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Die Wahrheit · 1929-08-16 · Heft 33 (16.8.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dl£ WAHRHEIT flflmnminmmtamiffimmmifl mos Seite weder Buche noch Eiche noch Tanne noch irgendeine sonstige Art von Baum, sondern nur schlechthin Baum ist. Das gibt es nicht. Aber von diesen verschiedenen Erscheinungen der einheitlichen deutschen Staats- und Kulturnation ist der Jude nicht etwas anderes als irgendein anderes dieser Elemente. Er ist einig mit dem Vaterlandsgefühl, und er hat im übrigen deshalb auch gar nicht nötig, sich als nationalgesinnter Jude zu bekennen! Das wäre genau so, als ob man sich als nicluwuchernder Jude oder als nichtperverser Mitmensch besonders bekennen wollte. Ich muß sagen, ich habe mir oft den Kopf zerbrochen, wie es überhaupt denkbar ist, daß jemand, der als Deutscher geboren, womöglich seit Generationen da ist — und wir wissen doch alle, daß die sogenannten polnischen Juden alles deutsche Juden sind, denn sie sind nach Jahrhunderten nach Deutschland wieder zurückgewandert, von Haus aus sind sie deutsche Juden gewesen —, ich sage, wie kann jemand, der aufgewachsen ist in seiner ganzen Familie, in seinem ganzen Denken, in seinem ganzen Leben und Treiben innerhalb eines Volkes, njeht national gesinnt sein? Es kann sein, daß er es mal sagt, und dann muß man ihm eben sagen: Du weißt nicht, was du redest; denn selbst wenn du es nicht wolltest, du kannst es ja gar nicht sein. Man kann doch nicht sein eigenes Sein und Wesen abstreiten. Vielleicht, wenn man auswandert und lange Jahre unter anderer Kultur und Sprache und anderen Umgebungsverhäitnissen lebt, dann mag es sein, daß man da einwurzelt, und auch das immer noch nicht ohne Vorbehalt und nicht ohne große Schmerzen und Schwierigkeiten. Die Rassenfrage. Die Stimmung gegen das Judentum wurde nicht nur auf Leidenschaften und Fanatismus gestützt, sondern auf eine wissenschaftliche Grundlage. Wir Deutsche dürfen allerdings mit Stoiz bekennen: die wissenschaftlichen Väter dieser Pseudcwissenschaft, die die Edelrasse des reinen Ariertums verkündet und die so viele Gläubige bei den Deutschen gefunden haben, waren keine Deutschen, weder Gobineau, noch Houston Stuart Chamberlaiu. Ein Franzose und ein Engländer mußten die Deutschen ihre Rassenreinheit lehren. Es ist in diesem Kreise nicht nötig, es ist wohl überhaupt vor vernünftigen Menschen nicht nötig, diese Lehre zu widerlegen. Man möchte mit Nietzsche, der ja auch gelegentlich jenen Gesinnungsgenossen zugerechnet wurde, sagen: es sei seine Maxime, mit keinem Menschen zu verkehren, der an den verlogenen Rassenschwindel glaubt. Ja, im politischen Leben kann man sich nun leider nicht aussuchen, mit wem man verkehren will', und mit wem man nicht verkehren will, der will feindlich mit einem verkehren. Aber in der Tat ist es so: man hört ein ganzes Heer von hunderttausend Narren sprechen. Was aber das Entscheidende unter dem Gesichtspunkt, den ich hier in den Mittelpunkt gestellt habe, ist: diese ganze Auffassung der Rassenlehre als politisches Fundament verkennt vollkommen, was ein Volk in nationalpolitischem Sinne ist, verkennt vollkommen die staatspolitische Bedeutung, das staatspoliffsche Wesen der Nation. Denn eine Nation ist keine Tierrasse, nicht eine Viehkoppel, sondern sie ist ein geistiges, ein geistig-sittliches Element, beruhend auf tausend verschiedenen Komponenten. Unter diesen Tausenden von Komponenten spielen auch Abstämmlings-, sogenannte Rassenverhältnisse, eine gewisse, aber noch in keiner Weise wirklich klar ergründete Rolle. Aber nur eine unter tausend anderen, unendlich viel wichtigeren, Rassehunde. Rassepferde jawohl — aber was den Menschen vom Vieh trennt oder trennen sollte, ist nicht nur seine Sprache, sondern auch das Denken, aus dem diese Sprache resultiert und darauf sich aufbauend die ganze Kulturgemeinschaft und die weiteren physischen Merkmale. Es kommen dabei die scherzhaftesten Dinge vor. Wir wissen, daß