Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 DIE WAHRHEIT IJmWocheza IDxke Das Ende der deutschen Nationalsozialisten. Dar Führer der Deutschnationalen. Geheimrat H u g e nb e r g, hat an den Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, ein Ultimatum gerichtet, mit der Forderung. Hitler möge die wirtschaftsfeindliche Propaganda, die ein Teil der Nationalsozialisten bisher betrieben habe, einstellen und sich mit seiner Partei den Deutschnationalen völlig unterordnen. Andernfalls wird ihm die Entziehung der Subvention angedroht. Diese Aktion wurde unterstützt durch einen persönlichen Brief des Geheimrates Kirdorff an Hitler, in dem dieser den Führer der Nationalsozialisten auffordert, die sozialistischen und antikapitalistischen Tendenzen in seiner Partei zu unterdrücken, da diese nicht geeignet für die Eingliederung in die Hugenberg-Front seien. Hitler hat aus pekuniären Rücksichten nachgegeben,, nachdem er vergeblich darauf hingewiesen hatte, daß es gerade im Interesse der Wirtschaft liege, wenn er seine Anhänger aucn weiterbin durch radikale Propaganda bei der Stange halte. In den nächsten Tagen findet eine Zusammenkunft zwischen Hilgenberg und Hitler in Bad Kissingen statt, bei der der neue Pakt bereits unterzeichnet werden wird. 2. Kenessio Gedaulo. Vom 10. bis 17. September findet in den Wiener Softensäien der 2. Weltkongreß der Agudas Jisroel statt. Das überaus große Interesse für diese Tagung zeigt sich in den massenhaft einlaufenden Ansuchen um Gastkarten, die sowohl aus dem Auslande, als auch von Oesterreich kommen. Zufolge Entgegenkommens der Kongreßleitung wollen wir unseren Mitgliedern, die zum großen Teile bestimmt Zeuge dieses großen historisch-kulturellen Ereignisses sein wollen, Gelegenheit geben, Gastkarten zu erhalten, die womöglich auf günstige Plätze lauten. Hierzu wäre es nötig, daß sie uns möglichst bald mitteilen, auf welche Anzahl von Plätzen sie reflektieren, da wir befürchten müssen, daß diese in kürzester Zeit vergriffen sein werden. Gastkarten, die bis 31. August bezogen sind, werden berechnet mit 15 Schilling, von da ab mit 20 Schilling. Es gibt nur einheitliche Sitzkategorien. Sekretariat der „Union deutschösterreichischer Juden", Wien IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77. Oberkantor Jura aus Zagreb in Subotica engagiert. Es wird uns mitgeteilt, daß Herr Oberkantor Ferdinand Jura, der bereits zu den Pfingstfeiertagen als Gast bei der Kultusgemeinde in Subotica durch seinen prachtvollen Vortrag und mit seiner phänomenalen Baritonstimme, sowie durch seine entzückenden altjüdischen Melodien (Chasones) wahren Beifall erntete, trotz der ihm angebotenen Stellen in anderen Großgemeinden im Auslande, den ihm von der Suboticaer Kuitusgemeinde eingesandten Vertrag unterzeichnete. Goldene Hochzeit Am 5. August feierte Herr Hermann Löwy mit seiner Gattin Charlotte, geb. Maritzek. im engsten Familienkreise das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Das beliebte Ehepaar war aus diesem freudigen Anlasse Gegenstand herzlicher Gratulationen. Die G emeinde Wien war durch Herrn Stadtrat L i n d n e r vertreten, die im Namen des Bürgermeisters dem Jubelpaare eine schöne Gedenkschrift nebst Spende überreichte. — Der Vorstand des Vereines „Nächstenliebe" besitzt in Herrn Hermann Löwy seit vier Dezennien einen Kassier, der ganz selbstlos mit Hingebung und rastlosem Eifer die Ziele des Vereines fördert. Der Dankbarkeit für diese wahrhaft rühmenswerte Fähigkeit gab das Präsidium des Vereines auch bei diesem schönen Anlasse in warmempfundenen Worten Ausdruck. Dr. Gerson erhält ein Sanatorium. Dr. Max Gerson, der so lange verkannte und auch antisemitisch verfolgte Bielefelder Arzt, der die wunderwirkende Diät für Tuberkulosekranke erfunden und erprobt hat. erhält, wie aus Kassel gemeldet wird, in Wilhelmshöhe ein eigenes Sanatorium zur Weiterführung seiner Forschungsarbeiten. Die Vorverhandlungen über die Einrichtung des „Dr.-Gerson-Diät-Sanatoriums" sind ' zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Ein amerikanischer Philanthrop und einige Philanthropen aus Deutschland, sowie die Stadt Kassel haben es übernommen, das Institut finanziell sicherzustellen. Dr. Gerson hat die Uebernahme der geschäftlichen Leitung ausgeschlagen; er wünscht, ganz der Behandlung seiner Patienten und ambulanten Gäste dienen zu dürfen. Nach dem Vertrag wird in Kassel zur Erhaltung des Gerson-Sanatoriums eine Aktien-Gesellschaft mit einem Kapital von 900.000 Mark gegründet. Bernhard Baron gestorben. Am 2. August ist nach kurzer Krankheit in London Herr Bernhard Ba«ron, der große jüdische Philanthrop, im Alter von 78 Jahren gestorben. Bernhard Baron war 1850 in Rostow am Don geboren. Er arbeitete später in Amerika als Zigarettenarbeiter in der gleichen Werkstatt mit dem späteren Führer der amerikanischen Gewerkschaften Samuel Gompers, erfand eine ZigarettenJabrikationsmaschine und erwarb später die große englische Zigarettenfabrik Carreras Ltd. Einer der reichsten Männer Englands geworden, blieb er dem Arbeiterstande treu. Enge Freundschaft verband ihn mit den Führern der englischen Arbeiterschaft Macdonald und Henderson. Seine Berufung ins Herrenhaus wurde erwartet. Er wendete Riesenbeträge der allgemeinen und der jüdischen Fürsorge zu. Seine Stiftungen belaufen sich auf weit mehr als eine Million Pfund. nQgicnisdies KÖlliÖSliCM Seit vielen Jahren das anerkannt beste tKrt-naw Man achte auf die ges. gesch. Marke ,Hyglen. Königslicht* und Name Schulz Fabrik und Büro- Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon P 33-1-87 Den aligemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, bringe ich unter der Bezeichnung „Hygienisches Königs Ii cht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger stellt als das bisherige Nummer 1. Bei dieser Gelegenheit wird vor Fälschungen und Nachahmungen gewarnt. Emanuel Schulz.