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Die Wahrheit · 1929-08-23 · Heft 34 (23.8.1929) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT öinilMIlUnilüIBniniUlUiimüinfflnümnnmminnrmfflirminniinii machte ich Theodor Herzl meinen Besuch in der Redaktion der ,Welt\ Dort stellte er mir seinen Vater vor, einen Mann von stattlicher, sympathischer Erscheinung. Herzl fragte mich, was ich vom Verlaufe des ersten Kongresses halte. Hier will ich bemerken, daß ich damals 25 Jahre alt und ein Phantast, wie alle Zionisten jener Zeit war . . . Ich habe daher auf die Frage Herzls geantwortet, ich hätte mir von diesem Kongresse mehr versprochen. Herzl brauste auf und sagte wörtlich: .Was? 2000 Jahre haben wir auf die Erlösung warten können und zwei Jahre erscheinen Ihnen schon zu viel?' Ich (Ebner) war perplex. Also in zwei Jahren soll die Geulah kommen? dachte ich mir und ehrlich gestanden, ich glaubte es nicht, und es war nun an mir, Theodor Herzl für einen Phantasten zu halten.' ,Was hilft Gott?' fragt ein Litwak und antwortet sich selbst: ,Die ganze Geschichte ist nicht wahr.' Dieses Gespräch Ebners mit Theodor Herzl hat niemals stattgefunden, obwohl Ebner schon zweimal und jedesmal ganz anders dieses Erlebnis geschildert hat und jetzt sogar ein Novum hinzufügt. Diesmal ist neu die Erzählung, daß Theodor Herzl Ebner seinen Vater vorgestellt hat. Dies ist ganz frei erfunden. Dieselben .Erinnerungen an Theodor Herzl!' hat Ebner nämlich am 19. Juli 1919 in derselben ,Ostjüdischen' veröffentlicht und die Begegnung ganz anders dargestellt. Dort erzählt er, daß er Herzl nach dem I. Zionistenkongresse in Wien .getroffen' und auf eine Frage Herzls geantwortet habe, daß er (Ebner) eine Ueberraschung (!) vom Kongresse erwartet habe. In der Schilderung Ebners nach zehn Jahren wird aus dieser zufälligen Begegnung Herzls mit Ebner ein offizieller Besuch des letzteren in der Redaktion der .Welt' und — Herzl stellt sogar seinen Vater Herrn Ebner vor! Im Jahre 1919 lebten nämlich noch Zeitgenossen', die von diesem .Gespräche' Kenntnis hatten. Es hat sich wie folgt abgespielt: Herzl saß in der Redaktion der .Welt', als Herr Ebner (er war damals 25 Jahre alt) mit einem großen Manuskript unter dem Arm erschien, das er anbringen wollte. Es wurde aber abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit stellte sich Dr. Ebner vor. Herzl war unwillig und schrieb weiter, warf einige konventionelle Worte ein, ohne von Ebner weiter Notiz zu nehmen. Ebner war über Herzl damals empört. Die Aeußerung Theodor Herzls, von der Ebner behauptet, daß sie Herzl ihm gegenüber in Wien gemacht hat, ist tatsächlich gefallen, — aber im Makkabäerklub in London. Wahr ist hingegen, was Ebner vom III. Zionistenkongreß in Basel erzählt, wo er Herzl zum zweiten- und letztenmale s#h. Herzl sagte damals auf der Rednertribüne: .Jeder kann abdanken, nur ich kann es nicht.' Ebner schreibt, daß er (Ebner), als er dies gehört, darauf zum verstorbenen Dr. Mayer Schifter, der daneben stand, gesagt hat: .Ich fürchte, Herzl wird sich noch einmal das Leben nehmen.' Ein historischer Ausspruch Dr. Ebners. Er vergißt aber geflissentlich zu erzählen, was der kluge Dr. Mayer Schifter ihm darauf geantwortet hat, nämlich: ,Mayer, du bist ein . . .' Und nun kommt Ebners Briefwechsel mit Herzl. Aber, o weh: ,Die Briefe sind während der Russeninvasion in Verlust geraten.' Nur den Inhalt eines Briefes von Herzl hat Ebner im Gedächtnis behalten, als er einem Juden einen Empfehlungsbrief an Herzl nach Wien mitgab. Herzl antwortete ungefähr: .Ich bitte Sie, mich mit derlei Dingen nicht zu belästigen . . .' Der Brief enthält eine noch viel drastischere Abschüttelung, die Ebner verschweigt. Er hat diesen einzigen Brief, den Theodor Herzl ihm geschrieben. Er soll ihn nur im Wortlaut veröffentlichen. Wenn dies der Fall sein könnte, wird Herr Dr. Mayer Ebner nie mehr .Erinnerungen an Theodor Herzl' schreiben. Er hat keine sehr angenehmen persönlichen Erinnerungen an Theodor Herzl." Gegen den Rassenhaß. Die französische Kammer hat die nachfolgende Resolution angenommen: „Die Kammer, getreu den unsterblichen Prinzipien, die die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte inspiriert haben, verwirft und verurteilt alle konfessionellen, Rassen- und Kastenvorteile, anerkennt und proklamiert die völlige