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Die Wahrheit · 1929-08-02 · Heft 31 (2.8.1929) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 der Warschauer Vizebürgermeister Meisel und der Präsident der .,Bac Brith" Dr. Parnaß, aus Ungarn Oberhausmitglied Dr. Imanuel Low und der Direktor der Innerstädtischen Sparkasse Hof rat Szekely sowie Universitätsprofessor Dr. T ö r ö k. Aus Palästina ist eine Delegation von etwa 35 Mitgliedern eingetroffen, darunter etwa die Hälfte Arbeitervertreter. Viele Abgeordnete werden erst zur Konstituierung der ..Agency" eintreffen, für deren Eröffnung auch eine Rede Professor Dr. Einsteins in Aussicht steht. Der Kongreß wurde durch eine große Rede des Präsidenten Professor Dr. Weizmann eröffnet, der eingehend auf jene Umstände hinwies, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen eine Erweiterung der Basis für die Arbeit in Palästina verlangen. Es müssen alle Faktoren herangezogen werden, die sich dem Aufbau des Landes widmen wollen, und das politische Bekenntnis zum Zionismus kann nicht als Vorbedingung dafür gelten. Dr. Weizmann hob die großen Leistungen der Amerikaner hervci, ohne die weder wirtschaftlich noch kulturell die in Palästina errungenen Erfolge möglich gewesen wären. Wenn sie jetzt durch den Eintritt in die „Agency" die Verantwortung mit übernehmen werden, werde dies zum Segen des Landes und des Volkes gereichen, namentlich im Hinblick auf die politische Kraft der Idee. Namens der Schweizer Regierung sprach hierauf Regierungsrat S t r e u 1 e. Politisch bedeutungsvoll waren die Auseinandersetzungen des englischen Gesandten Rus -e 11, der dem Willen der englischen Regierung Ausdruck gau, in Ausführung des Völkerbundmandats und der „Balfourschen Deklaration" den Aufbau Palästinas als Heimstätte des jüdischen Volkes im Einvernehmen mit der „Agency" nach Kräften zu fördern. Im gleichen Sinne sprach der Vizegeneralsekretär des Völkerbundes, von Dufour-r eronce, der das lebhafte Interesse des Völkerbundes an dem Geschicke Palästinas ausdrückte. Nach den Begrüßungsansprachen hielt aus Anlaß des 25. Todestages von Theodor H e r z I, der mit der Eröffnung des Kongresses zusammenfällt, der Präsident der Exekutive, Nahum S o k o 1 o f f, die Gedenkrede „Herzl und die Zionistische Organisation". ....■.■■■■»■■»wm.—, offi WAHRHEn C. G. Montefiore über den Liberalismus. Von Binjamin Segel. III. Die Mendelssohnsche Bewegung hat von Berlin aus ihre Wellen nach Polen gesandt und mächtige Anregung bewirkt, die sich zunächst auf enge Kreise beschränkte. David Friedländer verfaßte anfangs der Zwanzigerjahre des 19. Jahrhunderts auf Verlangen judenfreundlicher polnischer Staatsmänner eine Schrift über die „Verbesserung der Juden in Polen", die noch heute in vielen Punkten lesens- und beherzigenswert ist. Bald darauf begann der mächtige Strom der Wissenschaft des Judentums, deren Hauptsitz Deutschland wurde, von hier aus nach Polen hineinzufluten, wo sie einen sehr fruchtbaren Boden fand. Sogar die moderne hebräische Poesie und Literatur reicht mit ihren Anfängen in die Berliner Mendelssohnsche Aufklärungsperiode zurück, und obgleich sie in ihrem Ursprungsland nur zu bald aufhörte, so hörten die von dort kommenden Impulse und Anregungen nie auf, wirksam und belebend zu sein. Auch die i i d d i s c h e Literatur stand zum Teil unter dem wohltuenden Einfluß deutscher Bildung und Kultur. Sogar die streng orthodoxen Strömungen, die aus Deutschland kamen, wirkten in Polen heilsam — da sie doch wenigstens nicht bildungsfeindlich waren — und milderten das heimische Regime der Finsternis und des Obskurantismus. Man kann sagen, daß alle Bildungs¬ und Aufklärungsbestrebungen, die sich im Osten, sei es im literarischen, religiösen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Leben, geltend machten, auf Anregungen aus Deutschland beruhten. In den letzten Jahren vor dem Kriege waren sie schon hoch hinauf gediehen und umfaßten