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Die Wahrheit · 1929-08-23 · Heft 34 (23.8.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 führende Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur H a n t k e, der Erfolg des Keren Hajessod sei darauf zurückzuführen, daß er einen neutralen Charakter erhielt, daß 125.000 Keren Hajessod- Zahler vorhanden sind, die nicht der zionistischen Bewegung angehören. „Der Keren Hajessod wurde so der erste Meilenstein auf dem Wege zur jüdisch-politischen Neutralisierung der Palästina-Arbeit und zur aktiven Heranziehung der Nichtzionisten." Mit anderen Worten heißt das aber doch, daß, ohne die Mitarbeit der jüdischen Nichtzionisten, der Zionismus, welchen Dr. Hantke „eine im siegreichen Kampf stehende Gruppe" nennt, auch nicht einmal das erreicht hätte, was bisher in der Tat in Palästina verwirklicht werden konnte. Und jetzt soll nun die Jewish Agency, von der Dr. Hantke richtig sagt, daß die Verhandlungen über ihre Bildung „die Existenz des Keren Hajessod und seinen Aufbau in der Zukunft zur Voraussetzung" hatten, weitere Hilfe bringe«. Jetzt setzt der Zionismus praktisch seine Hoffnungen auf die materiellen Mittel der amerikanischen Juden, die aber nur dadurch zu einem so wichtigen Faktor im jüdischen Leben geworden sind, daß sich im Laufe der dreißig Jahre, in welchen nach Palästina kaum 80.000 Juden kamen, gcavaltige Mengen russischer Juden nach Amerika wandten, dort zum Teil ein hohes soziales Niveau erklommen und es darum betrachtet haben, daß die Vereinigten Staaten im Laufe von 30 Jahren die Zahl ihrer Juden vervierfachten (von einer Million auf mehr als vier Millionen). Diese, vom zionistischen Standpunkt aus, national-nutzlose Auswanderung nach den Vereinigten Staaten, bildet also jetzt nach den eigenen Zugeständnissen der Führer des Zionismus die einzige Chance, durch welche das Werk des Zionismus noch weitergeführt werden könnte." Eine weitere Bestätigung dieser vom politischideologischen Zionismus stark abweichenden Tendenz zum philanthropisch-kommerziellen Standpunkt finden wir in einem Leitartikel des Wiener „T a g" vom 17. d. M. Nach einer Schilderung des bisherigen Weges gelangt der Autor zu folgenden Feststellungen : ..Neben dem Zuströmen unerwünschter Spckulationselemente. neben der schwankenden Haltung der englischen Behörden gab es einen Punkt, der das ganze Werk erschwerte und verzögerte: den Geldmangel. Die zionistische Exe- Fasttage nicht mitmachen darfst. Ich erzähle es dem Pfarrer, du kommst in die Hölle." „Rede mir nur nichts vor. Für's Nichtessen kann der liebe Gott nicht strafen." „So. Dann mag der Junge auch einmal einen ganzen Tag lang nicht •essen. Gott wird ahn dafür nicht strafen." „Aber weh tut es!" schrie Jaga mit Tränen in der Stimme. „Ein so kleiner Knabe kann nicht vierundzwanzig Stunden ohne Nahrung aushalten." „Das kann er ganz gut. Du verhätschelst mir die Kinder immerzu. Wenn sie etwas angerichtet haben und ich will sie strafen, versteckst du sie unter deiner breiten Schürze: wenn ich einmal ein Rute flechte, um einem dieser kleinn Missetäter eine Züchtigung anzudrohen, wirfst du sie ins Feuer ..." „Und du' quälst mir die Jungen den ganzen Tag mit Lernen. Jetzt fängst du auch schon mit dem kleinen Mädel an. Immerzu lernen und lernen*. Im Winter muß der arme Knabe schon vor Tage aufstehen und den ganzen Tag über diesen großen dicken Büchern sitzen. Ich weiß nicht, wozu der liebe Gotc so viele dicke Bücher erschaffen hat." „Der Knabe gedeiht trotzdem ganz wohl." „Gott sei Dank, ich passe schon auf . . . aber nun gehst du hinein und sagst dem Kinde, daß das Fasten augenblicklich ein Ende hat." „Das tu' ich nicht, Jaga." „Du willst mir also nicht gehorchen. Hast du schon vergessen, daß ich dich auf den Armen getragen habe?" „Willst du mich vielleicht jetzt wieder auf den Arm nehmen, Jaga?" Ich merkte schon, daß Jaga eine verlorene Sache verteidigte: wenn den Vater aufbrauste, zornig wurde und mit der Faust auf den Tisch schlug, so gab er am Ende immer nach. Wenn er aber ruhig war und Witze machte, dann blieb er