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Die Wahrheit · 1929-09-06 · Heft 36 (6.9.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 ■Km« DIE WAfiftBEit Caveant consules! In Palästina scheint nach den letzten Nachrichten die Ruhe und Ordnung, abgesehen von kleineren Zusammenstößen, wiederhergestellt zu sein. Man hat natürlich keine Ahnung, wie lange diese scheinbare Ruhe anhalten wird, denn immer wieder hört man von Zusammenrottungen der Araber, die auch von den Grenzen her Verstärkungen erhalten dürften. Auch was in diesen entsetzlichen Tagen geschehen, wie viel Menschenleben und wie viel Sachwerte wirklich vernichtet wurden, ist schon wegen der Vertuschungspolitik noch nicht restlos zu übersehen. Es ist daher müßig, in dem jetzigen Zeitpunkte abschließende Betrachtungen über das Unglück anzustellen. Aber eines steht schon jetzt fest: Es ist im Heiligen Lande viel gesündigt worden. Wohl wird sich die Beantwortung der Schuldfrage ebenso schwierig gestalten wie etwa die der Kriegsschuldfrage. Es sind da sehr viele Komponenten beteiligt. Und es geht schon deshalb nicht an, nur einen Schuldfaktor zu konstruieren, insbesondere dürfen dies nicht jene, die selbst nicht frei von Schuld und Fehle sind. Wenn man die zionistischen Blätter in der letzten Woche las und den nach Fraktionen getrennten zionistischen Versammlungen beiwohnte, so hörte man einen Haßgesang laut werden, ähnlich dem kriegerischen Rufe: „Gott strafe England!" Gewiß, die Palästinaregierung hat nicht sehr vernünftig in Palästina gewirtschaftet, indem sie, wie wir letzthin ausführten, den Hetzereien der Araber nicht Einhalt gebot. England hat diese seine schwere Nachlässigkeit auch eingesehen, denn sein Kolonialminister Sidney W e b b sagte Prof. W e i z m a n n dieAbberufungallerenglischenBeamten zu, deren nachlässiges Verhalten die Araberrevolten gefördert hätte. Ebenso sicherte er volle Entschädigung der jüdischen Siedler für deren zerstörtes Eigentum und für die Angehörigen der Ermordeten zu. Es ist schon deshalb nicht opportum, gegen England so Sturm zu laufen, wie dies Jetzt seitens der Zionisten, die bisher gerade auf England schworen, geschieht. Es ist vor allem nicht politisch klug, von ihm die Abtretung des Mandates an eine andere Macht — Amerika wird da vor allem genannt — zu verlangen. Wer weiß, daß es sich bei den Kämpfen nicht so sehr um die Juden, die wohl auch hier wie so oft in der Weltgeschichte die unschuldigen Opfer waren, als um einen wohlvorbereiteten allgemeinen arabischen Aufstand gegen England handelte, wer die politische Einsicht besitzt, zu sehen, daß hinter dieser panislamitischen Bewegung Weltmächte schürend stehen, der wird es verurteilen, wenn aus dem verständlichen Sentiment der Klagelieder heraus „Weltpolitik" seitens jener gemacht wird, die jetzt wegen ihrer eigenen Sünden sehr stille sein sollten. Sie stoßen damit nur in ein Horn, in das auch ihre Feinde gerne blasen. Schon höj *■ man in England von nicht gerade judenfreundlicher Seite den Ruf: „Give back the Mandat!", schon erklärt auch der Großmufti und Präsident des Obersten Mohammedanischen Rates Emil El Hussein: „Ihr könnt die augenblicklichen Unruhen unterdrücken und durch die Macht der britischen Waffen die Ruhe für den Augenblick wieder herstellen, aber endgültiger Friede in Palästina und Arabien wird niemals wieder hergestellt werden, solange GroßbritannienweiterhindiePolitikderBalfour- Dekiaration verfolgt. Ganz Arabien ist in großer Aufregung." Und da kommen die Zionisten und rufen, nur weil sie von England arg enttäuscht wurden, ebenfalls nach dem Kadi Völkerbund. Sind sie nicht oft genug gewarnt worden? Hat man ihnen nicht schon vor Jahren vorausgesagt, was jetzt zu unser aller Entsetzen eingetreten ist? Wo blieben da ihre großen Führer? Diese Anklage wird noch erhoben werden, wenn Frieden in den jetzt so schwer* erschütterten jüdischen Herzen eingekehrt ist. Jetzt beseelt uns all das Gefühl der Trauer und es ist ein Verbrechen, diese Trauer zu neuen politischen Hetzereien zu mißbrauchen. Wir, die wir immer warnten, stehen jetzt erst recht auf dem Beobachtungsposten. Wir sehen, in welcher Weise weiter politisiert wird, trotz des un- Dnion aeotschOslerreiciilschcr Juden Wien IX., Berggasse 4 — Tel. A 19-2-77 EINEADUNG zu der am Monfag, den 16. September, 8 Uhr abends, im großen Saale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, I., Eschenbachgasse 9 stattfindenden Versammlung TAGESORDNUNG: Die Ereignisse in Paldsf ina Referate werden erstattet von Vorstandsmitgliedern der „Union" Anschließend Diskussion Das Präsidium der „Union dßutschöstBrreichisctiBP Indin" &HI

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