geschichte tief eingegriffen, er hat einen neuen Abschnitt in ihr eröffnet. Sein Wirken hat der geistigen Emanzipation der deutschen Juden den Weg geebnet. Es ist daher ein Akt historischer Gerechtigkeit, wenn auch das deutschösterreichische Judentum das Jubiläüm dieses Großen feiert. Diesem würdigen Zwecke gilt eine Gedenkfeier, die S a m s t a g, den 21. September, 8 Uhr abends, im großen Festsaale des Hotels Continental, II., Taborstraße, stattfindet. Die Festrede wird, wie bekannt, Herr Rabbiner Doktor I. Taglicht halten; das weitere Programm steht noch nicht ganz fest, es wird aber angesichts der großzügigen Vorbereitungen, die die „Union" für diese Gedenkfeier trifft, durchaus dem beabsichtigten eindrucksvollen Rahmen der Feier entsprechen. Vormerkungen für Einladungen zu dieser Veranstaltung, die bei freiem Entree stattfindet, nimmt das Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, entgegen. Neben diesen beiden großen Veranstaltungen wird in allernächster Zeit an die Abhaltung von Bezirksversammlungen geschritten werden, über die weitere Nachrichten noch folgen. Amtliche 'ÜLdkuuup*. ^U^Uv.Ju. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Z. 5730 ex 1929. Kundmaciiung. Herr Dr. Nissim Ovadia, welcher in seiner Eigenschaft als Rabbiner des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde zufolge Bescheides des Wiener Magistrates vom 7. April 1924, M.-Abt. 49/3100/24 als Gemeinderabbiner im Sinne des § 44 des Kultusgemeindestatuts und des Punktes 5 des Regulativs betreffend die Rechtsverhältnisse der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien bestellt wurde, ist von seinem Amte bei dem genannten Verbände zurückgetreten. Infolgedessen ist das Amt des Herrn Dr. Nissim Ovadia als Gemeinderabbiner gemäß § 48 des Kultusgemeindestatuts erloschen. Hiervon erfolgt gemäß § 49 des Kultusgemeindestatuts die allgemeine Verlautbarung. W i e n, 1. September 1929. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Gottesdienst. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3, Sofiensaal, III., Marxergasse 13 und Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, Gottesdienste. jene Parteien, welche au! die im Vorjahre benätzten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, in der Zeit vom 15. September bis 24. September d. J. während der Amtsstunden von 9—1 Uhr vormittags beheben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 25. September d. J. Weiters sind die freigebliebenen Karten für den Leopoldstädter Tempel an der Betsitzkarten-Kassa der israelitischen Kultusgemeinde erhältlich.