unbeugsam. kutive wollte rasch aufbauen, um ein Fait accompli zu schaffen, aber die reichen Juden der Welt, besonders die amerikanischen, gaben nur zögernd, weil die Wirtschafts- und Sozialformen des Aufbaues nicht immer ihren Idealen und Vorstellungen entsprachen. Jung-Juda wollte in Palästina eine neue Sozial- und Kulturwelt errichten, die schließlich zum neuen Staate werden würde, die jüdische Plutokratie (nicht nur diese, R e d. d. „W a h r h e i t") aber stellt sich die Ansiedlung als eine humanitäre, aber auch kommerziell rentable Angelegenheit für arme und vertriebene Juden vor. Dieser Gegensatz zieht sich in den letzten Jahren durch die ganze zionistische Historie. Diese zwei Auffassungen und ihre Geschichte zu schildern, ist hier nicht der Platz. Tatsache ist, daß nach viel jährigem Kampfe die Geldbedürinisse den Sieg über die romantische Ideologie davongetragen haben. Unterstützt allerdings von der Mandatsbestinimung, die als eine alljüdische, nicht bloß zionistische, Vertretung, zur „Verwaltung Palästinas in wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten'4 interpretiert werden kann. Und nicht zuletzt vom Glauben, daß die Tatsache einer geeinten Weltjudenschaft, die nun als Jewish Agency hinter der Palästina-Idee steht, das endliche Ins-Leben-Treten der jüdischen Heimstätte beschleunigen wird. Niemand kann heute schon sagen, wie die neue Organisation sich auswirken wird. Gewiß, es werden große Geldmittel flüssig werden, aber ebenso gewiß wird ihre Verwendung großen Bindungen unterliegen. Der romantischen und nationalen Staatsidee wird überall die philanthropisch-kommerzielle entgegentreten. Die Kämpfe der nächsten Jahre in und für Neupalästina werden auf diese Weise ein mehr als spannendes Kapitel der Weltgeschichte bilden." Der Artikel des „Tag" spricht schließlich die Hoffnung aus, „daß die Geldleute in der Agency lernen, ... die großen Ideen der anderen zu unterstützen und zu verwirklichen." Ob dies bei dem hier aufgezeigten starken Gegensatz der Anschauungen möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Immerhin glauben wir, heute bewiesen zu haben, daß die Philanthropie der Nichtzionisten kein so verwerflich Ding ist, daß sie oft eher zum siegreichen Ende führt, als die leidige Politik der Zionisten. _ „Ißt du gern Knisch?3) Aus feinem Weizenmehl mit Grieben und gerösteten Zwiebeln und Buchweizengrütze? Du weißt, keiner kann das so zubereiten wie ich; nicht einmal deine Frau kann es." „Ob ich das gern esse! Das ist ja meine Leibspeise. Aber warum fragst du danach?" „Ganz einfach. Wenn du das Kind zwingst, den ganzen Tag zu fasten, so bekommst du keinen Knisch mehr. Vier Wochen lang bekommst du keinen, so wahr ich die heilige Jungfrau und den Herrn Jesus liebhabe. Du bekommst keinen, du hartherziger Unmensch!" Der Vater lachte laut auf. ,.Geh\ geh', Jaga, rede keine Dummheiten. Dein Knisch schmeckt ausgezeichnet. Aber mein Sohn hat geschworen zu fasten, und das muß er halten, verstehst du?" Jaga entfernte sich und warf zornig die Tür ins Schloß. Ich mußte meinem Vater recht geben. Mir schwindelte es vor den Augen, und eine große Schwäche überkam mich. Es war mir trostlos zumute . . . Vier oder fünf Stunden . . . das war furchtbar lange. Ich strengte michan. an den jungen Priester zu denken, der auf der Spitze des Turmes stand und den Schlüssel zum Tempel in den Himmel hinaufreichte, aber in den Gedärmen fühlte ich ein gräßliches Kneifen: durch Hände und Füße «ring es mir wie ein seltsames Zucken, das bis zu den Zehenspitzen reichte. Mich umschwirrte der Duft von frischem Kaffee und Kuchen: vergebens bemühte ich mich, das Bild des jungen Priesters mit dem zum Himmel erhobenen Arm festzuhalten'!. Immer wieder drängte sich vor mein inneres Auge der Anblick von einem Stück Schwarzbrot, mit Butter bestrichen; ein Stück Schwarzbrot auch ohne Butter erschien mir jetzt als der köstlichste Leckerbissen der Welt. Schließlich verwirrten sich meine Gedanken, und ich schlief ein . . . (Fortsetzung folgt.) 3) Eine Art Pastete,

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