Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mmmmsma Seite S scher Seite besteht die Absicht, in' die Exekutive einige amerikanische Fachleute zu delegieren, die nach Palästina zu übersiedeln hätten. Gewählt wurde als Präsident der Exekutive Professor W e i z m a n n. Weizmann überreichte Louis Marshall im Namen der zionistischen Organisation zum Dank für seine Tätigkeit im Dienste des Palästinawerkes ein Bildwerk über Palästina. Zum Präsidenten der Administrative wurde der Nichtzionist Felix Warbarg (New York) gewählt. Er versprach, sich für tatkräftige Arbeit einzusetzen. Annahme des Verfassungsentwurfes. Vorher hatte die Versammlung den Verfassungsentwurf angenommen, so daß am 14. d., um 4 Uhr 25 Minuten Präsident Weizmann im Namen der gemischten Kommission mit einer goldenen Feder die Unterschrift unter den Vertrag setzen konnte, der dann auch von je einem nichtzionistischen Delegierten jedes Landes unterzeichnet wurde. Der gemeinsame Gesang der Hatikwah schloß die denkwürdige Tagung. (Gehört der Gesang dieser zionistischen Bundeshymne durch Nichtzionisten schon zur Förderung der hebräischen Sprache, die der Zionistenkongreß gefordert hat?) * * * * Die nichtzionistischen Führer der Agency. In der erweiterten Jewish Agency finden wir in erster Reihe den 84jährigen Ehrenpräsidenten, Baron Edmund de Rothschild, „den ersten „Chaluz" unter den Rothschilds und den anderen jüdischen Millionären, die sich am Wiederaufbauwerk Palästinas beteiligen". Baron Rothschild gebührt der größte Anteil an der praktischen Verwirklichung der Chowewe Zion-Bewegung. Die Schaffung der ersten jüdischen Siedlungen war sein Beruf und sein Lebenszweck. Die Krönung seines Werkes bildet die Gründung der PJCA (Palestine Jewish Colonisation Association), die im März 1924 die Ermächtigung erhielt, in Palästina landwirtschaftliche und industrielle Siedlungen zu errichten, Straßen, Trams, Häfen zu bauen und die Einwanderung derjenigen Personen zu fördern, die auf den Besitzungen der PJCA beschäftigt werden sollen. Es ist uns eine Beruhigung, an der Spitze der Jewish Agency einen Mann zu wissen, der — wie Marshall vor Jahren sagte — „die Vision eines Propheten in Israel gehabt hat und lange genug leben konnte, um seinen Traum in gloriose Wirklichkeit verwandelt zu sehen". Neben Prof. Dr. Chaim Weizmann wird LouisMarshall, unbestreitbar die stärkste Persönlichkeit der amerikanischen Judenheit, der Jewish Agency als zweiter Präsident vorstehen. „Louis Marshall — schrieb anläßlich seines 70. Geburtstages vor drei Jahren Henry Sliosburg — ist eine Exilarch des amerikanischen Judentums, inoffiziell zwar, doch von allen anerkannt. Er ist ganz vom Bewußtsein des Judentums durchdrungen und daher spürt er alles, was jüdisch ist, mit der größten Empfindlichkeit . . . Die Rolle von Marshall in der Entwicklung des sozialen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens der Juden in den Vereinigten Staaten ist ungeheuer. Trotz der sozusagen demokratischen III ÖSTERREICHS GRBSSTE PHOTOFIRMA ||||| PHOTO WEITZMANN WIEN II., PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 UND ZAHLREICHE FILIALEN Achtung!„Union Mitglieder und Freunde! Die 6. Praterzusammenkunft findet 2)(mHecstag.,29.AuQ., 8 ilhc xdends bei jeder Witterung im /. JCaffeeAaus [Jtcatec Xauptaitee) statt. Bitte, Termin in Vormerkung nehmen! Die Vereinsleitung ersucht um recht zahlreiches Erscheinen. fi Bestrebungen, die im jüdischen Leben, wie überall, leider allzu leicht in Demagogie ausarten, ist die Herrschaft Louis Marshalls von allen anerkannt, man unterwirft sich ihr gern und das ist der beste Beweis für seine aufrichtige Ergebenheit gegenüber seinem Volke, in dessen Dienst er das ganze Talent gestellt hat das ihn erlaubt, die Stellung zu erlangen, die er in den Vereinigten Staaten inne hat." Von gleicher Bedeutung ist die Persönlichkeit des Präsidenten der Administrative, F e 1 i x M. W a r b u r g. Er ist nicht nur der bedeutende Wirtschaftsführer Amerikas, sondern auch einer der hervorragendsten Juden der Jetztzeit. Insbesondere ist sein Wert als Mitchef des Bankhauses Khun, Loeb & Co., mit dem die internationale Handels- und Finanzwelt rechnen muß, für das palästinensische Aufbauwerk auch nicht zu unterschätzen. * * * Wise und Weizmann. Eine treffende Charakterisierung dieser beiden hervorstechenden Männer des Zionistenkongresses, zugleich aber auch eine Bestätigung der von den Zionisten immer wieder geleugneten Assimilation der Juden bietet folgende Betrachtung der „Neuen Zürcher Zeitung": Die Zionisten sind weder mit den Soziologen noch mit den Sozialisten vergleichbar, die sich in Zürich trafen. Sie sind keine Berufsschicht, keine Partei (im gewöhnlichen Sinne des Wortes), und sie sind eben überhaupt keine einheitliche Gruppe. Sie sind gerade umgekehrt wohl die vielfältigste Gemeinschaft, die denkbar ist. Sie sind ein Volk, ein ganzes Volk von unten bis oben, mit Vertretern sämtlicher Spielarten von Menschen, die es auch in andern Völkern gibt — vielleicht ein paar mehr Nervösen, Autgeregten, Hysterikern, deren kranke Ruhelosigkeit ja ihre Gründe nicht zu verstecken braucht. Noch mehr: sie sind viele Völker in einem Volke. Ob sie die Assimilation leugnen, bekämpfen oder verspotten. Die Natur läßt sich nicht spotten, und die Assimilation ist einfach eine soziologische und wahrscheinlich sogar biologische Tatsache. Nur ist sie naturgemäß verschieden weit fortgeschritten, nicht überall gleich rasch durchgedrungen. Dieser amerikanische Reformrabbiner ist Amerikaner und Reverend zuerst, dann ist er liberaler Reformer, und man sieht ihm den ^Aufkläricht!* des achtzehnten Jahrhunderts von weitem an. Seine Predigten müssen so etwas sein wie Häckels „Welträtsel" mit italienischer Musik. Der Ruhm in seiner amerikanischen Gemeinde ist ihm zu eng geworden. Dieser Mann mit dem pathetischen Tremolo stößt nun auf den Füh/er. Auch er hat viele mit dem Charme seiner