der Jude verächtlich angesehen und nicht als Deutscher betrachtet wird, weil er Rundschädel ist, während der wahre Edeldeutsche ein Langschädel sein muß. Haben Sie mal ein Bild von Luther gesehen? Einen ausgeprägteren Rundschädel kann man sich nicht vorstellen. Er wird wohl den Weg anderer Deutscher gehen, die als Juden entlarvt sind Oder sehen Sie sich Goethe an: ebenfalls ein ausgeprägter Rundschädel. Dasselbe gilt von Kant, Schopenhauer und last not least auch von Bismarck, auch ein ausgeprägter Rundschädei! Trotzdem wird der Unsinn immer weiter geredet. Deutsche und Juden. Es scheint fast, daß zwischen Deutschen und Juden eine besondere Schicksalsverkettung vorhanden ist. Nachweislich seit mindestens anderthalb Jahrtausenden, wahrscheinlich länger, leben diese „Fremdlinge" auf deutschem Boden. Es gibt, glaube ich, auf der Erde praeter propter 15 Millionen Juden. Von denen leben etwas über eine halbe Million in Deutschland, aber für ungefähr 10 Millionen ist Deutsch die eigentliche Muttersprache, für zwei Drittel der Juden, die die Erde bewohnen. Da sind vielleicht mystische Zusammenhänge, und wenn es das Schicksal des Judentums vielfach gewesen ist, fremd unter den Völkern herumgestoßen zu werden, Feindschaft auf allen Seiten zu finden — was wir als Juden in Vergangenheit und Gegenwart erlebt haben, das haben wir als Deutsche in den letzten Jahren und Jahrzehnten fast in derselben Weise erlebt. Man sollte meinen, wenn man vom Aberglauben nicht loskommt, auch in politischen Dingen den Menschen als ein vernunftbegabtes Wesen zu betrachten, daß allein schon diese Erfahrungen des Antibochisrnus im Laude des Boches den Antisemitismus hätten unmöglich machen sollen. Daß es nicht der Fall gewesen ist, wissen wir alle. Aber auch dieser Antisemitismus stellt wieder eine besondere Beziehung her und stellt eine besondere nationalpolitische Bedeutung der Juden in Deutschland hervor. Es leben knapD 6ÜD.UUU Juden unter den (>U Millionen in'ehtjüdisehen Deutschen, also knapp 1 Prozent. Nun könnte man ja sagen, da die Geschichte nicht sentimental ist: was kommt es auf das Schicksal diesen eii.en Prozent au. Möge mit ihnen werden, was da will, darüber können die anderen 99 Prozent zur Tagesordnung übergehen. Nein, das können sie eben nicht. Denn mit dieser Frage des einen Prozent werden die 99 Prozent nicht fertig. Falsches Solidaritätsgefühl. Man sagt dem Juden: bessere dich, gehe in dich! Ja, wenn du schlecht bist, bessere dich. Gewöhnlich wird man esnicht tun, wenn man wirklich schlecht ist, aber ob man dabei Jude oder Christ ist, ist meines Erachtens gänzlich gleichgültig. Lassen wir uns — und das ist eine Pflicht, die wir dem deutschen Volk und seiner nationalen Entwicklung gegenüber haben — nicht ein solches falsches Rassensolidaritätsgeiühl einreden. Fühlen wir uns nicht verpflichtet, jeden jüdischen Schuft zu decken. Fühlen wir uns aber auch nicht haftbar, daß es auch jüdische Lumpen gibt. Diese ganze Art des Denkens ist auf den Rassenwahnsinn aufgezogen und autgepfropft. Gewiß, man sagt: der Jude soll sich nicht vordrängen. Kein Mensch soll sich vordrängen. Der Christ auch nicht. Aber er soll, was er für die Oeffentlichkeit leisten kann, nicht ungeleistet lassen, aus Angst, man könnte ihm nachsagen, er dränge sich vor. Und was noch wichtiger sein mag: die verehrten Glaubensgenossen sollen ihn nicht an den Rockschößen zurückziehen aus Angst, sie könnten davon Unannehmlichkeiten haben, wenn er den anderen nicht gefällt. uttmtelluertreterin wird gesucht zu meinem guterzogenen 10jährigen Töchterchen, HochgebüdeteDamen womöglich mitKlavierkenntnissen und mit Fähigkeiten, einen Haushalt mit Hilfspersonal zu führen, adressieren ihre Zuschriften mit Photographie (gegen Zurücksendung) an Annoncenbüro Harsäoyl, Budapest, Erzsebet-ter 1, unter Chiffre „Großkaufmann". TREFFPUNKT AI. CAFEHAUS der vornehmen jüdischen Gesellschaft fHAUPTAElCE) Besitzer: Edelstein ANatovic. 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