Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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§eite ,0 **mmmmm— ' 1 DIE WAHRHEIT „Nein, weder hier, noch sonstwo auf einer Bühne. Ich bin theatermüde geworden." „Entsagen Sie also wirklich ganz Ihrer Kunst?" „Das nicht. Ich werde wahrscheinlich wieder an den Ort meiner einstigen Tätigkeit, an die alte Stätte des jüdischen Tempels in Riga zurückkehren. Freilich nicht als Chorsänger, sondern als erster Kantor, wozu ich den Ruf erhalten habe. Gleichzeitig gedenke ich auch dort die mir angetragene Stelle eines Gesangprofessors der dortigen Staatsakademie zu übernehmen. Das alles aber wird mich nicht hindern, von Zeit zu Zeit auch Konzertreisen zu unternehmen." Qlcrrcix. Hugo (v.) Hoffmannsthal, der nach seinem letzten Wunsche in der Franziskanerkutte zu Grabe getragen wurde, hat damit die Erinnerung an seine Abstammung von Isak Löb H o f m a n n nicht verlöscht, dessen Bild, als das eines der Begründer und Vorsteher der Wiener Kultusgemeinde, im Sitzungssaale in der Seitenstettengasse hängt. Isak Löb Hofmann, dem im Jahre 1832 in Anerkennung seiner patriotischen Verdienste vom Kaiser, wie man damals wohl glauben durfte, „der erbliche" österreichische Adel mit dem Prädikat Edler v. Hofmannsthal verliehen wurde, hatte dem Kaiser die von diesem gerne gewährte Bitte unterbreitet, in sein Wappen auch die zwei für alle Ewigkeit bestimmten mosaischen Bundestafeln aufnehmen zu dürfen. Deutlicher konnte der erste Edle von Hofmannsthal wohl nicht seiner unverbrüchlichen Treue und für die Religion seiner Väter dem stolzen Bewußtsein Ausdruck verleihen, einem Volksstamm anzugehören, der der Menschheit die edelsten Gestalten und die erhabensten Lehren geschenkt hat. Wenn Isak Löb Edler von Hofmannsthal jedoch geglaubt hat, durch die Anbringung der zwei mosaischen Bundestafeln in seinem Wappen, seinen Nachkommen, den Trägern seines Namens, die unaustilgbare Treue zur „mosaischen" Religion ins Herz zu prägen, so hat er sich geirrt. * * * Wie der Dichter Hugo Hofmansthal, der nie den Stolz auf seinen österreichischen Adel verleugnete, über die durch seinen Namen äußerlich unlösbar mit dem Judentum verknüpften Beziehungen dachte, darüber ist, durch seine Schriften wenigstens, der Oeffentlichkeit nichts bekannt geworden. Die Frage, wie sich der Dichter zu den Glaubenslehren der Religion stellte,, in der er geboren und gestorben, auch nur aufzuwerfen, wäre selbstverständlich als roher Eingriff in die geheiligte Sphäre des privaten Lebens zurückzuweisen. Aber eines darf wohl gesagt werden : man hat die Stimme und das Wort des Dichters Hugo Hofmannsthal, der im Gewicht nicht genug hoch geschätzt werden konnte, oft vermißt, wenn man die Liste der glänzendsten Namen des deutschen Schrifttums prüfte, die in öffentlichen Kundgebungen ihrer flammenden Entrüstung über menschheitschändende antisemtiische Ausbrüche Ausdruck gaben. * s!t * Wie dieses Schweigen zu deuten ist, darüber hätte nur der Dichter, dessen Mund nun für immer verschlossen ist, selbst befriedigende Antwort erteilen können. Wer sie in dem vielspaltigen Aufsatze suchen wollte, der ihm in der „Neuen Freien Presse" gewidmet wurde, fände sie kaum. Wenn Herr Saiten, was diesen Punkt anbetrifft, in seinem Feuilleton den alten Talleyrand'schen Satz: „Die Sprache sei gegeben, um die Gedanken zu verbergen", erhärten wollte, so ist ihm dies grandios gelungen. Er vertieft das Dunkel fast zu sehr. Es ist ja begreiflich, daß die Leser nicht wissen, was Saiten meint, wenn er schreibt: „Als Stämmling früh geadelter Industrieller und urwüchsig katholischer Wiener Patrizier so stammt er (Hugo Hofmannsthal) gerade um die Zeit der dümmsten rassentheoretischen Gehässigkeit, an einer haarscharfen Grenzlinie". Ist es aber nötig, daß sich der arme Leser auch noch darüber den Kopf zerbrechen muß, warum ein früh „geadelter Industrieller" absolut auch den religiösen Gegensatz zu „einem urwüchsig katholischen Patrizier" bilden soll? In Wien kennt man sogar „früh geadelte katholische Industrielle" und „urwüchsig j üd i s c h e Patrizier". * * * Wer da weiß, mit welchem vor nichts zurückschreckenden Eifer Herr Dr. Walter Riehl das ganze Jahr für die antisemitische Hetze in Wien arbeitet, wird es begreiflich finden, daß er auch begeistert in der „Dötz" für den Antisemitismus in den Sommerfrischen eintritt. Das ist ganz logisch. Minder logisch bemüht sich Herr Dr. Riehl darzulegen, wie gesetzlich die Hetze gegen die Juden in den Sommerfrischen betrieben wird: So meint er z. B. „Wenn ein koscheres Restaurant durch jüdische Aufschrift andeutet, daß dort nur für jüdische Gäste gekocht wird, so ist das natürlich auch nicht ungesetzlich." Man darf es der „Dötz" nicht verübeln, daß sie das Blödsinnige dieses Vergleiches nicht kapiert hat, aber Herr Dr. Riehl ist schon genug Mann dazu, es zu verstehen, wenn man ihm beweist, daß man selbst ihm, der doch kein gewöhnlicher Antisemit ist, ausnahmslos in jedem streng rituellen Restaurant für sein gutes Geld, jede auf der Speiskarte verzeichnete Speise mit aller Artigkeit vorsetzen wird. Natürlich vorausgesetzt, daß *1 /% 11 J% f* ir?f% Auch Detailverkauf zu Fabrikspreisen! ■ LJk I fl/l L± \f r* »C Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200. 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