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Die Wahrheit · 1929-08-02 · Heft 31 (2.8.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DDE WAHRHEIT Philosoph selbst erklärte, er habe ihn am besten verstanden, und mit Benzin Kellermann, einem der bedeutendsten Vertreter des „Neukantianismus" Aus dem Gebiete der Naturwissenschaft, der höheren Mathematik und Astronomie nennt Dr. Pinn den von Alexander von Humboldt hochgeschätzten Slominski, den bekannten Herausgeber der „Naturwissenschaftlichen Volksbücher" Aron Bernstein und die Universitätsprofessoren Minkowski, Schapiero und Schur. Aus Literatur, Theater und Musik folgen Namen wie Karl Emil f ranzos und Bin Gorion, Barney, Schildkraut und Oranowski, Rubi>nstein, Lola BeetIi und Marzella S e m b r i c h, Joseph Schwarz und J a dlowker, alles Persönlichkeiten, deren ostjüdische Herkunft die Kulturwelt nicht daran verhindert, sie als deutsche Künstler zu empfinden und zu werten. Hohe Auszeichnung eines jüdischen Wissenschaftlers. Die französische medizinische Akademie hat dem ungarischen Gelehrten Dr. Karl Brody den Argout-Preis verliehen. Dr. Brody konnte als Jude an keiner ungarischen Universität studieren und mußte nach Paris gehen. Den großen Argout- Preis, der wegen Fehlens eines geeigneten Kandidaten seit Jahren nicht verliehen wurde, hat Dr. Brody für das von ihm erfundene Verfahren erhalten, solche Krankheiten innerlich zu behandeln, die bisher nur mittels chirurgischer Eingriffe geheilt werden konnten. Jüdisches Siedlungswesen in Australien. Vor einigen Monaten hat sich in Australien eine Gesellschaft für jüdische Kolonisation gebildet, die auch schon eine Kolonie eingerichtet hat. Die Siedlung Bervik ist im schönen Aufblühen begriffen. Der neuen Kolonie sind aus der Hinterlassenschaft des kürzlich verstorbenen Nahum Levinson 2200 Pfund zugeflossen, vier jüdische Organisationen haben der Kolonie je 250 Pfund zugewendet Poincares Rolle in der Affäre Dreyfus. In einer der letzten Sitzungen der französischen Kammer kam im Verlaufe der Diskussion der abgetretene Ministerpräsident P o i n c a r 6 auf seine Rolle in der Affäre Dreyfus zu sprechen und sagte: Im Jahre 1898 habe ich mein Herz erleichtert, als ich dem Gericht die Enthüllung machte von dem Bestehen eines Kapitän Dreyfus entlastenden Geheimdokumentes, das dem Gericht vorenthalten war. Diese meine Enthüllung brachte ein neues Verfahren in Gang, wodurch sich Dreyfus' Unschuld zweifelfrei erwies. Poincar6 ist nun wegen dieser Aeußerung Gegenstand einer wütenden Hetze seitens der antisemitischen Presse. „Action Francais" schreibt, Poincard habe nur das Verfahren gegen einen Juden gestört, der das Land verkauft hat, und hinderte dessen endgültige Verurteilung. Heute sieht Poincard untätig zu, wie die Juden die Armee zerstören. Die Missionspropaganda. Der in Atlantic City tagende Rat des Missionsverbandes hat eine Erklärung erlassen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die Missionäre auf ihrem Rechte bestehen müssen, das Evangelium Christi unter allen Völkern zu verbreiten. Diese Erklärung ist eine Antwort auf einen von Rabbi Israel G o 1 d s t e i n, Mitglied des Exekutivkomitees der Vereinigten Synagoge Amerikas, dem Missionsrate unterbreiteten Appell, die Bekehrungstätigkeit unter den Juden, die zerstörend auf das Familienleben wirkt einzustellen. Die Botschaft hör* ich. wohl . . . Das Organ der rumänischen Regierung Maniu, „Dreptatea", widmet den Juden Rumäniens einen Leitartikel, in dem es ausführt: Wir sind längst gewohnt, die rumänischen Juden als Teil der rumänischen Volksfamilie anzusehen, geistig verschmolzen mit dem rumänischen Volk. Die Juden haben keine Interessen, die den Nationalinteressen des rumänischen Volkes entgegengesetzt sind. Strenges Urteil gegen antisemitische russische Arbeiter. Das Urteil gegen sechs russische Arbeiterhuligans in Uladawko, Kreis Winiza, die ihre jüdischen Arbeitsgenossen in der dortigen Zuckerfabrik antisemitisch verfolgten, ist soeben gesprochen