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Die Wahrheit · 1929-08-30 · Heft 35 (30.8.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Weäitkeit^ Ein garstig' Lied! „Wer steht schon hinter der Heimwehr? Vor allem ein Klüngel jüdischer Journalisten!" Mit diesem unerhörten Satze leitete der Führer des „Republikanischen Schutzbundes", Abg. Julius D e u t s c h die Rede ein, die er am vorletzten Sonntag in Purkersdorf hielt. Uns interessiert hier absolut nicht der Anlaß dieser Rede, die eine Antwort auf die Heimwehrkrawalle in Purkersdorf darstellen sollte. Aber die Unverfrorenheit, mit der hier das Judentum angegriffen wird, gehört doch angeprangert. Der Passus von dem „Klüngel jüdischer Journalisten" ist natürlich insbesondere auf Alexander Weiß gemünzt. Für diesen Revolverjournalisten wird das Judentum verantwortlich gemacht, obwohl es aller Welt bekannt ist, daß Deutsch, Eldersch e tutti quanti zu den Informatoren des Weiß zählten, als er noch beim „Abend" im Solde der Sozialdemokratie blutrünstige Artikel schrieb. Von einem jüdischen Sommerfrischler, der der Versammlung als Zuhörer beiwohnte, wegen dieser Aufhetzung der Massen zur Rede gestellt, verantwortete sich Abg. Deutsch mit der bekannten Ausrede: „Politisch Lied, ein garstig' Lied!" Nein, Herr Abgeordneter, solche Tonart ist schon abscheulich, weil unverantwortlich! Eine merkwürdige Angelegenheit. In dem unter diesem Titel in der Ausgabe unseres Blattes vom 16. d. M. erschienenen Bericht aus Joachimstal war auch die Mitteilung enthalten, daß der dortige Bezirkshauptmann dem Vernehmen nach sich geäußert haben soll, er lege auf jüdische Kurgäste keinen besonderen Wert. Dr. Desider Friedmann, der als Vertrauensmann der jüdischen Kurgäste die Aktion wegen Wiederermöglichung der rituellen Verköstigung geführt hat und hierbei mehrfach Gelegenheit hatte, mit Herrn Bezirkshauptmann Dr. Loser zu verhandeln, bittet uns nun, der Feststellung Raum zu geben, daß die obige, Herrn Dr. Loser in den Mund gelegte Aeußerung nur einem Gerücht ihre Entstehung verdankt. Herr Bezirkshauptmann Dr. Loser hat im Gegenteil wiederholt und nachdrücklich Herrn Dr. Desider Friedmann gegenüber erklärt, daß ihm alle Kurgäste ohne Unterschied gle ich nahe stehen und daßihmjede konfessionelle Voreingenommenheit vollkommen ferne liege. Wir stehen selbstverständlich nicht an, aus Gründen der Loyalität den Irrtum in der uns zugekommenen Nachricht hiermit zu berichtigen. Zu der gleichen Angelegenheit erhielten wir auch eine Berichtigung des Herrn Bezirkshauptmannes Dr. Georg Loser selbst, in der er ebenfalls die ihm zugemutete Aeußerung bestreitet, ebenso die Behauptung, daß eine Abordnung der jüdischen Kurgäste nach Prag gefahren ist, um bei der Regierung einzuschreiten. „Wahr dagegen ist", schreibt Dr. Loser, „daß ich über Intervention des Herrn Rabbiner Zipp aus Lemberg sofort Vorsorge getroffen habe, um trotz der Sperrung der erwähnten rituellen Gasthäuser die rituelle Verköstigung der in St. Joachimstal anwesenden jüdischen Kurgäste zu ermöglichen, so daß diese Angelegenheit eine sämtliche Vertreter der jüdischen Kurgäste vollkommen befriedigende Lösung gefunden hat." Damit ist die Angelegenheit, die in aller Oeffentlichkeit zu behandeln wir für unsere jüdische und journalistische Pflicht hielten, für uns erledigt. Neue „Enthüllungen". Das Blatt Adolf Hitlers „VölkischerBeo b a c h t e r" schreibt — und unser „Eiserner Besen" druckt es prompt nach — daß „auf dem all jüdischen Kongreß in Zürich weltpolitisch zweifellos wichtigste Beschlüsse gefaßt wurden", indem vor rund 4000 Kongreßteilnehmern „die Einigkeit aller Juden in aller Welt auch nach außen hin verkündet" wurde. Das Hitler-Blatt fügt hinzu: „Diese Kundgebungen sind derart eindeutig, daß alle bisherigen jüdischen Ableugnungsversuche einer alljüdischen Weltpolitik durch diesen Kongreß selbst als bewußte Lügen gebrandmarkt worden sind. Man sucht noch einen letzten verhüllenden Schleier über die ganze Sache zu breiten, indem man erklärt, es handle sich um Palästina-Fragen, in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine zentral geleitete jüdische W e 11 p o 1 i t i k, und es ist bezeichnend, daß kein einziger Staat sich dieser Querverbindung durch alle Völkerinteressen zu widersetzen wagt . . . Der Kongreß zu Zürich 1929 bestätigte die angefeindeten Protokolle der Weisen von Zion von 1897." Nach diesen „Enthüllungen" kann man sich für die Zukunft auf allerlei gefaßt machen! Späte Sühne. Unter der kommunistischen Beamtenschaft Moskaus wird jetzt eine Reinigungsaktion durchgeführt, in deren Verfolg zahlreiche höhere Beamte, zum Teil Rayons- und Kr-eis-Inspektoren, aus ihren Aemtern entfernt und aus der Pajtei ausgeschlossen werden, nachdem eine gegen sie geführte Untersuchung ergeben hat, daß sie unter Petljura an Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung führend tel'ger. smmen hetten. Unter diesen Beamten befinde* sich der Rayo:.s-Inspektc/ von Proskurow Jefim Lepikasch. von dem festgestellt wurde, daß er 1919 während des Pogroms in Proskurow mit eigenen Händen viele jüdische Bürger g etötet hat; der Rayons-Inspektor von Luhin,. S'kneMzki, und -RPS MODERNST EINGERICHTETE DAMPFBÄCKEREI Unter Aufsicht des ebrw. Rabbinates d. ADAS JISROEL (Schiffschul) Spezialität i Ung. Welsenn. 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