Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DJE WAHRHEIT wwmwam Seite 5 kämpften reichen amerikanischen Agency-Juden wegen ihrer Förderung des Krimprojektes treffen. Aber das, was er sagte, war so furchtbar genug, daß die Kulturwelt aufhorchen und sich zum Protest gegen diese grausamen Judenverfolgungen in dem angeblichen „Judenparadies" vereinigen sollte. Dr. Wise führte unter anderem aus, daß die Lage der Juden in Rußland viel schlimmer sei, als es der zivilisierten Welt bekannt sei: die Russen verschleiern die Lage, indem sie die Nachrichten über ihre Grausamkeiten unterdrücken. Man hat von diesen Dingen bisher selbst unter den Juden Europas und Amerikas nicht viel geredet, um den Gequälten nicht zu schaden. Aber weiteres Schweigen wäre jetzt schon Feigheit. In Amerika fand der Protest Widerhall bei den Politikern. Führende Personen des Staatslebens haben dem Redner erklärt, daß sie zur Intervention bei den sowjetistischen Machthabern wegen dieser Zustände bereit sind. Aber auch mit den Mitgliedern der Labour-Re gierung habe Dr. Wise verhandelt und bei ihnen die Geneigtheit gefunden, auf Grund der Nachrichten, die ständig über neue Quälereien einlaufen, in Moskau Vorstellungen zu erheben. Um so lauter müssen auch die Juden selbst der ganzen Welt entgegenrufen, daß in Rußland unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Religion Unschuldige in die Kerker und in die Verbannung wandern, ebenso wie zur Zeit der Reaktion. Der Redner appelliert sowohl an die Judenschaft der gesitteten Welt, aber auch an alle politischen Faktoren, diesem Wandel ein Ende zu machen und namentlich nicht zu dulden, daß er noch länger vertuscht wiird. Die Rede machte um so größeres Aufsehen, als auch der Oppositionsführer Jabotinski gleiche Klagen vorbrachte und die Mitteilungen Dr. Wises über seine Verhandlungen mit der englischen Regierung kaum ohne deren Einverständnis von der Kongreßtribüne aus behandelt wurden. * .,. * Der Streit um die Klagemauer. Schließlich hat den Kongreß auch ein Problem in Aufregung gebracht, das ein ungemein grelles Licht auf die Verhältnisse im Heiligen Lande wirft, der Streit um die Klagemauer, der alle Parteien des Kongresses in heftige Bewegung setzte, selbst jene, die bisher die englandfreundliche Politik der Exekutive gebilligt hatten, insbesondere aber die Misrachisten. Die Debatte ist am heftigsten in der politischen Kommission, weil dort die telegraphischen Alarmrufe aus Jerusalem zusammenlaufen. Dorthin gelangte auch die Depesche des Jerusalemer Oberrabbiners Cook, dem von der englischen Stadtverwaltung die Nachricht zugekommen ist, daß sie das Vorgehen der Araber gegen die Beter bei der Klagem a u e r. die durch Pauken und Trompeten am Versöhnungstag gestört wurden, dadurch unterstützen wolle, daß sie den Arabern erlaube, gegenüber der Klagemauer ihrerseits eine hohe Mauer aufzuführen und in diese Fenster einzubauen. Die Juden befürchten ständige Belästigungen und dauernde Unruhen. Die Jerusalemer verlangen vom Kongreß eine energische Vorstellung bei der englischen Regierung. Die Mitteilungen machten großes Aufsehen, da die englischen Behörden die Wahrung des baulichen Status quo und die Verhinderung aller Störungen der seit 2000 Jahren geübten Andachten der jüdischen Pilger versprochen hatten. In der aufgeregten Diskussion macht Jabotinski sowohl der englischen Regierung wie der zionistischen Exekutive heftige Vorwürfe, der Vertreter der Konservativen, Abgeordneter Farbstein, sprach von einem „seelischen Pogrom", der den Juden an ihrer heiligsten Stätte zugefügt wird, während Colonel K i s h als Vertreter der Palästina-Verwaltung versicherte, daß der High-Commissar C a n c e 11 e r damit beschäftigt sei, in London die Streitfrage zur Zufriedenheit beizulegen. Es wurde trotz dieser offiziösen Versicherung vom Präsidenten des Kongresses. Nahum S o k o 1 o w, ein scharfer Protest der Exekutive verlesen, In dem auf die Aufregung im Heiligen Lande und die symptomatische Bedeutung der Angelegenheit hingewiesen wird. Diese Protestresolution machte tiefsten Eindruck, zahlreiche Delegierte hatten Tränen in den Augen. Die zionistische Exekutive