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Die Wahrheit · 1929-08-23 · Heft 34 (23.8.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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zubringen. In Oesterreich würde ihm zunächst die Aufgabe erwachsen; die Kämpfer auseinanderzubringen. * * * Theodor Fritsch, dieser auch von unseren Hakenkreuzlern hochverehrte Führer im Kampfe gegen das Judentum, gibt von Zeit zu Zeit in seinem „Hammer" unteF dem Pseudonym „Fritz Thor" seine Ansichten über das Christentum zum Besten. In der letzten Nummer verkündet er z. B. unter anderem folgende Sätze: „ . . . Und nun erst die Kirche! Sie lehrt ja allgemeine Menschenliebe; ja sie lehrt: „Liebet eure Feinde." Ein sonderbares Wort, das außer dem Deutschen niemand in der Welt ernst nimmt. Anderen Nationen ist das Leben eine kluge Komödie — auch die Religion. Ziel und Wesen der Religion sollte sein, den Menschen sittlich zu heben und ihm Ehrfurcht vor dem unerforschlichen Mächten zu erwecken, anstatt dessen lehrt die Kirche eine knechtische Scheu vor einem Aftergott. Sie lehrte einen Dämon anbeten, der nichts mit dein wahren Gott zu tun hat." Herr Fritsch hat, wie erwähnt, sehr treffend sich das Pseudonym Fritz Thor für seine antichristlichen Expektorationen gewählt. Wie soll man aber die mitunter sogar eine Soutane tragenden Freunde des Hakenkreuzlertums nennen, die die Geschäfte eines Fritsch fördern? * * * Der ungarische Wohlfahrtsminister Prälat Vaß, der zwar im Kabinett Bethlen sitzt, aber, wie es einem Priester geziemt, noch nie öffentlich ein Wort gesprochen, das ein Philosemit nicht unterschreiben dürfte. Wurde anläßlich seines Ministerjutiläums von Christen und Juden gefeiert. Der Prälat pflegt auch den Ministerpräsidenten zu vertreten. Schade, daß dies nicht auch umgekehrt der Fall ist. Bethlen erinnert nie an-Vaß. Ego. Geschichte des Volkes Israel. Von Rudolf Kittel, Professor in Leipzig. 3. Band. Die Zeit der Wegführung nach Babel und die Aufrichtung der neuen Gemeinde. 2. Hälfte. L und II. Auflage, Stuttgart 1929, Verlag von W. Kohtbammer. Als ein zeitgemäßes, wenn auch vom Autor keinesfalls beabsichtigtes historisches Analogon zum begonnenen Wiederaufbau Palästinas darf Kittels gediegenes Buch über die Heimkehr der babylonischen Exulanten bezeichnet werden. Nicht weniger als 462 Großoktavseiten sind der Schilderung dieser bedeutsamen Epoche gewidmet worden. MU jener Akribie, die diesen (nichtjüdischen) Meister der jüdischen Geschichte auszeichnet, wurden die darauf Bezug nehmendem Bücher der heiligen Schrift: Daniel, Esra, Nehemia, sowie die Werke der letzten Propheten durchgepflügt, um manches von anderen Forschern Uebersehene, Wenigbeachtete oder Falschbeurteilte ausfindig zu machen. Kittel unternimmt es aber: auch, ohne jede Tendenz, aber in erfreulicher Objektivität jene Gelehrten zu widerlegen, die an die Authenzität der biblischen Berichte ihre Zweifel ansetzen und diese so gerne als „Fälschungen" erklären möchten. Er prägt hinsichtlich der im Buche Esra enthaltenen Edikte ds Kyros und Darius den schwerwiegenden Satz: „Es ist, im Grunde lediglich eine weltfremde und rein theoreösche Betrachtungsweise, welche die Echtheit in Frage stellt." (S., 310) Mit der gleichen Unbeirrtheit tritt er an der Hand eingehender BeweisSiihningen für die Originalität der m Nehemia (K. 7) angeführten liste der Rückwanderer euv indem er zum Schlüsse meint: „Hiermit ist der Beweis für ein verhältnismäßig hohes Alter von Nehemia 7 und damit eine wesentliche Stütze für die Glaubwürdigkeit der Nachricht gewonnen, daß Nehemia die. Liste wirklich gefunden habe, wie Nehemia 7, 5. aussagt." Vom Boden der: Bejahrung deT in der Bibel enthaltenen Dokumente ausgehend, versucht nunmehr Kittel, das Leben der auf