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Die Wahrheit · 1929-08-30 · Heft 35 (30.8.1929) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 der kommunistische Partei-Agitator Nikolai Jantschewski, die beide direkt an Pogromen teilgenommen und viel jüdisches Blut vergossen hatten, u. a. m. Gegen alle diese Personen, die später in die kommunistische Partei sich eingeschlichen haben, wird ein öffentlicher Prozeß durchgeführt, wobei die Verwandten der Jüdischen Pogrom-Opfer als Zeugen auftreten werden. Zu Bernhard Barons Tode. Das Testament des vor einigen Tagen verstorbenen berühmten englisch-jüdischen Philanthropen Bernhard Baron ist geöffnet worden, Er hinterläßt etwa 1 Million Pfund für philanthropische Zwecke, davon */s für allgemeine und l/s für jüdische Anstalten. 10.000 Pfund vermachte Bernhard Baron der Liberalen Synagoge und 50.000 Pfund der jüdischen Waisenhilfe. Einer der Kuratoren der Hinterlassenschaft ist Lord Readiing. M/ürisfterpr'äsiident Macdonald hat au« Anlaß des Ablebens Bernhard Barons der Familie des großen Philanthropen duirch ein besonderes Schreiben sein Mitgefühl ausgedrückt. In der Liberalen jüdischen Synagoge fand ein Gedenkgottesdienst statt. Den Trauergottesdienst bei. der Leichenfeier leitete Rabbi M a 11 u c k in englischer und hebräischer Sprache. In der Trauerrede sagte er, das Andenken an Bernhard Baron werde in den Herzen vieler Männer und Frauen und in der Kraft vieler Institutionen der Wohlfahrt fortleben. Mendelssohn-Feiern. Der Vorsitzende des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Kammergerichtsrat Wolff hat das folgende Schreiben an die Mitgliedsgemeinden des Verbandes gerichtet: „Am 6. September 1929 jährt sich zum 200. Male der Geburtstag Moses Mendelssohns. Dieser Tag ist für das Judentum von großer Bedeutung. Mendelssohn hat in seine Geschichte tief eingegriffen, er hat einen neuen Abschnitt in ihr eröffnet. Sein Wirken hat der geistigen Emanzipation der deutschen Juden den Weg geebnet. Es ist daher ein Akt historischer Gerechtigkeit, wenn das deutsche Judentum einheitlich das Jubiläum dieses ihres Großen feiert. Wir richten daher an unsere Mitgliedsgemeinden das ergebene Ersuchen, soweit es angebracht erscheint, besondere Mendelssohn-Feiern zu veranstalten,, in deren Mittelpunkt Festansprachen der Rabbiner oder Lehrer zu stehen hätten." Zum Gedächtnis Hermann Cohens. An dem Geburtshaus des im Jahre 1918 gestorbenen Begründers der „Marburger Schule", des Philosophen Hermann Cohen, hat die; Stadt Koswig eine Inschrift anbringen lassen. Ferner wird im Rathaus eine Erinnerungsplakette ihren Platz erhalten, die von dem Bildhauer Ilemann stammt, und zu der die Mittel von privater Seite zur Verfügung gestellt worden sind. Der Poerom in Slabodka. Im Gegensatz zu den offiziellen Ableugnungen der Pogrome, die die litauische Regierung durch ihre Gesandtschaften im Auslände verbreiten lließ, gibt das Amtsblatt der litauischen Regierung „Lietuwas Aidas", zu, daß in den Kownoer Vorstädten zahlreiche unschuldige Juden mißhandelt worden sind. Das Amtsorgan tut dies in der folgenden Form: „Der Versuch, eine kommunistische Demonstration in Kowno zu veranstalten, hatte einen unangenehmen Epilog. In Slabadan (Slabodka) haben viele ganz und gar unschuldige Jüdische Bürger leiden müssen. Es ist nun einmal so: Wenn zwei sich schlagen, leidet der Dritte." (und freut sich: die litauische Regierung.) Im Schatten der „Deutschen Eiche'*. Im Wiener „Abend", dem wir vollkommen die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Nachricht 'überlassen müssen, stand