Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite! 2 titägallllllia^^ tDaktJwtmrvm%& Riesendemonstrationen in Jerusalem. Am Tischo b*Aw kam es in der Nacht zu Riesendemonstrationen in Jerusalem. Die allgemeine Spannung, in der Palästina lebt, wurde durch Gerüchte von einem geplanten Judenaufstand gesteigert, so daß man sämtliche Polizeikräfte in Jerusalem konzentrierte. Tatsächlich kamen die Juden aus ganz Palästina in großen Mengen nach Jerusalem, vom Abend bis 3 Uhr morgens dauerte der Zug zur Tempelmauer. Die Demonstranten hatten einen umfassenden Ordnungsdienst organisiert, so daß sich keine Zwischenfälle ereigneten. Die Demonstration richtete sich gegen den Klagemauer- Skandal und die Entlassung der Beamten der Palästina-Verwaltung sowie gegen die Einschränkung der jüdischen Einwanderung. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der das englische Parlament um Entsendung einer Kommission zur Untersuchung der Lage in Palästina gebeten wird. Auch in Tel- A w i w fand eine Riesenkundgebung statt, an der 10.000 Personen teilnahmen. Das Recht der Juden an der Klagemauer. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte der Großmufti von Jerusalem, der gleichzeitig Präsident des Obersten Rates der Moslemiten Palästinas ist, das Recht der Juden an der Klagemauer beschränke sich darauf, an dieser Stelle Gebete zu verrichten; das gesamte Territorium aber gehöre den Moslemiten, die im Besitze von Dokumenten sind, die ihren Anspruch bekräftigen. Die gegenwärtig von den Moslemiten an der Klagemauer vorgenommenen Bauarbeiten, fügte der Großmufti hinzu, haben einzig und allein den Zweck, die Rechte der Moslemiten auf die Mauer zu unterstreichen. Die Juden müssen den Status quo respektieren. Ueber seine Meinung hinsichtlich der Gerüchte wegen der geplanten Bildung einer Arab Agency in Palästina, analog der Jewish Agency, befragt, erklärte der Großmufti, die Araber lehnen eine Arab Agency aus dem Grunde ab, weil sie glauben, daß die Regierung in ihrer Arbeit gehemmt werden würde, wenn sie immer auf die Meinungen und Forderungen zweier auseinanderstrebenden Körperschaften Rücksicht nehmen müßte. „Reinlichkeitsgefühl." In der letzten Nummer der „Jüdischen Volkszeitung", des Organes der „Vereinigung werktätiger Juden", wird eine Angelegenheit behandelt, auf die wir bisher, da sie ihre Erledigung in einer vertraulichen Sitzung des Wiener Kultusvorstandes fand, nicht näher eingegangen sind. Nun, da diese abscheuliche Sache im Organ der „Vereinigung werktätiger Juden", also jener Partei, auf deren Liste Mendel Singer seinerzeit in den Kultusvorstand kandidierte, besprochen wird, stehen wir nicht an, sie auch unseren Lesern mitzuteilen, u. zw. der Pikanterie halber nach dem genauen Wortlaute des Berichtes der „Jüdischen Volkszeitung": In der ersten Sitzung des Kultusvorstandes, in der Herr Mendel Singer im Rahmen der Budgetdebatte seine Jungfernrede absolvierte, die übrigens bei Freund und Feind enttäuschte und im allgemeinen einen kläglichen Eindruck hervorrief, m^^—^mmikmmmäk^mtmmk Die WArlRHEÜ beschuldigte Singer kurzerhand die Aguda, daß sie eine Subvention der Kultusgemeinde für Sanierungszwecke eines insolvent gewordenen Kaufmannes ihrer Richtung verwendet habe. Wolf Pappenheim, der greise Wortführer der Aguda, von dem es bekannt ist, daß er sich allgemein der aufrichtigsten Wertschätzung erfreut, replizierte sofort, an das Präsidium gewendet, und ersuchte um Einleitung einer zu beschleunigenden Untersuchung, um die von Singer vorgebrachten Beschuldigungen möglichst rasch zu überprüfen. Und Singer erbat sich damals (vor ungefähr vier Monaten!) eine achttägige Frist, zwecks Vorlage seiner Beweise. In der Sitzung des Kultusvorstandes, die vor Beginn der Sommerferien stattgefunden hat, wurden Singer, im Zusammenhang mit der von ihm vorgebrachten Beschuldigung, für die er die feierlichst versprochenen Beweise natürlich bis zum heutigen Tage noch immer nicht erbracht hat, Worte zugeschleudert, und zwar von verschiedenen Leuten und verschiedenen Seiten, wie sie in diesem Saal wohl kaum noch einem Mitglied des Vorstandes zugerufen worden sind. „Lügnerischer Verleumder!" und „Verleumderischer Lügner!", das war aus dem Chaos der erregten Stimmung deutlich herauszuhören. Singer hat all diese Zurufe nach schüchternen, in Anbetracht der Sachlage aber ganz sinn- und zwecklosen Abwehrversuchen schweigend eingesteckt. Es blieb ihm auch nichts anderes übrig. Vielleicht erinnerte er sich an einen Satz in einem Zeitungsartikel, mit dem Herr Mendel Singer vermutlich persönlich gar nichts zu tun hatte, da er ja mit gewohnter und bei ihm selbstverständlicher Wahrheitsliebe die Autorschaft an diesem Artikel vor Gericht lebhaft in Abrede gestellt hatte, an einen Satz, der die Stimmung eines großen, ja überwiegenden Teiles des Kultusvorstandes an jenem Sitzungsabend vortrefflich wiedergab: „Das Reinlichkeitsgefühl allein gebietet schon, mit diesem Herrnkeine gemeinsame Sache zu machen!" (Es handelt sich hier um einen Satz aus einem Zeitungsartikel des von Mendel Singer, dem Sekretär der organisierten Ratenhändler, verantwortlich redigierten Organes dieses Verbandes. Vor Gericht zitiert, erklärte Singer prompt, „den Artikel weder verfaßt, noch in Kenntnis seines Inhaltes zum Druck befördert zu haben". Das Fazit war — 50 S Geldstrafe.) Herzl-Konjunktur. Bei den Zionisten aller Welt ist jetzt anläßlich der vor kurzem erfolgten 25. Wiederkehr seines Todestages große Herzl-Konjunktur. Alle wollen Herzl persönlich gekannt, ihn gesprochen und mit ihm korrespondiert haben und kramen diese ihre Erinnerungen an Herzl jetzt aus, da 25 Jahre schon einiges in Vergessenheit geraten ließen. Einen besonders drastischen Fall behandelt die „Bukowinaer Volkszeitung" vom 9. August 1929 wie folgt: „Theodor Herzl ist tot. Er kann das, was über ihn geschrieben wird, nicht berichtigen. Und so melden sich allerhand Personen, die sich Zeitgenossen von Herzl4 nennen und rühmen sich, ,. . . zu ihm in Beziehungen gestanden zu sein'. Auch .unser' Herr Doktor Mayer Ebner, dessen nimmersatte Eitelkeit ihn oft zu Geschmacklosigkeit verleitet, schrieb jüngst aus Anlaß des 25. Todestages Herzls — .persönliche Erinnerungen'. Mayer Ebner behauptet, Theodor Herzl zweimal gesehen, einmal gesprochen und einige Briefe mit ihm gewechselt zu haben. Gesprochen hat er mit Theodor Herzl im September 1897. nach dem ersten Zionistenkongresse. Dr. Mayer Ebner schreibt am 28. Juli 1929 in der .Ostjüdischen Zeitung': ,1m September 1897