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Die Wahrheit · 1929-07-26 · Heft 30 (26.7.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 " WtöWW DIE WAHRHEIT säer. Aber neben dem bewußt Erfaßten lag die tiefere Bedeutung ihres Werkes darin, ihre Religion instand gesetzt zu haben, um in ihrem jahrhundertelangen Martyrium in der Zukunft auszuharren. Sie hatten ihre Fehler, doch wer hat keine? Ihr System war nicht vollkommen, sie selbst kannten sehr gut die moralischen und die geistigen Gefahren, denen ihre Anhänger ausgesetzt waren, und es glückte ihnen nicht immer, jene Gefahren abzuwenden- Aber sie verrichteten ihr Werk in ihren Tagen trotz des Spottes und des Uebelwollens der nichtjüdischen Welt. Die Rabbinen führten das Werk fort, das die Pharisäer begonnen hatten, und durch die Arbeit beider wurde das Judentum über die Jahrhunderte sicher hindurchgetragen. Welche Form seine Aufgabe in den zukünftigen Jahrhunderten annehmen mag, darüber nachzudenken wäre vergebens. Aber wenn die Zeit kommen wird, wo das Christentum alles getan haben wird, was es unter den Formen und Bedingungen, die es bisher angenommen hat, tun konnte, dann wird es ein Judentum geben, das fähig und bereit sein wird, seinen unzerstörbaren Schatz, der durch die Jahrhunderte hindurch treu bewahrt wurde, einer Welt darzubieten, die nicht mehr ihrer höhnen wird, dann werden endlich die beiden großen Religionen, welche jede für sich das geleistet haben werden, wofür sie Gott als zwei schuf und nicht als eine, sich zu seinem Dienst vereinigen, und werden Seite an Seite die Gebete und Lobpreisungen emporsenden und das Leben seiner Kinder inspirieren. Die Vorbereitung auf jenes „weit in der Zukunft liegende göttliche Ereignis" begonnen zu haben, ist die wahre Bedeutung, des Pharisäismus, Die Entstehung des jüdischen Kalenders und die Kalenderreform. Von Abraham M. Kohn-Asulay, Heidelberg. Judäa, die geistige Republik des 5. Jahrhunderts v. Ol, hat ihre Entwicklung und ihren kulturellen Hochstand ihrem hervorragenden Führer und Reformator Esra zu verdanken. Ihm war es gelungen, infolge seiner ganz ausgezeichneten und ungewöhnlichen Herrscherqualitäten die Theokratie vor Erstarrung zu bewahren und sie vor der Diktatur der Hohepriester in Schutz zu nehmen. Für das Leben und die Entwicklung Palästinas war damals von großer Bedeutung, daß der internationale Handel durch die Entstehung des persisch 2n Reiches einen großen Aufschwung nahm; denn als Folge der Vereinigung des erweiterten Diaspora nach dem babylonischen Exil konnten vor allem die. Handelsbeziehungen weiter ausgedehnt werden. Eine wichtige Rolle spielte die dem Hebräischen verwandte aramäische Sprache, die internationale Bedeutung gewann und auch in Judäa schnelle Verbreitung fand. Dies führte zur Entstehung eines hebräischaramäischen Dialektes, wobei Aramäisch die Sprache der Rechtsgschärte, des Handelsverkehrs und der Verträge wurde, HU ÖSTERREICHS GROSSTE PHOTOFIRMA ||||| PHOTO WEITZMANN III WIEN 1 II., PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 ||| Bund zahlreiche Filialen Hl während Hebräisch vornehmlich in der Literatur und beim Gottesdienst in Gebrauch blieb. Viele technische Ausdrücke der aramäischen Sprache gelangten auf diese Weise in die neu entstandene aramäischhebräische Mundart, so vor allem die Terminologie des babylonisch-aramäischen Kalenders. Bis dahin waren nämlich für die Bezeichnung der Monate entweder Ordnungszahlen gebräuchlich, oder Benennungen, die der Jahreszeit entsprachen. So war z. B. „Siv" (Glanz, Pracht) der Monat des Frühlings, „Abib" der Monat der grünenden, reifenden Aehre, „Bul" der Monat des Laubfalles. Allmählich nun wurden die Monatsnamen der aramäischen