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Die Wahrheit · 1929-08-09 · Heft 32 (9.8.1929) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Öl£ WAHRHEIT liinliiiiamiiiniffiniimni^^ Jetzt ist es lustig. Unsere Leser erinnern sich noch der österreichischen Delegiertenwahlen zum Zionistenkont£reß und des Geschreis, das darob in den beiden brüderlich-feindlichen Wiener Zionistenblättern entstand. Unserem Blatte hat die freimütige Behandlung dieser famosen Angelegenheit eine § 23-Berichtigung des Herrn Dr. Desider Friedmann eingetragen, in der dieser eine — von uns übrigens gar nicht behauptete — persönliche Beteiligung an den in Linz vorgefallenen Wahlschwindeleien, nicht aber diese selbst bestritt. Er hätte diesauch, wie wir gleich im Nachwort zu der Berichtigung sagten, nicht tun können, denn diese Wahlschwindeleien waren so offensichtlich, daß ein Ableugnen ganz unmöglich gewesen wäre. Auch das Kongreßgericht, das sich mit dieser Angelegenheit befassen mußte, hat diesen Schwindel erkannt. An seiner Spitze stand der bekannte Berliner Advokat und Verfasser des lustigen Buches „Tohuwabohu", Dr. Sammy Gronemann, also eine für das österreichisch-zionistische Tohuwabohu durchaus kompetente Persönlichkeit. Er hat denn auch allen Parteien Gerechtigkeit widerfahren lassen. D i e W a h 1 e n i n L i n z, G m u nden und Innsbruck wurden annulliert, wodurch der von Dr. F r i e d m a n n, pardon, seiner Liste zu Unrecht errungene Vorsprung wieder zunichte wurde. Damit sich aber Ing. Stricker nicht zu sehr freut, wurden auch seiner Liste nicht weniger als 243 (!) Stimmen gestrichen. Ganz interessant ist die Begründung für dieses drakonische Urteil. Für 81 Fälle lagen Nachweise für die „Verteilung von S c h e k a 1 i m zu Wahlzwecken" vor, welche „unzulässige Verwendung des Schekels das Kongreßgericht seit jeher als unerlaubt gekennzeichnet hat.'" „Es ist jedoch klar," heißt es in dem Urteil weiter, „daß der Nachweis der faktischen Schekelverteilung nicht zur Gänze, sondern nur in einem gewissen Prozentsatz erbracht werden kann, insbesondere, da man nicht leicht allen mit Schekalim beteilten Personen zumuten kann, diese Tatsache einzugestehen oder gar urkundlich zu bestätigen. Das Kongreßgericht wäre sicherlich in der Annahme nicht fehlgegangen, daß auf jeden der erwiesenen 81 Fälle fünf bis zehnmal soviel tatsächliche Fälle entfallen. Das Kongreßgericht hat jedoch nur die dreifache Zahl der erwiesenen Fälle für das von ihm abgeänderte Wohlresultat in Anrechnung gebracht und hat somit von den in Wien für die demokratische Liste abgegebenen Stimmen 243 Stimmen gestrichen." Stricker ist natürlich über dieses harte Urteil furchtbar erbost, zumal es auch bewirkte, daß er die von ihm für seine Liste erhofften zwei Kongreßmandate nun endgültig mit Dr. Friedmann, der übrigens vom Kongreß krankheitshalber abreiste, teilen muß. Aber es kommt noch schöner. Das Kongreßgericht hat sogar ausgesprochen, daß es die Wiener Wahlen zur Gänze kassiert hätte, wenn nicht der letzte Kongreß eine Statuten- Seite ii änderung beschlossen hätte, und schließlich beschlossen, „die gesamten Wahlakten dem E h r e n g e r i c h t s a n w a 11 abzutreten, d aiii i t d i e a n d e ti W a h 1 m i ß b r ä u c h e n beteiligten Personen zur Verantwortung gezogen werde n". Die österreichischzionistische Wahlkomödie geht also weiter. Man kann auf den nächsten Akt gespannt sein, von dem man nicht einmal weiß, ob er schon der Sehl u ßa k t sein wird. Ein Fortschritt der Kultur. Radio Wien hat sich zu einem bemerkenswerten Fortschritt aufgeschwungen. Nachdem von jüdischer Seite an diese angeblich unparteiische Institution wiederholt mündl-ich und schriftlich die Aufforderung gerichtet worden war, auch der j ü d ischen Musik ihre Aufmerksamkeit zu widmen, hat sie vergangenen Sonntag endlich im Rahmen des Vormittagskonzertes des Wiener Symphonieorchesters unter Leitung von Prof. Martin S p ö r r einen Wiener jüdischen Musiker zum Mikrophon zugelassen, der schon längst zu den Größen unserer Stadt zählt. Prof. Julius W o 1 f s o h n, dessen „Hebräische Suite" bei dieser Veranstaltung unter Mitwirkung des Komponisten am Flügel zur Aufführung gelangte, hat damit, wie uns zahlreiche enthusiastische Zuschriften beweisen, einen verdienten Erfolg errungen, der die Ravag veranlassen sollte, der von ihr bisher so arg vernachlässigten jüdischen Musik mehr Raum bei ihren Sendungen zu gewähren. Sie wird sich damit würdig in die Reihe der vielen ausländischen Sendestationen stellen, die diesen Musikzweig bereits seit vielen Jahren intensiv pflegen. Und wenn sie abermals ein jüdisches Tonwerk zum Vortrag zuläßt, so möge sie gefälligt nicht allzu bescheiden aus einer „Hebräischen Suite" eine „Suite" schlechtweg machen, wie dies im offiziellen Tagesprogramm geschehen ist. Antisemitenexzesse in Kowno. In der Nacht zum 2. und 3. August fanden in der Vorstadt Kownos, Slabaden, Ausschreitungen gegen die dortigen Juden statt. Etwa 65 Juden wurden dabei zum Teil schwer mißhandelt. Jüdische Passanten wurden auf der Straße angefallen. In einigen Fällen drangen die Täter auch in jüdische Häuser ein. „Blut muß Hießen." Die Stadt Nürnberg war dieser Tage der S c h a uplatz wüster Szenen, die unter der gesamten Bevölkerung beispiellose Erbitterung auslösten. Anläßlich des dort tagenden nationalsozialistischen Parteitages kam es wiederholt zu Zusammenstößen mit Arbeitern und Anhängern des Reichsbanners, wobei bei einem der schwersten Zusammenstöße e i n Reichsbannermann lebensgefährlich verletzt und eine unbeteiligte Frau getötet wurde. Ein Trupp Nationalsozialisten begegnete nämlich mehreren Reichsbannerleuten, von denen einer an seinem Fahrrad ein schwarz-rot -goldenes Fähnchen angebracht hatte. Das erregte den Zorn der Nationalsozialisten, die ihre Gegner m ßestauraflon in Salzburg -w» Hermann Kolin wolfaielridisfrafie Nr. 14 Mäßige Preise! Guie KttA« t

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