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Die Wahrheit · 1929-08-09 · Heft 32 (9.8.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT mmm Seite 9 findung des großen Hygienikers knüpften, mußten im Verlaufe der Zeit erheblich eingeschränkt werden. Jüdische A e r z t e waren es, die von der Erfindung Robert Kochs retteten, was zu retten war, und es ist kein Geheimnis, daß es eine Reihe jüdischer Aerzte gibt, die unbeachtet von der großen Menge die Anwendungsweise des Tuberkulin für die Praxis so entscheidend beeinflußt haben, daß es zu einem erfolgreichen Faktor in der Behandlung der Tuberkulose wurde. Niemand hat das Loblied dieser wenigen jüdischen Aerzte gesungen, niemand hat zu ihrem Preise die Seiten der großen Zeitungen gefüllt, aber im Stillen, nur von denen gekannt, denen sie einmal entscheidende Hilfe gebracht haben, haben sie sich unvergängliche Verdienste um die Volksgesundheit erworben. Niemand singt auch in diesen Tagen ein Loblied auf den praktischen Arzt aus Bielefeld, der, wenn nicht alle Zeichen trügen, auf dem Wege zur Heilung der Tuberkulosen den letzten Schritt getan hat. Wenn das, was Professor Sauerbruch in der medizinischen Gesellschaft publiziert hat, richtig ist, und niemand hat ein Recht, daran zu zweifeln, was ein Mann von der Autorität Sauerbruchs verkündet, dann hat Dr. Gerson aus Bielefeld der Menschheit einen Dienst geleistet, der weit hinausgeht über das, was jemals auf dem Gebiete der Gesundheit in den letzten Jahrhunderten geschehen ist. Ohne jede äußere Einwirkung und ohne alle Medikamente, nur mit Hilfe einer fein ersonnenen Diät, hat Dr. Gerson ein Verfahren gefunden, das in kurzer Zeit alle Arten der Tuberkulose vollkommen zur Abheilung bringt. Was uns hier besonders interessiert, ist die merkwürdige Begebenheit, daß die Erfindung eines jüdischen Arztes in der ganzen Welt das ungeheuerste Aufsehen erregt, daß in allen Staaten des Erdballs ein leidenschaftliches Interesse für das Gersonsche Verfahren besteht und daß nur in Deutschland selbst, dem Lande, dem der Erfinder angehört, der Name des einfachen und bescheidenen Arztes zurücktritt hinter dem Namen Sauerbruchs, der das Verfahren der Oeffentlichkeit bekanntgegeben hat. Von Professor Sauerbruch sagt man, daß er dem Judentum sehr wenig sympathisch gegenübersteht, daß er aber bereit ist, auch die Leistung von Juden anzuerkennen. Es muß zur Ehre des großen Chirurgen festgestellt werden, daß er alles getan hat, um das Verfahren Dr. Gersons nachzuprüfen und daß er in dem Augenblicke, in dem die Prüfung die Richtigkeit der Gersonschen Thesen ergeben hat, nicht gezögert hat, mit der Autorität seines Namens für den Entdecker des Verfahrens einzutreten. Soweit also Sauerbruch in Betracht kommt, ist nur das höchste Lob zu spenden. Etwas anderes ist es aber um einen Teil der Presse, der ein krampfhaftes Bemühen zeigt, den Namen des Bielefelder Arztes, soweit es irgend möglich ist, aus der Diskussion fortzulassen. Es ergibt sich eben auch hier das altgewohnte Bild, daß die Oeffentlichkeit zwar bereit ist. für üble Taten eines einzelnen Juden das ganze Judentum verantwortlich zu machen, daß sie aber mit der Anerkennung für den Juden zögert, wenn dieser Jude durch eine verdienstvolle Tat seinen Namen in die unvergänglichen Geschichtsbücher der Menschheit einträgt. Und darum erwächst der jüdischen Presse die Verpflichtung, um der Gerechtigkeit wegen die Wahrheit festzustellen und sie für die Mit- und Nachwelt deutlich zu kennzeichnen. Was Dr. Gerson der Menschheit geschenkt hat, ist etwas so außerordentliches, daß erst in späteren Jahren eine vollkommen abschließende Würdigung möglich sein wird. Sein Verfahren ist jedenfalls imstande, Formen der Tuberkulose zu heilen, die sich bisher der Behandlung entzogen, seine diätische Behandlungsweise charakterisiert sich als anerkanntes Mittel zur Heilung der Tuberkulose der Knochen und der Haut, und wer die Dinge übersehen kann, die Tragik gerade dieser Krankheiten kennt, wird zu ermessen