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Die Wahrheit · 1929-08-02 · Heft 31 (2.8.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Rat der Agudat Israel, des Rabbiners Dr. Löwenstein-Zürich und Lucien Wolfs an das Sonderkomitee des Völkerbundes vom Jahre 1925 Bezug genommen, in welchen erklärt wurde, daß eine Aenderung des Kalenders in einer Weise, daß der Sabbat in der neuen Kalenderwoche variiert, auf die jüdische Religion zerstörend wirken würde. Der neunte April wird als das richtige Datum für Pessach-Ostern bezeichnet, auf das man sich auf einer internationalen Konferenz einigen könnte, weil nach der geplanten Vereinfachung des Kalenders der heutige neunte April dauernd auf einen Sonntag fallen würde. Zum Schluß wird formell vorgeschlagen, daß vom neunten April 1933 ab alljährlich Christen und Juden ihr Frühlingsfest an diesem Tage feiern sollten. Auch das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Porter, hat dem Kongreß der Vereinigten Staaten eine Entscheidung unterbreitet, in der gefordert wird, daß der Präsident der Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz für Kalenderreform einberufe oder eine von einem anderen Staate an Amerika ergehende Einladung zur Teilnahme . an einer solchen Konferenz annimmt. Nunmehr veröffentlicht Charles S. Longacre einen Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition an Senat und Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, in der die Regierung und der Präsident ersucht werden, sich e«ner Kalend?rreform zu widersetzen, wenn nicht die Gewähr dafür geboten wird, daß die gegenwärtige Wochenordnung unverändert bleibt. Durch die Aenderung der jetzigen Siebentagewoche würde der jüdische Sabbat jedesmal auf einen anderen Tag der Woche fallen. Darum werden die führenden jüdischen Organisationen der ganzen Welt sich der geplanten Reform konsequent widersetzen. Cjlcrrcsx. Aus dem Berichte des Rechnungshofes über die Finanzgebarung des Bundes kann der friedliebende Bürger schaudernd erfahren, welche ungeheure Summen die Massenaufzüge verschlungen haben. Dabei sind aber noch gar nicht die materiellen Verluste mitgerechnet, die bei diesen Gelegenheiten schon durch die Beunruhigung der Bevölkerung allein entstanden sind. Statistiker könnten nun genau berechnen, wie vielen in Lumpen gehüllten Arbeitslosen für das Geld, das die Aufzüge kosteten, Anzüge hätten gekauft werden können. Was übrigens auch einiges zur Beruhigung unglücklicher, erbitterter Menschen beigetragen hätte. * * In der „Dötz" fanden überraschte Leser vor einigen Tagen, — es ist dies keine rabel — einen sehr vernünftigen Satz. Er lautete: „Wer ewig Hetze sät, wird Hetze ernten, und wer ewig Terror, Mord, Gewalttat sät, wird Terror, Mord, Gewalttat ernten." Konnte die „Dötz" eine blutigere Selbstverurteilung ersinnen? Wahrlich der verantwortliche Redakteur der „D.-ö. Tageszeitung" hat — er duldete, daß dieser Passus erscheinen konnte — in unverantwortlicher Weise seine Pflichten gegen das eigene Blatt arg verletzt. Aber sicherlich nur aus Unachtsamkeit, denn daß er durch „jüdisches" Geld bestochen gewesen, halten wir, das sei mit aller Loyalität ausgesprochen, aus bestimmten Gründen für gänzlich ausgeschlossen. * * * Im „Berliner Tageblatt" schrieb dieser Tage ein fachkundiger Gelehrter in einem Artikel, der das Verhältnis der Universitäten zur Staatsverfassung beleuchtete, ua.: „Ist es, um ein Beispiel zu nennen, erträglich, daß an der Berliner Universität kaum ein Staatsrechtler lehrt, der aus innerer Ueberzeugung c* Republik bejaht?" Ja, um Himmelswillen, warum soll denn das in Berlin nicht erträglich sein? Hat man es denn in Wien unerträglich gefunden, daß zur Feier des zehnjährigen Bestandes der Republik, an der Wiener Universität eine Festrede gehalten werden konnte, die ganz vorzüglich als eine Verherrlichung der Monarchie gedacht werden konnte? # Dr. Robert L e y, Redakteur des „Westdeutschen Beobachters", ist — nachdem endlich seine Immunität als Landtagsabgeordneter aufgehoben wurde — als Ritualmord-Hetzer zu einer Geldstrafe von 1000 Mark verurteilt worden. Der deutsche Staatsanwalt, der deutsch lesen kann, ging auf die ebenso feigen Ausreden des Angeklagten nicht ein, der in seinen Artikeln den Ritualmord als „Einrichtung und Brauch der jüdischen Religion'\hingestellt hatte, vor dem Richter jedoch nur eine „orthodoxe jüdische Sekte" gemeint haben wollte. Bei uns in Oesterreich sind die Ritualmord-Hetzer nicht so feige. Sie verkriechen sich nicht hinter einer Abgeordneten-Immunität und erklären immer wieder mit herzerfrischender, jede Zweideutigkeit ausschließender Aufrichtigkeit den Ritualmord als Institution der jüdischen Religion. Allerdings werden in Oesterreich diese Herren auch nicht vor den Richter gestellt. Eine Verurteilung im Deutschen Reiche wegen des Ritualmord-Märchens, das klingt ihnen wirklich wie ein Märchen. * « * Der große Judenforscher F r i t s c h, über dessen senile hemmungslose Geschwätzigkeit jüngere Hakenkreuzler schon oft Klage führten, macht in der jüngsten Nummer seines Blattes der katholischen „Germania" bittere Vorwürfe. Diese hatte es „peinlich und geschmacklos" gefunden, daß das Mannheimer Nationaltheater, das sehr viel der Großmut jüdischer Industrieller und Kaufleute zu danken hat, zur Festfeier, anläßlich des 150jährigen Bestandes just Shakespeares „Kaufmann von Venedig", d i eses unter allen Umständen einseitige Drama einem wiehernden Publikum serviert e." Herr Fritsch ist fassungslos. Eine solche Rücksicht gegen Juden! Wie soll dies möglich sein? Und da versichert er mit rührender Offenheit! „Man kann es, weiß Gott, keinem Menschen ariinbad» Franzensbad! | f^j;EvTABNST„5o[betterS0üssel" Sranb "Restaurant „fürsten0of" \ { HJO streng orthodoxe Küche TtS>3 SIlYIOH Rddb 1tä>3 streng orthodoxeKBche "TO { fjurni

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