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Die Wahrheit · 1929-08-02 · Heft 31 (2.8.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Öffi Wäürheit Seite 9 jJmtlicke Tblaidhaamgen, cletlmieläuJ^ Z. 5162 ex 1929. Konkurs. In der Versorgungsanstalt (Altersversorgungshaus und Siechenabteilung) der israel. Kultusgemeinde Wien, IX., Seegasse 9, gelangt die Stelle eines Sekundararztes zur Besetzung. Bewerber müssen an einer österr. Universität promovierte Doktoren der gesamten Heilkunde, zur Ausübung der ärztlichen Praxis in Oesterreich berechtigt sein und haben Spitalspraxis nachzuweisen. Die Anstellung erfolgt für ein Jahr; bei zufriedenstellender Dienstleistung kann die Bestellung von Jahr zu Jahr bis zur Dauer von vier Jahren verlängert werden. Die Sekundarärzte der Versorgungsanstalt sind in dien Bezügen der Sekundarärzte des Spitales der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gleichgestellt. Die näheren Bestimmungen können in der Amtsdirektion der israel. Kultusgemeinde Wien, 1., Seiten stettengasse 4, III. Stock, eingesehen werden. Die mit den entsprechenden Personaldokumenten, Studien- und Verwendungserzeugnissen belegten Gesuche sind bis spätestens 30. August 1929 im Einreichungsprotokolle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, zu überreichen. Wien, 22. Juli 1929. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. ad Z. 3949 ex 1929. Wien, 22. Juli 1929. Kumdinociiung. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Fleischbank des Herrn Josef B ö c k, XXI., Schloßhoferstraße 6, nicht mehr unter Aufsicht Sr. Ehrwürden dies Herrn Gemeinderabbiners Doktor M. Rosenmann steht. Dagegen wird ab 23. Juli 1929 die Fleischbank des Herrn Aron K a u f e r, XXI., Schloßhoferstraße 6, unter Aufsicht des genannten Herrn Gemeinderabbiners gestellt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Lesesaal der Bibliothek bleibt bis 1. September 1929 geschlossen. Völkische Außenpolitik. Ein französischer Verbindungsmann bei Hitler und Ludendorff. Vor kurzem hat Hitler eine Reihe ehemaliger Parteifreunde und politischer Gegner wegen Verleumdung vor ein Gericht zitiert. Alle hatten im letzten Wahlkampf die übereinstimmende Behauptung aufgestellt. Hitler sei in seiner Stellung zur Südtirol-Frage durch faschistische Subsidien beeinflußt worden. Das Uerieht entschied, dali der Wahrheitsbeweis für diese Behauptung nicht erbracht worden sei und verurteilte dementsprechend die beschuldigten zu Geldstrafen. In dem Prozeß handelte es sich im wesentlichen um die konkrete Frage, ob Hitler von den Faschisten Geld erhalten habe. Das eigentliche Grundthema, die Außenpolitik der Völkischen überhaupt, ist kaum gestreift worden. Die Aufschlüsse, die der Prozeß nicht gebracht hat, bringt ein Buch des bekannten französischen Schriftstellers und Antisemiten Pierre Dominique. Dominique, dessen Buch über den Baron Neuhof, den „König" Theodor von Korsika, unter dem Titel „Seine Majestät" jetzt eben in deutscher Sprache erschienen ist, hat um die Zeit, als man über das Dawesabkommen verhandelte, die deutschen Nationalsozialisten und Völkischen besucht und mit ihnen über das deutsch-französische Problem gesprochen. Kurze Zeit weilte er in München bei L u d e n d o r f f. und daher nannte er seinen Bericht, der in Paris als Buch erschienen ist: „Zwei Tage bei Ludendorff". Aber auch Hitler, der damals gerade seine Festungshaft verbüßte, kommt nicht zu kurz. Es gelingt Dominique, sich mit ihm durch einen deutschen Mittelsmann, einen Leopold von S., in Verbindung zu setzen. Der Franzose wünscht von Hitler die Zusicherung, daß zwischen Deutschland und Frankreich eine gewisse Zusammenarbeit auf der Grundlage eines übereinstimmenden antisemitischen Programms möglich ist. Hitler wird durch Leopold von S. darauf hingewiesen, daß die Sprache der nationalistischen Presse gegenüber Frankreich vielfach doch übers Ziel hinausschieße. Zunächst wollte Hitler, heißt es bei Dominique, nicht viel davon wissen. „Lassen wir das," rief er. „ich will nicht, daß du davon sprichst. Frankreich und der Jude sind eins." Aber Dominiques Vertrauensmann ließ nicht locker. Er machte Hitler klar, daß es doch auch, wie das Beispiel Dominiques beweise, antisemitische Franzosen gebe. Aber selbst wenn der Satz Hitlers, Frankreich und der Jude seien eins, zutreffe, so dürfe man dies nicht allzu sehr betonen, denn — so heißt es wörtlich weiter — „der Jude, der sich bedroht fühle, würde dann mit Recht seine politische Aktion mit der Frankreichs identifizieren und den Weltkrieg gegen Deutschland wieder beginnen." Hitler gab zu, daß Leopold von S. recht habe, und die Parteipresse wurde in entsprechender Weise belehrt. So absurd auch die Behauptung sein mag. um die sich diese Unterredung drehte, die Stellungnahme oder vielmehr der Stellungswechsel Hitlers ist lehrreich genug, Dominique selbst spricht die Ueberzeugung aus, daß Hitler wohl gar nicht von seiner Anschauung, Frankreich und der Jude seien eins, bekehrt worden sei, daß er vielmehr nur zugegeben habe, es sei eine außerordentliche Dummheit, diesen Satz in der Parteipresse dauernd zu wiederholen. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß bei den Diskussionen über diese Frage stets an den völkischen Staat in spe gedacht wurde, in dem Hitler und Konsorten an der Macht sind. Um diesen „jungen Staat" nicht gleich zu Beginn in außenpolitische Verwicklungen zu treiben, soll den Gläubigen ein Grundsatz vorenthalten werden, der für die „Führer" weiter seine volle Geltung bewahrt. Das erinnert denn doch stark an die Methoden der Jünger Loyolas, für die Hitler und Ludendorfi sonst so wenig übrig haben. Ein anderer Vertrauensmann aber, ein völkischer Universitätsprofessor, drückt sich weit deutlicher aus. „Ach, wenn Mussolini gewollt hätte!" ruft er einmal, „wenn seine Miliz über den Brenner mar- TREFFPUNKT AI. CAFEHAUS der vornehmen jüdischen Gesellschaft PRATCR (BAUPfAllEH Besitzer: Edelstein ANatovic ErStklASSlgC DCMCBWUl

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