Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 liiiiiiiiuuiminiiiinnuiiiiiDiiiiiuioiimiimnuiiiimuiiriuiiiimiiiiiiiiimiiKiii, Ol £ W A fit? HEI T begrüßt worden, ohne Unterschied der Konfession. Es gab da wirklich keine Spur eines Numerus clausus. Keinem der Festgäste war der Eintritt in die Lehrsäle der Universität verwehrt. Es fand sich allerdings kein einziger jüdischer Professor zu ihrem Empfang, was aber nichts mit dem Numerus clausus zu tun hat, der sich doch nur auf die jüdischen Studenten bezieht. Ego. heimer mit Senkblei und Kelle dastanden, um den Tempel als Mittelpunkt der Wiener Judenheit zu erbauen und auszugestalten. Der Ahne des Dichters*). Isak Low Hofman, später von Hofmannsthal, ein schöngeistiger „Bochur'\ der am Talmudstudium Herz und Sinn sich gebildet hatte, war er das milde, beschwichtigende, ausgleichende Element im Vertreterkollegium wie in der Gemeinde selber. Ueberdies hatte er in seinem Geburtslande Böhmen bereits einen höheren Grad der Kultur kennen gelernt. Am 10. Juli 1749 in Prostiebor bei Kladrau, im Pilsener Kreis geboren, hatte er das Elend, aber auch die Romantik des wandernden „Talmudjüngers" durchgekostet und an den vielen „Freitischen", die ihm in Prag über Empfehlung seiner Lehrer gewährt wurden, Lebenserfahrung, Verträglichkeit und Nachsicht sich angeeignet. Ueber Königswart in Böhmen, wo er „Behelfer" (Belfer) der Kinder und Buchhalter des Geschäftes zugleich beim Kaufmann Joel B a r u c h war, kam er mit der Firma nach Wien, um dort nach und nach zum Großhändler in Seide sich emporzuschwingen. Eine Fülle von öffentlichen Ehrenämtern und Auszeichnungen wurden ihm trotz gesetzlicher Beschränkungen zuteil. Sie kamen auch der Judenheit Wiens, deren „Vertreter" er gewesen, zustatten. Er war der Hischtadlan, d. h. er intervenierte bei Magistrat, Polizei und Regierung. Hofmannsthal konnte und wollte seinen frommen, streng religiösen Ursprung nicht vergessen und e r dürfte es gewesen sein, welcher den radikalen Reformbestrebungen eine gewisse Mäßigung zum Nutzen der Gemeinde auferlegte. Andernfalls hätte Landesrabbiner Markus Beneth in Nikolsburg ihm kaum den Morenu-Titel verliehen. Biedermann und Hofmannsthal waren die Männer, die neben Mann- *) Aus „Isak N o a Mannheime r". Von Dr. M. R os e n m a n n, R. Löwit-Verlag, Wien. esS!WBBMilillä/MEB Die israelitische Kultusgemeinde sucht einen Religionsprofessor zum Antritte per 1. September 1. J. für den Unterricht im Gymnasium und in der Gemeindeschule in der Gesamtzahl von 6 Stunden wöchentlich. Bewerber von streng religiösemLebenswandel, womöglich österreichischer Bundesbürgerschaft, wollen ihre Offerte nebst Zeugnissen über Lehrbefugnis und Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit an die Israel.itis.che Kultusgemeinde Baden bei Wien längstens bis 25. d. M. einsenden. Gründliches Wissen in der jüdischen Literatur und auf talmudischem Gebiete a-sirp ffira min erforderlich. Hugo Preuß. Die deutsche Verfassungsfeier, die auch im Wiener Stadttempel feierlich begangen wurde, ruft auch die Erinnerung wach an ihren so früh dahingeschiedenen Schöpfer, den ehemaligen Reichsinnenminister Dr. Hugo Preuß, der sich damit ein ewiges Denkmal im Leben des deutschen Volkes geschaffen hat. Hugo Preuß hatte sich der akademischen Laufbahn gewidmet und sich 1889 an der Berliner Universität als Privatdozent für öffentliches Recht habilitiert. Die akademische Laufbahn wurde ihm als Juden im alten