sehr weite Kreise. Es schien, daß die Herrschaft des Dunkels und der Unwissenheit, die ihren Hort im Chassidismus hatten, alsbald weichen würden. Als im Weltkriege deutsche Truppen das ganze Gebiet des jüdischen Ansiedlungsrayons besetzten, erhofften wir alle davon eine enorme Beschleunigung dieses Aufklärungs- und Läuterungsprozesses. Mit den deutschen Truppen zog nämlich eine stattliche Anzahl deutscher Feldrabbiner, Ii- £32* Witt tf '' — Zfeuillctcn, Mein erster Fasttag. (Aus den Erinnerungen des alten Professors.) Von Binjamin Segel. (Fortsetzung.) „Wir werden viel zu lustig," sagte unser Lehrer. „Gehen wir nach Hause." Wir stiegen auf anderem Wege die Anhöhe hinab. Großmütterchen hatte sich aus Blättern und Feldblumen einen riesigen Kranz geflochten, unter dem ihr kleiner Leib fast ganz verschwand. Sie hatte sich bei unserem Lehrer den Stock ausgebeten und schritt majestätisch als Hirtenkönigin an meiner Seite daher. „Ich bin schrecklich durstig," sagte sie plötzlich, ihrer Würde ganz vergessend. „Ich möchte gern einen Schluck Wasser." „Du mußt schon warten, bis wir zu Hause sind, es kann nur noch eine Viertelstunde dauern." Wir alle hatten Durst bei dieser starken Hitze, und die kleineren Knaben würden jetzt alle ihre glänzenden Knöpfe und sonstiges Spielzeug gern für einen Trunk Wasser hingegeben haben. Schließlich warf Großmütterchen ihren Blätterkranz weg, gab den Stock seinem Eigentümer zurück und lief voran; es war ihr zu langweilig, mit uns Schritt zu halten. Die Gegend kannte sie gut. Bald kam sie atemlos herbeigesprungen und rief: „Kommt, ich zeig' euch was Schönes, ich hab' was Schönes gefunden, ach, so Schönes hab' ich mein ganzes Leben noch nicht gesehen. Kommt schnell, schnell." „Sie führte uns seitwärts nach einem kleinen Gebüsch am Abhang der Anhöhe. Mitten in einer kleinen Ebene, zwischen Sand und Kieselsteinen, war eine Quelle, nicht größer als ein Waschbecken; sie mußte erst vor kurzem ausgebrochen sein, denn wir kannten die Stelle sehr gut und waren vor wenigen Tagen dort gewesen, ohne die Quelle zu bemerken. Kristallklar und still lag der winzige, liebliche Wasserspiegel da im Sonnenlicht, eingerahmt von einem Saum polierter Kieselsteine und feinen, weißen Sandes. Am Boden schimmerten zwei winzige Näpfchen, so groß wie Fingerhüte, durch die das Wasser sichtlich aus den Tiefen der Erde hervorsprudelte. Ein dünnes Bächlein grub sich leise singend ein feines, schmales Bett hinaus ins Freie, um den Abhang hinunter zu rieseln. In einiger Entfernung dehnte sich die saftige, frische Grasfläche und das dichte Gebüsch stand reglos da. Eine Weile verharrten wir schweigend, dann sprach mein Lehrer: „Trinkt, Kinder. Wer keinen Neder getan hat, zu fasten, darf trinken. Ihr habt gewiß alle Durst." „Großmütterchen," sagte ich, „trink doch. Du klagtest vorhin über Durst. Trink doch." Großmütterchen trat hinzu, bückte sich und machte aus ihren Händen eine Schale, bereit, sie in das labende Naß zu tauchen. Sie zögerte. Schließlich richtete sie sich auf und trat zurück. „Ich kann nicht ... ich will nicht ... es ist schade... siehst du ... es ist so schön . . ." Keiner trank. Wir standen noch eine Weile da, dann gingen wir unseren Weg. Lemko hatte die Rückkehr seiner Herrin gewittert und kam uns eine Strecke lang entgegen gelaufen. Er ließ von der Ferne ein freudiges Bellen erklingen. Als er Großmütterchens ansichtig wurde, stürzte er förmlich auf sie zu, beleckte ihre Schuhe, beschnüffelte und beroch sie von oben bis unten, dann legte er ihr seine Pfoten zutraulich auf die Schultern und neigte den Kopf, nach Liebkosungen begierig. „Mach' mich nicht schmutzig, dummer Kerl," wehrte Großmütterchen lachend und klopfte ihm freundschaftlich auf den Nacken. « „Na, seid ihr endlich zurück von der weiten Reise?" begrüßte uns die Haushälterin Jaga. „Habt ihr Hunger? Habt ihr Durst? Kommt nur schnell herein!"

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