worden. Wischnewsky wurde zu zweieinhalb Jahren, Purmaniuk und Nikiforow zu je zwei Jahren, Gastchkowsky zu sechs Monaten, Weleschinsky und Plachatniuk zu je einem Jahre Gefängnis verurteilt. VmtDoAazaiDoA» Die Leitung der Wiener Äguda-Zentrale beim österreichischen Bundeskanzler. Die Leitung der Wiener Aguda-Zentrale erschien Donnerstag, den 25. v. M., beim Herrn Bundeskanzler S t r e e r u w i t z, um ihn über Zweck und Ziel der religiös-orthodoxen Weltorganisation Agudas Jisroel, speziell aber über den im September d. J. in Wien stattfindenden Weltkongreß (Kjenessio üedaulo) zu informieren. Herr Bundeskanzler Streeruwitz empfing die aus den Herren Präsident Rabbiner Dr. K o h n, Rabbiner Dr. Joel P o 11 a k und Moritz Felsenburg bestehende Delegation überaus freundlich und betonte in Erwiderung auf den Vortrag der Delegierten die große Wichtigkeit eines jeden Bekenntnisses zur Religion, die heute mehr denn je ein sicherer Faktor der Erziehung und Gesellschaftsbildung sei. Die Jeschiwah von Lublin. Aus Anlaß der Vollendung des Monumentalgebäudes für die große Thora-Lehranstalt „Jeschiwath Chachme Lublin" hat das Baukomitee die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Besichtigung des Gebäudios und der Einrichtungen eingeladen.. Die Erbauer verfolgten das Ziel, in dem historischen Thorazentrum Lublin, wo einstmals die Gaonim Maharam und Maharschal gelehrt haben, das Thorastudium im alten Glänze aufleben zu lassen. Der Gaon von Petrikow, Rabbi Schapiro, begrüßte die Pressevertreter am Eingang mit einem „Bruchim Haboim". Das monumental wirkende Sechsetagenhaus ist im orientalischen Stil gehalten und schließt eine Fläche von 35.000 Quadratmeter ein. Es enthält neben den großen Lehr- und Bi'bJiothekssälen modern eingerichtete Speisesäle, eine Badeanstalt, eine Wäscherei, einen Empfangssaal, Ambulatorien und Krankenzimmer. Das Auditorium maximum ist mit einer Galerie für freie Zuhörer versenen. Im angeschlossenen Internat ist für 450 Jeschiwah-Jünger Platz. Ein großer Garten schließt sich an das Gebäude. In der historischen jüdischen Stadt Lublin bestand schon dm Jahre 1366 eine jüdische Gemeinde. Im Jahre 1567 erteilte König Sigismund der Gemeinde das Privilegium, eine Jeschiwah zu errichten, die aJs die erste polnische Jeschiwah aus allen Ländern Europas Jünger' an sich zog. Heute wohnen in Lublin 45.000 Juden. Das Gemeindehaus ist das ehemalige Königshaus, zu dem einst den Juden der Zutritt verboten war. Lublin war einst das Zentrum der polnischen Republik, nun der Sitz der zentralen Jeschiwah. Den Baugrund für die Jeschiwah spendete Herr Eichenbaum aus Lublin. die Juden in Polen steuerten 239.000 Zloty bei, aus Amerika kamen 53.000 Dollar, aus Deutschland 24.000 Mark, aus England 482 Pfund usw. Im Lehrplan der Jeschiwah ist ein dreijähriges Studium zur Heranbildung von Tataude Chachamim, für! Erlangung des Rabbinerddploms ein fünfjähriges Studium vorgesehen. Zur Einrichtung sind noch 20.000 Dollar notwendig. Rabbi Schapiro appellierte1 an das Judentum, der Jeschiwah auch weiterhin zu helfen. Die Kultusratswahlen in Cernauti werden annulliert. Einem Privattelegramme zufolge soll der Kultusminister die Annullierung der Wahlen zugesichert haben. In diesem Falle werden ein neutraler G e r e n t und ein zwölfgliedriger Beirat eingesetzt und mit der Durchführung der Wahlen betraut werden. Freisprechung der amerikanischen Friedhofschänder. Eine aus sieben Frauen und fünf Männern bestehende Jury in Cleveland hat die wegen Schändung des jüdischen Friedhofs in Cleveland in der Nacht zum 27. April angeklagten Joe König und Stanley Sinek freigesprochen, obwohl sie selbst die Tat zugaben, aber behaupteten, im Zustand der Trunkenheit gehandelt zu haben. Der Staatsanwalt plädierte für ein strenges Urteil und erklärte, daß die Angeklagten aus antisemitischen Motiven den Friedhof geschändet habin. Das freisprechende Urteil begegnet in der öffentlichen Meinung Amerikas scharfer Kritik.

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