dieser Tage folgende, unglaubliche Begebenheit: Draußen in Hernais, in der Jörgerstraße, ist die „Deutsche Eiche". Das ist, wie der Leser aus dem Anführungszeichen schon geschlossen haben wird, kein Baum, sondern ein Wirtshaus. Das Wirtshaus des Adolf Mitzier, der es in dem Haus, das dem „Männerturnverein Hernais" gehört, betreibt In dem Gasthaus ist ein schöner Garten, dessen schattige Bäume und gedeckte Tische angenehm zur Stärkung und Erholung einladen, wenn man den ganzen Tag geschuftet hat. Das dachte sich auch ein schwergeplagter Hernailser Geschäftsmann, der sich vor kurzem unter der „Deutschen Eiche" niederließ, um mit seinerFrau gemeinsam zu nachtmahlen. Er hatte aber kaum gegessen, als der Kellner kam und die Zahlung forderte. Das ist sein Recht, wenn es auch in Wien, wo man oft auf den Zahl'kel'lner länger warten muß, als die ganzei Mahlzeit gedauert hat. nicht gerade üblich ist. Der Gast bestellte s'ch noch ein Seidel Bier1 und mußte auch das zu seinem Erstaunen sogleich bezahlen. Nichtsdestoweniger gab er dem Keiner doch 40 Groschen Trinkgeld und dachte über die Sache nicht weiter nach. Aber auf einmal wurden Steine geworfen. Kieselsteine, die in dem Gastgarten den Bodenbelag bilden. Die Treffsicherheit, mit der die Kieselsteine ankamen. Keßen keinen Zwefel darüber übrig, daß sie von einer Gruppe Gäste geworfen wurde«, die unweit von dem Tisch des Geschäftsmannes saßen. Aber der Mann — Wiener Geschäftsleute sind im Umgang mit anderen Menschen immer sehr höflich — vergewisserte sich zuerst, ob seine Vermutung richtig sei. Als dann wieder ein Stein geworfen wurde, stellte er laut fest, daß es eine Lausbüberei sei. harmlose Gäste auf solche Weise zu belästigen. Darauf wurde ihm von den Tischen zugerufen: ..Hinaus mit dem polnischen Saujuden!" Darauf der Geschäftsmann: „Meine Herren, erstens bin ich gar kein Judei und zweitens ist es traurig genug, daß man in Wien auf solche Weise belästigt werden kann!" Jetzt brüllte aber der ganze Haufen: Natürlich ist das ein Jud, schaut's ihn nur an, wie er ausschaut! Hinaus mit dem Judern!" Jetzt kam auch der Wirt heraus, der die Radaubrüder mit den Worten beruhigen wollte: „Meine Herren, da vertier' ich ja alle meine Gäste, wenn Sie es so machen!" Darauf die Hakenkreuzler: Wenn Ihnen der eine Gast lieber ist als wir, dann gehen wir ha'ft!" Und zu dem angefallenen Gast sagte er: ..Wissen Sie. das ist ein deutsches Lokal!" Darauf der Gast: „Ja, ich bin ja auch ein Deutscher und ich werde diese skandalöse Belästigung in die Zeitung geben." „Rühren Sie sich nur!" : chrien einige von der Horde, als sie diese Drohung vernahmen. „Dann hauen wir Ihnen alles zusam mein." Die Leute in Hernais, schreibt der „Abend" schließlich, die gerne anständige Gasthäuser aufsuchen, werdenalso jetzt wissen, daß dazu die „Deutsche Eiche" nicht gehört und daß sie dort Gefahr laufen, mit einer Horde zusammenzutreffen, die jeder Lausbüberei fähig ist. KONKURS Der orth. Israel. Bethausverein „Emunas Aares'S Wie» XIV., Storchengasse f 1, benötigt für die hohen Feiertage einen forbeier Reflektanten» die über eine klangvolle Stimme verfügen, außerdem Bal-Keren sind und Referenzen über ihre religiös einwandfreie Lebensweise nachweisen können (Bal-Tokeh bevorzugt), richten ihre Anfragen an den Vorstand des Bethausvereines „Emunas Awes" Wien XIV., Storchengasse 21. Der Vorstand. Lederhandschuhfabrik Josef (ftasliagec L, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-5-» IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40

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