kaiserlichen Deutschland sehr erschwert. Erst 1906 erfolgte seine Ernennung zum Professor an der Berliner Handelshochschule. Sein Hauptwerk war sein Buch über die Entwicklung des deutschen Städtewesens, wie er denn vor dem Kriege überhaupt in der Hauptsache sich in den Dienst des deutschen Städtetages gestellt hatte. Stets war er ein aufrechter Demokrat, und als es zur Zeit der Nationalversammlung galt, von einem anerkannten Staatsrechtler demokratischer Richtung den Entwurf einer Reichsverfassung vorlegen zu lassen, erteilte man dem nun zum Reichsminister berufenen Hugo Preuß diesen Auftrag, dessen er sich auch mit hohem Verantwortungsgefühl entledigte. Hugo Preuß, der einer altangesehenen jüdischen Familie entstammte, war stets ein treuer Jude und verteidigte bei jeder Gelegenheit jüdische Ehre und jüdische Rechte. Dafür war das Judentum seine Tragik. Als Einjähriger konnte er nicht Reserveoffizier werden, als Privatdozent und bester Kenner des Verwaltungsrechtes in ganz Deutschland nicht ordentlicher Professor an der Berliner Universität, als Autorität im Städtewesen nicht Oberbürgermeister einer großen Stadt, ja selbst als kenntnisreichster Politiker nicht Mitglied des Reichstages. Nur ein paar Monate hat er als Minister auf dem Platz gestanden, der ihm gebührte, und dennoch ist sein Name unauslöschlich mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Er starb am 9. Oktober 1925 in noch nicht vollendetem 65. Lebensjahre, nicht zum wenigsten aufgezehrt von dem steten Kampfe, der sein Leben so tragisch gestaltet hatte. Wenn am 11. August die deutsche Republik die Verfassung als ihre Grundlage feierte, so ist dies sein Werk, das ihn überlebt hat. Wir veröffentlichen nachstehend einige Aeußerungen von Hugo Preuß, dem Schöpfer der Weimarer Reichsverfassung, die das Verhältnis der Juden zu ihren nichtjüdischen Mitbürgern und zur Verfassung des Deutschen Reichs berühren. Sie haben leider an Aktualität nichts eingebüßt. Antisemitismus und moderner Nationalstaat. Der Antisemitismus, nicht als gesellschaftliche oder individuelle Erscheinung, aber als politisches Machtmittel und politisch wichtige Erscheinung, ist in demselben Maße überall zurückgetreten, wie sich der moderne Nationalstaat in seiner heutigen, in seiner politisch-demokratischen Form und Gestaltung entwickelt und konsolidiert hat. Man kann geradezu sagen: es ist ein Symptom, das wie ein historisch-politisches Barometer anzeigt, wo die sogenannte Judenfrage eine große Rolle spielt. Wo der Antisemitismus im öffentlichen Leben überwiegt und bedeutungsvoll ist, da ist die Entwicklung des Nationalstaates noch nicht vollendet, da ist der moderne nationale und demokratische Staat noch im EntwTcklungsstadium steckengeblieben. Deutschtum und Judentum. Man wird sagen: Sollen wir uns assimilieren, Wie kann man so antisemitisch sein, eine solche Forderung aufzustellen? Wem soll ich mich assimilieren? Bin ich ein minderer Deutscher als irgendein anderer? Es gibt Landsleute, denen mich zu assimilieren ich mit einem herzlichen Pfui Teufel! ablehne. Aber diese ganze Voraussetzung: Der Jude soll sich dem Deutschen assimilieren, macht eine falsche Prämisse, nämlich die, daß das zwei verschiedene Wesen wären. Den Deutschen, der nicht irgendwie sonst noch bestimmt wäre, als Jude oder Protestant oder Katholik oder Norddeutscher oder Süddeutscher oder Handwerker oder Bauer oder Arbeiter, den gibt es ebensowenig, wie es den Baum kat exoehen gibt, der