und der assyro-babylonischen Sprache entlehnt. Mit dem Frühlingsmonat begonnen, ward Nissaannu zum hebräischen Nissan, Airu zu Ijar, Simanu- Sivan, Dumusu-Tammus, Abu-Ab, Ululu-Elul, Tasritu-Tischri, Arahsamna-Marcheschwan, Kislimu-Kislev, Tebitu-Tebet, Sabatu-Schebat, Addaru-Adar. Auch mit dem symbolischen „Tierkreis" der 12 Sternbilder, der den assyrisch-babylonischen Monaten entsprach und einen Ueberrest des uralten Astralkultes darstellte, hat der hebräische Kalender den Zusammenhang dadurch bewahrt, daß er jedem Monat ein bestimmtes Sternbild (Masal) zuordnet: Nissan —den Widder, Ijar — den Stier, Sivan —die Zwillinge, Tammus —den Krebs, Ab — den Löwen, Elul — die Jungfrau (die babylonische Venus Istar), Tischri — die Wage, Marcheschwan — den Skorpion, Kislev — den Schützen, Tebet — den Steinbock, Schebat — den Wassermann, Adar — die Fische. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß man um dieselbe Zeit, um eine Uebereinstimmung mit dem im westlichen Persien herrschenden Kalender herzustellen, allmählich begann, den Jahresbeginn vom ersten Tag des Frühlingsfmonates Nissan, in den das Pessachfest fällt, auf den ersten Tag des Herbstmonates Tischri zu verlegen. Das Mondjahr besteht aus 12 Monaten, von denen jeder die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Neumonden umfaßt. Da aber ein solches Mondjahr mit dem Sonnenzyklus nicht übereinstimmt, fallen die einzelnen Monate im Laufe der Jahre in die verschiedenen Jahreszeiten. Die Abhängigkeit der ackerbautreibenden Völker von den Jahreszeiten war die Ursache, daß sie schon früh bestrebt waren, die Mondmonate mit dem Laufe, der Sonne in Uebereinstimmung zu bringen. Wenn der Augenschein also lehrte, daß die Abweichung der Mondmonate von dem Sonnenjahx zu groß geworden war, schaltete man einen dreizehnten Monat ein. Derartige gelegentliche Schaltungen werden schon zur Zeit Hammurabbis (2194—2152) nachgewiesen. Auch die Juden haben schon früh ihr ursprünglich freies Mondjahr durch Schaltungen mit dem Sonnenjahr in Uebereinstimmung zu halten gesucht. So wissen wir z. B., daß schon der fromme und gottesfürchtige judäische König Hisk i j a (724—696), der den Gesetzen und Ueberlieferungen treu und sehr auf die religiösen Institutionen bedacht war, sich zu einem Eingriff in die kalendermäßige Feiertagsfestsetzung veranlaßt sah, indem er das. Pessachfest, das als Frühlingsfest galt, einen Monat später ansetzte. Mit der Zeit wurde es üblich, alle drei bis vier Jahre einen Monat zum Ausgleich des Mondjahres mit dem Sonnenjahre einzuschalten. Dieser Schaltmonat wurde beil den Babyloniern dem Ende des Sommer- oder Winterhalbjahres als „zweiter Ululu" oder „zweiter Addaru" angehängt, während es bei den Juden Brauch wurde, nur den Monat Adar zu verdoppeln. Mit zunehmender Kenntnis der Länge des Sonnenjahres wurde es möglich, feste Regeln für die Schaltungen zu finden. Man stellte fest, daß 19 Sonnen- oder tropische Jahre 235 Mond- oder synod'ischen Monaten gleich sind. Ueber die Regelung der Schaltungen innerhalb des 19jährigen Zyklus bestand aber noch keine völlige Sicherheit. Noch kurz vor der Zerstörung des zweiten Tempels wurde die Funktion über die Bestimmung der Fest- Tttö MODERNST EIN GERICHTE TE DAMPFBÄCKEREI Unter Aufsiebt des ehiw. Rabbinates d. ADAS JISROEL (Schiffscbul) Spezialität i Ung. Welsenu. Kornbrot unter dem Namen Ei aur m. . n wm a i* so wie weiss-, fein- Wh mm. im. m mm mm If m und milchgebäck Bestellungen für Sfldes und Hochzeiten werden entgegengenomm u.bestens ausgeführt LEDERER * KOHN, Verkaufulokal: U , Große Schiffgasse 16 Telephon R 41-7-45 — Betrieb: 11., Hollandstraße 7, Telephon R 47-4-95

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