Gleichheit aller Menschen, ohne Unterschied der Abstammung und Farbe, vor den Gesetzen und ihr Anrecht auf den Schutz dieser Gesetze. Sie rechnet darauf, daß die Regierung die Achtung vor den Gesetzen erzwingt und mit der nötigen Entschlossenheit alle Verletzungen des Gesetzes ahndet, die auf nationalem Gebiete begangen werden, einerlei, wer die Täter und wer die Opfer sind." Diese unzweideutige Erklärung verdient der Oeffentlichkeit in möglichst weitem Umfange bekanntgegeben zu werden. Seite 13 %fuuf und Literatur Moses Mendelssohns gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe. Akademie-Verlag, Berlin. Moses Mendelssohn gehört in der Geschichte der Wissenschaft und der Literatur mehr als einem Fachgebiet an. ..Weltweisheit" und Judentum sind die Mittelpunkte seines Werkes, das in imposanter Universalität alle Strömungen seiner Zeit repräsentiert. Von diesem Werk gibt es keine modernen Anforderungen genügende Gesamtausgabe. Die von G. B. Mendelssohn veranstaltete liegt mehr als SO Jahre zurück und ist längst vergriffen. Das Jubiläum von 1929 bot Anlaß zu einer neuen, den heutigen Anforderungen der Forschung genügenden Ausgabe. Es ist gelungen, durch Nachforschungen in öffentlichen und privaten Bibliotheken und Archiven reiches neues Material: Aufsätze und Entwürfe, Fragmente, Gedichte, Stammbucheintragungen, Anmerkungen zj fremden Werken und insbesondere bisher unbekannte Briefe zu Tage zu fördern. Dvc Ausgabe zerfällt in einen deutschen und einen hebräischen Teil. Dieser bringt zum ersten Male eine vollständige Sammlung der hebräischen Schriften und der in deutscher Sprache, aber hebräischer Schrift geschriebenen. Der deutsche Teil enthält die philosophischen und ästhetischen Schriften, die Rezensionen und literarkritischen Abhandlungen, die Judaica und den Briefwechsel, den jüdischen und hebräischen in Uebertragung. Dem einzelnen Werk oder einem Komplex zusammengehöriger Schriften wird eine Einleitung vorausgeschickt. Dem Text folgt der kritische Apparat, mit Aufzählung und Beschreibung aller in Betracht kommenden Drucke und Handschriften. Die Anmerkungen enthalten alles zum Verständnis der Werke und Briefe Notwendige nebst Hinweisen auf die Ouellen. Ergänzungsbände sollen das Sach-, Personen- und Buchtitelregister, eine Biographie und Würdigung Mendelssohns sowie das Bilder- und Urkundenmaterial bringen. Die Ausgabe wird aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß und mit Unterstützung des Hauses Mendelssohns & Co. veranstaltet. Herausgeber sind Professor Ismar Elbogen, Prof. Julius Guttmann und Prof. Eugen Mittwoch in Gemeinschaft m't Dr. F. Bamberger, Dr. H. Borodianski, Dr. S. Rawidowiez. Dr. B. Strauß und Dr. L. Strauß. Die organisatorische Durchführung liegt in Händen eines Mendelssohn-Komitees unter Vorsitz von Professor Moritz Sobernheim. Der Akademie- Verlag gibt dem Werke eine gediegene und würdige Ausstattung. Die Ausgabe umfaßt sechzehn Bände. Drei Bände erscheinen am Jubiläumstage (zwei deutsche und ein hebräischer), dann drei weitere Bände jährlich. Der voraussichtliche Umfang des Ganzen ist 500 Bogen in Großoktav. Die Subskription ist eröffnet. .... - , Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa". Frankfurt am Main. Das Wintersemester an der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" beginnt am 4. November. Anmeldungen für alle drei Abteilungen (Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Die Lehranstalt verfolgt folgenden Zweck: 1. schulentlassenen Jünglingen auf traditionell gesetzestreuer Grundlage Fortbildungsunterricht in den jüdischen Religionswissenschaften zu erteilen: 2. junge Leute, die sich dem Berufe eines Rabbiners, Religionslehrers oder Kultusbeamten widmen wollen, durch Studium des biblisch-talmudischen Schrifttums für ihren Lebensberuf vorzubereiten. Der Unterricht erstreckt sich auf Bibel, hebräische Grammatik. Talmud mit Kommentaren und Schulchan Aruch. Den Schülern wird eventuell Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter fachgemäßer Leitung fortzubilden. Anmeldungen sind zu richten an den Leiter, Herrn Rabbiner Dr. Jakob H o f fm a n n, Frankfurt am Main, Rönneplatz 16, welcher zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Wecbet slbcnnenknjüzDk Wakckat! ■''llllllIillliliBJMIIIillllilil

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