in der Lage sein, welche wichtige Erfindung die Menschheit damit in die Hände bekommen hat. Wäre es angesichts einer so epochalen Erfindung nicht eine zwingende Forderung der Gerechtigkeit, daß vor allem die deutsche Presse in ihrer Gesamtheit das Lob des Erfinders zum Ausdruck bringt? Ehrt ein Land sich nicht selbst, indem es die Größe seiner wirklich bedeutenden Männer unverschleiert zum Ausdruck kommen läßt? Aber dieselben Kreise, die nicht genug tun können, um die Lehre Einsteins zu verkleinern, dieselben Schichten, die fast immer dem Juden die Anerkennung für hervorragende Leistungen weigern, die gleichen Menschen möchten am liebsten auch den Namen Dr. Gersons ausstreichen. Diese ewig Gestrigen, die um eines Phantoms willen ihr eigenes Land schädigen, die sich auf Autornobilinsassen stürzen, weil sie sie für Juden halten, sie würden es am liebsten sehen, wenn auch weiter der Name des jüdischen Erfinders von seiner Erfindung getrennt werden könnte. Der Fall Dr. Gerson ist in seiner Art typisch für die Mentalität judengegnerischer Kreise in Deutschland. Er ist typisch für eine Einstellung, die nirgendwo wieder in der Welt vorgefunden wird und die eine besondere Spezialität der deutschen Antisemiten ist. Je krasser sich diese Einstellung auswirkt, je mehr ist die Hoffnung berechtigt, daß der objektive Teil der Oeffentlichkeit erkennt, mit welchem Maß von Ungerechtigkeit von jener Seite gemessen wird. In jüdischen Kreisen weiß man, wie tief eingewurzelt bei allen jüdischen Aerzten die soziale Einstellung ist, wie häuf»'; es gerade jüdische Aerzte sind, die mit dem Aufgebot ihre* ganzen Persönlichkeit nach Möglichkeiten suchen, um gerade die großen Krankheiten zu bekämpfen. Sie werden ihre aufopfernde Tätigkeit fortsetzen, auch wenn ihnen so häufig die äußere Anerkennung vorenthalten bleibt. Sie werden ihren Lohn finden in dem Bewußtsein, der Menschheit größere Dienste geleistet zu haben als andere, die nur vernichten, aber nicht aufbauen können. („Israelitisches Familienblatt", Hamburg.) Der Jude wird verbrannt. Von Adolf H o f f m a n n. Adolf Hoffmann hat im Selbstverlag (A. Hofrmanns Verlag, Berlin O. 27) eine köstliche Broschüre herausgegeben, in der er die Judenfrage behandelt. (39 Seiten; 0.35 Mk.) Man schickte uns diese Broschüre zur Besprechung zu, — wir können sie nicht besser empfehlen, als durch den Abdruck eines Stückes daraus. Wenn jemand eine Reise tut--- Es war in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Ich saß im Nichtraucherabteil der dritten Klasse. Der Zug hielt in Frankfurt a. O., als ein junges, blondes Herrchen, tiptop gekleidet, das schon ziemlich besetzte Abteil bestieg. Jedesmal, wenn ich später den deutschvölkischen Wulle sah, wurde ich unwillkürlich an dieses Jüngelchen erinnert. Aber mein Erlebnis ist so lange her, daß Wulle älter sein müßte, um in den Verdacht zu kommen, es selbst gewesen zu sein. Unser Blondin streckte seine langen Beine von sich, schnüffelte mit seinem riesigen Rieehorgjsi, heute würde man sagen, mit seiner Hakenkreuznasu, in die Luit und verzog mißbilligend das Gesicht, nahm sein Zigarettenetui heraus, um, wie der Berliner sagt, „sich eine ins Gesicht zu stecken, damit man unterscheiden kann, was vorne und was hinten". Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß er sich in einem Nichtraucher-Abteil befände. Er blickte mich mit ein paar reizenden, wasserblauen Schweinsäugletn herausfordernd an und sagte impertinent: „Das ist ja hier eine fürchterliche Luit." „Aber erst, seitdem Sie hier sind," entgegnete ich ruhig. Die übrigen Passagiere lächelten zustimmend, denn von dem Jüngling ging ein Duft aus, als ob er die letzte Nacht auf Riechkissen einer Parfümfabrik biwakiert hätte. Gereizt antwortete der duttende Jüngling: „Hier stinkt die ganze Gegend nach Knoblauch." TREFFPUNKT k I. CAFEHAUS der vornehmen jüdischen Gesellschaft PRATER fHAVPTAUEH Besitzer: Edelstein «Natovic. ErStHlaSSlg€ DCfHeiWBg

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