hat hierauf im Einverständnisse mit der politischen Kommission beschlossen, in Ausführung der Wünsche des Kongreses unverzüglich Colonel K i s h und den greisen Bürgermeister von Jerusalem, David J e 11 m, nach London zu entsenden, um an maßgebender Stelle die großen Besorgnisse über die Lage in Palästina zum Ausdrucke zu bringen. Die nach London entsandte Delegation des Zionistenkongresses soll beauftragt sein, vom englischen Staatssekretär Maßnahmen zu verlangen, die die jüdischen Rechte an der Kiagemauer in Jerusalem als öffentliche Gebet- und Andachtsstätte sicherstellen. Wir haben im Vorstehenden versucht, auf Grund der bis zur Stunde aus Zürich vorliegenden Nachrichten einen Ueberblick über die momentane Situation zu geben. Wir wiederholen, daß ein genaues Bild erst die Beendigung der Beratungen des Kongresses u n d des Councils bieten wird. Aber schon jetzt sieht man, daß die Lage auf diesem Kongresse, der als Anbahnung der Vereinigung aller Juden zum Wiederaufbau Palästinas so bedeutungsvoll hätte sein sollen, alles eher als rosig ist. Die steigende Erregung der ganzen jüdischen Bevölkerung des Heiligen Landes wegen des durch die englischen Behörden ermöglichten Vorstoßes der Araber bei der Klagemauer ist ein deutliches Memento. Die Verfassung der Jewish Agency. Wie berichtet, hielt Dr. Felix Rosenblüth am dem Kongreß das Referat über die Verfassung der Jewish Agency. Er berichtete eingehend über die Geschichte der sechsjährigen Bemühungen zur Bildung der erweiterten Jewish Agjricy. Die Zionistische Exekutive unterbreitet dein Kongreß den Antrag, die Exekutive zu ermächtigen, das mit den Vertreten] der Nichtzionisten getroffene Abkommen zu unterzeichnen, wodurch es in Kraft treten werde. Nach dem Inkrafttreten des Uebereinkommens wird im Namen der Zionistischen Organisation die britische Regierung ersucht worden, die erweiterte Jewish Agency gemäß dem Mandat anzuerkennen, sowie ihrerseits die offizielle Versicherung abzugeben, für den Fall einer Auflösung der erweiterten Agency die Zionistische Organisation gemäß dem Artikel des Mandats in den früheren Statu s Js alleinige Jewish Agency zurückzuversetzen. Die einzige Abweichung von den Kongreßbeschlüsseu ist die Nichtaufnahme des Punktes betreffend des dreijährigen Provisoriums. Dieser Punkt konnte nicht in den Entwurf aufgenommen werden, weil die für das Zustandekommen der erweiterten Agency so w i c htige amerikanische Gruppe der Nichtzionisten ihn nicht akzeptieren wollte, indem sie die Ansicht vertrat, daß es unmöglich sei, die volle En e rgie und die volle Ueberzeugung für die gemeinsame Sache einzusetzen. wenn diese Sache nur provisorischen Charakter trägt. Louis Marshall war es, der den Vorschlag machte, die Zionistische Organisation im Falle einer Auflösung der erweiterten Agency in alle ihre früheren Rechte zurückzuversetzen. Die Bereitschaft der englischen Regierung, die erweiterte Jewish Agency anzuerkennen, ferner die Zionistische Organisation — nach Prüfung ihrer Organisation und Veria;""-ung zn dieser Zeit — in alle Rechte der Agency gemäß dem ,'vUuidat im Falle der Auflösung der erweiterton Agency zurückzuversetzen, liegt bereits in Form einer offiziellen M i t t e i- 1 e i 1 u n g d e s S t a a t s s e k r e t ä r s t ü r d i e Kolonien in London an die Zionistische Organisation vor. Dr. Rosenblüth ging dann zur Erläuterung der einzelne:] Punkte der Agency-Verfassung über und führte aus: Die Verfassung der Agency sieht vor, daß der Präsident der Zionistischen Organisation gleichzeitig Präsident der Jewish Agency ist. Eine Aenderung dieses Punktes ist gegen den Willen der Zionistischen Organisation nicht möglich. Gleichzeitig wird die Verantwortung des Präsidenten hinsichtlich der politischen Führung festgestellt. Die Zahl der Mitglieder des Council der Agency ist auf 22 0 — statt wie früher geplant 200 — festgesetzt. Vorgesehen war. daß der Council zusammentreten solle, sobald außer Amerika sechs europäische Länder ihre Vertreter ernannt |||g ÖSTERREICHS GRÖSSTE PHOTOFIRMA PHOTO WEITZMANN | WIEN 1 Hl II., PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 ||| HB UND ZAHLREICHE F I L I A k E N i|