dem heiligen Boden n e u e r s t a u d e n e n Gemeinde zu schildern. Eine Fülle interessanter Anschauungen wird hier vom Verfasser vorgebracht, der es auch nicht unterläßt, gegen die negierenden Kritiker den Pfeil abzudrücken: „Dafür ereifern sie sich desto kräftiger, wenn jemand den vermessenen Gedanken ausspricht, es könnten schon damals Gedanken in Israel lebendig gewesen sein, die an ein Fortleben nach dem Tode in der Gemeinschaft mit Gott anklangen." (S. 373.) Eine lange Reihe überaus sorgfältig durchgeführter umfangreicher und kleinerer Abhandlungen schließt sich hieran, so über Verfassung und Organisation, Kultuspersonen, Neueinrichtung des gottesdienstlichen Lebens, Wünsche der Samarier, starke Strömungen für politische Lösung. Die Gestalt Esras tritt, liebevoll gezeichnet, plastisch hervor. Von ihm schreibt Kittel: „Seine virtuose Kunst, die Gemüter der Menschen zu durchschauen und zu leiten, erreicht nun ihren Höhepunkt. Ihm ist die Menge, nachdem er sie nun etliche Monate fasziniert hat, ein Instrument, das er spielen kann, genau wie er es für richtig hält — wie eine Harfe dem Meister, der sie regieren kann, alle Töne und Akkorde hergibt, die er von ihr heischt." (S. 595.) Mit diesem Urteil lehnt er Boussets Vermutung ab, daß „Esra nur eine spätere, der Gestalt des Nehemia nachgezeichnete Figur spezifisch gesetzlicher Tendenz sei." (S. 585.). Ueber den Zusammenbruch des von Alexander dem Großen niedergeworfenen Perserreiches hinweg führt schließlich der Autor den Leser bis zur Schwelle des Hellenismus, wobei er sich mit der „religiösen Lyrik" und der „Jüdischen Wahrheitslehre" eingehend befaßt. Dürfen alle diese Teile, die selbstverständlich auf. dem Fachmanne nicht unbekannte Forschungen der Vorgänger, wenn auch souverän. Bezug nehmen, als vorzüglich gelten, um so mehr die Darstellung der außerisraelitischen Kulturen und Religionen (Parsismus) und deren Verhältnis zum Judentume. Hier ist wissenschaftliches Neuland, dessen Bearbeitung wohl seinerzeit von Alexander Kohut unternommen wurde und von I. Scheftelowitz, wenn auch unabhängig von ersterem, fortgesetzt wird, das aber noch immer reiche Ausbeute für die Lösung vieler Probleme zu bieten vermag. Kittels Buch über die Rückkehr der babylonischen Exulanten erweist sich so als ein erstklassiges Werk, das auch in der Mitte des Judentums, dessen Vergangenheit es vorurteilslos, wohlwollend behandelt, seine volle Würdigung finden mag. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Zur ersten Ausreise der „Bremen". Vorbildliche Einrichtungen für jüdische Reisende. Von Rabbiner Dr. Felix Aber- Bremen. Es besteht aller Anlaß, die erste Ausreise des Riesenschiffes des Norddeutschen Lloyds, des größten Dampfers der deutschen Handelsflotte, der „Bremen" auch in jüdischen Blättern zu würdigen. Bei allem Zuge ins Gigantische ist beim Bau und der Inneneinteilung und -einrichtung dieses Dampfers Kleinarbeit mit unbeschreiblicher Präzision geleistet und allen berechtigten Sonderbedürfnissen ist weitgehend Rechnung getragen. Den jüdischen Leser wird es an dieser Stelle interessieren zu erfahren, in welch vorbildlicher Weise für die rituelle Verpflegung Sorge getragen wurde. Hier handelt es sich nicht etwa um eine Neueinrichtung, sondern um Anknüpfung an eine fast fünfundzwanzigjährige Tradition. Als im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts der Strom der Auswanderer infolge der Pogrome im Osten von den Hansestädten aus,. insbesondere von Bremen, nach Amerika flutete, und die Notwendigkeit sich ergab, die durch Not und Elend ausgemergelten, heimatlosen Glaubensbrüder durch eine zuverlässige koschere Verpflegung gegen die Strapazen der Seereise widerstandsfähig zu machen,

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