Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT amm i Seite 1 Diese historisch-belehrende Uebersicht schließt mit einem ausgezeichneten „Abriß der hebräischen Grammatik", der das Studium der hebräischen Sprache anregen soll, die damals aus den jüdischen Kreisen beinahe völlig verdrängt war. * . * * Moses Mendelssohns Uebersetzung, die die Frucht einer zehnjährigen Tätigkeit (1773—1783) war, durchweht der Geist der strengen Rechtgläubigkeit, gepaart mit dem Streben nach Gründlichkeit und Klarheit des Ausdrucks, wie ja die Absicht Mendelssohns war: die Erklärung der heiligen Schrift nach dem natürlichen und einfachen Wortsinn aus den großen jüdischen Kommentatoren zu sammeln, die bisher als Führer in der Erklärung der heiligen Schrift gedient hatten. Es sind dies Rabbi Salomon Jizchaki (Raschi), „unvergleichlich überall, wo er den einfachen Sinn der Schrift anstrebt", dessen Enkel Rabbi Samuel ben Meir (Raschbam), „der tief, bisweilen sogar zu tief in den Wortsinn der Schrift eindringt", der „in allen Wissengebieten heimische" Rabbi Abraham ben Esra und Rabbi Moses ben Nachman (Ramban), „jener wunderbare Mann, der in seinem Kommentare zur Thora ein wahrhaftes Meisterwerk geliefert hat". (Mendelssohns eigene Worte.) * * * Wir sehen also, welcher Art das Werk Mendelssohns war und welche Dienste er damit der Verbreitung der fiaskala unter den Juden geleistet hat, wie grundlegend und bedeutungsvoll dies alles zu jener Zeit gewesen sein muß, selbst auch dann, wenn wir wissen, daß die Jünger und Freunde Mendelssohns ihm dabei tatkräftig zur Seite standen. Es ist kaum nötig, noch hinzuzufügen, wie sehr dieses Werk Mendelssohns bei den Juden auch den Sinn für ihre eigene Bildung weckte und zu gründlichen biblischen Studien anregte. Gleichzeitig aber konnte auf diese Weise auch die deutsche Sprache erlernt werden, was weiterhin die Möglichkeit gab, in die verschiedensten Zweige der allgemeinen Kultur und Zivilisation einzudringen. Dadurch wurde auch die ästhetische Bildung der Juden gefördert, was bis dahin bei dem völlig korrumpierten jüdischen Unterrichts- und Erziehungswesen undenkbar war. Die von Moses Mendelssohn genährte Bewegung breitete sich überallhin aus, wo Juden in größerer Anzahl wohnten. Die geistige Sklaverei, aus der auch Moses Mendelssohn die MOSES MENDELSSOHN GESAMMELTE SCHRIFTEN JUBILÄUMS AUSGABE veranstaltet zum 200. Geburtstage Mendelssohns im Auftrage der Akademie für die Wisenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß und mit Unterstützung des Haus Mendelssohn & Co. unter Mitwirkung von F. Bamberger. H. Borodianski, S. Rawidowicz. B. Strauss. L. Strauss herausgegeben von I. ELBOGEN / J. GUTTMANN / E. MIITWOCH 16 Bände 1—13 deutsche, 14—16 hebräische Schriften 3 Bände erscheinen am Jubliäumstage, je 3 weitere Bände jährlich. DIE SUBSKRIPTION IST ERÖFFNET Subskriptionspreis: Ganzleinen M. 12.— (statt M. 15.—) pro Band, Halbfranz M. 15.— (statt M. 18.75) pro Band, Luxusausgabe auf holl. Bütten (Bogen in Kassette) M. 30— pro Band. Einzelbände werden nicht abgegeben. Verlangen Sie Sonderprospekt! AKADEMIE - VERLAG / BERLIN W 35 Erklärung. Ich stelle fest, daß der „j ü d i s c h e J o u r o alist", dessen Unterredung mit Lucien Wolf ich im Warschauer „Ii a j n t" vom 13. Juni 1. J. auszugsweise wiedergegeben habe, mit dem Schriftleiter der „Wahrheit*4, Herrn Oskar Hirschi e 1 d identisch ist. Wien, 22. August 1929. M.G. Zimmermann. * * * Zu dieser Erklärung sei zum besseren Verständnis unserer Leser mitgeteilt, daß sie folgende Angelegenheit bereinigen soll: Herr M. G. Zimmermann, damals noch verantwortlicher Schriftleiter der Wiener zionistischen „Stimme", hatte im Warschauer „Hajnt" unbefugter Weise das Interview wiedergegeben, das unser Schriftleiter mit Lucien Wolf hatte, ohne „Die Wahrheit" als Quelle oder unseren Schriftleiter als Autor zu nennen; es wurde lediglich in der Einleitung der unberechtigten Wiedergabe vermerkt, daß „ein jüdischer Journalist" das Interview mit Lucien Wolf hatte. Als besondere* Kuriosum dieser Angelegenheit sei angeführt, daß „Die Stimme", deren Schriftleiter Herr M. G. Zimmermann noch war, das von ihm ohne Ermächtigung unserer Redaktion nach Warschau weitergeleitete Interview wegen der antinationalen Aeußerungen Lucien Wolfs bekanntlich sehr scharf kritisiert hat. Die Redaktion der „Wahrheit". Juden erlösen wollte, ist nach langen, bis in die neueste Zeit hineinreichenden Kämpfen in großem Umfange beseitigt worden, wodurch das von Mendelssohn und den Maskilim verfolgte Ziel erreicht wurde. Seine begonnene heilige Arbeit wurde von seinen Schülern in mannigfacher Weise weitergeführt. Die Bibelübersetzung wurde fortgesetzt und 1805 waren schon sämtliche Bücher nebst Kommentaren herausgegeben und die erste hebräische Zeitschrift „Ha'meassef wurde verlegt. * * * Es war der große Geist Moses Mendelssohns, der es vermochte, eine Verbindung des uralten Geistes des Judentums mit dem Aufklärungsgeiste der neuen Zeit herbeizuführen, ohne dabei etwas von den überlieferten Werten des Judentums aufzugeben. Aber es wurde zum Verhängnis seiner Nachkommen, die dieses Band zerschnitten, nachdem sie den Zusammenhang mit der Quelle verloren hatten. Bei Moses Mendelssohn war die Synthese: Judentum und Europäertum vorbildlich und konfliktfrei verwirklicht. Bei seinen Nachfolgern fehlten die göttlichen Werte der Urquelle, and sie verzichteten auf das Judentum, weil für sie diese Synthese aus Unkenntnis des jüdischen Elements untragbar schien und weil sie sich selbst der Fortsetzung dieses Werkes nicht gewachsen fühlten. Den Verzicht zogen sie dieser hohen Aufgabe vor. .^AAAAAAAAAAAiAAAAAAAAAAAAAUAAAAAlAA44 Jüdisch-theologisches Seminar Fraenckel'sche Stiftung BRESLAU. > Das Seminar feiert Anfang November sein fünfundsiebzigjähriges Jubiläum. Die Teilnahme möglichst £ aller früheren Hörer ist erwünscht. Voreinladungen |* sind bereits ergangen. Alle Hörer, die sie nicht er- * halten haben, werden um baldige Mitteilung ihrer Anschriften gebeten. Breslau, im August 1929. Wallstraße 14. Das Kuratorium 3* der Kommerzienrat Fraenckel'schen £ Stiftungen. 0?rrvwr*iwvf^T7TrrTTinr*^