Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064197-3064225--17330-3087447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 13 TknWoch&sulDockt Lucien Wolf teilt dem Schriftleiter unseres Blattes, der mit ihm das bekannte Interview hatte, mit, daß der in diesem Interview erwähnte Brief Clemenceaus, der sich in den Archiven der Friedenskonferenz befindet, nicht an P i l s u d s k i, sondern an Padarewski gerichtet war. Baden bei Wien. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Baden bei Wien. Herr Alexander Braun, wurde vom Kultusausschusse zum Ehrenmitglied seiner Gemeinde ernannt. Diese Ehrung, welche vor ihm nur wenigen Mitgliedern der Gemeinde zuteil wurde, erfolgte in Anerkennung der Verdienste, welche sich Herr Braun im Laufe seiner 10jährigen Präsidentschaft um die Gemeinde Baden erworben hat. Vorigen Samstag wurde der Ausgezeichnete zur Thora gerufen und Herr Oberrabbiner Wilhelm Reich hielt an den Präsidenten eine äußerst geistreiche Ansprache, in welcher er das ersprießliche Wirken des verdienstvollen Mannes entsprechend würdigte. Herr Präsident A. Braun, der sich in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung wegen seines integren Charakters und konzilianten Wesens größter Wertschätzung erfreut, erhielt von Nah und Fern herzliche Glückwünsche, denen wir uns ebenfalls mit Freuden anschließen. 70. Geburtstag von Heinreh York-Steiner. Am 1. Juli feierte der Wiener Schriftsteller Heinrich York-Steiner in Bad Reichenhall, im Kreise seiner Familie, seinen 70. Geburtstag. York- Steiner begründete seinen Ruf als Novellist mit seiner Erzählung „Der Talmud-Bauer", die die Probleme der Palästina-Kolonisation am Ende des vorigen Jahrhunderts festhält. York-Steiner war zu Lebzeiten Theodor Herzls einer der eifrigsten publizistischen Verfechter des modernen Zionismus. Nach Herzls Tode zog er sich von der engeren Parteiarbeit zurück und schrieb eine Anzahl Dramen und Novellen. Viel Beachtung fand sein vor kurzem erschienenes Werk „Minderheit verpflichtet". Trauung. Sonntag, den 14. d. M. fand im festlich beleuchteten Pazmanitentempel die Trauung des Herrn Hans Funk, Sohn des unvergeßlichen Rabbiners dieses Tempels Dr. S. Funk s. A„ mit Fräulein Terry Weiß, Tochter des Präsidenten der „S t o r c h e n s c h u 1" und seiner Gattin Malvine, statt. Eine große Anzahl von Gästen füllte das schöne Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man unter den Anwesenden den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick, viele prominente Persönlichkeiten sowie Delegierte verschiedener Vereine. Der Vorstand des Pazmanitentempels erschien unter Führung des Obmannes Oskar Schrämek. Se. Ehrwürden Herr Rabb. Dr. M. I. Bach verlieh nur den Gefühlen der zahlreichen Freunde, zu denen er selbst seit langen Jahren zählt, passenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Brauteltern und der Familie der Frau Rabbiner Dr. S. Funk von weiten Kreisen des In- und Auslandes gezollt wird. Eine tiefe Rührung ergriff die Zuhörer, als Redner an das segensreiche Wirken des verewigten Rabbiner Dr. S. Funk an dieser Stätte erinnerte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor I. Müller in hervorragender Weise. Eine Träne lag in seiner Stimme, die sich in eine Perle verwandelte. Beide Familien, ganz besondere die greisen Großeltern der Braut, wurden von den zahlreich erschienenen Freunden und Bekannten herzlichst beglückwünscht. — Nach der Trauung fanden sich die Festgäste zu einer Gratulation in Schreibers Restaurant „W ienea" ein. Den mit großem Beifall aufgenommenen Festreden der Herren Rabbiner W c i ß, Storchenschul, Emanuel Schulz, Obmannstellvertreter des Bethausvereines „Emunas Aves", S. Leepm a n n, Tempelvorsteher Pazmanitengasse, und N. Gärtner für die Mitgliedschaft des Bethausvereines „Emunas Aves" schlössen sich ausgezeichnete gesangliche Darbietungen der Herren Oberkantor M'üfller und Kantor Schwarz an. Eine semeinsame Mendelssohn-Feier. In Dessau, wo Moses Mendelssohn am 6. September 1729 geboren wurde, werden Staat und Stadt gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde eine Feier veranstalten. Unter anderem wird eine Ausstellung stattfinden, an der sich auch die Nachkommen des Philosophen, darunter der Berliner Handelskammerpräsident Franz v. Mendelssohn, mit Stücken aus ihrem Besitz beteiligen werden. Da die Veranstaltungen der Toleranzbewegung des 18. Jahrhunderts überhaupt gelten sollen, wird eine Abteilung der Ausstellung dem Berlin der Aufklärungsarbeit gewidmet sein, eine andere Erinnerung an den aufklärerischen Fürsten Leopold Friedrich Franz vni Anhalt-Dessau enthalten, unter dem das Philanthropin und der Wörlitzer Park geschaffen wurde. Der Entdecker der Selma Kurz. So interessant auch der in der Sonntagsnummer des „Neuen Wiener Journal" erschienene Artikel „Intimes aus den Anfängen der Selma Kurz" war, so enthält er doch nicht die Geschichte des eigentlichen Beginnes ihrer Laufbahn. Der Entdecker dieser Stimme war der in B i e 1 i t z noch lebende bekannte Oberkantor der dortigen jüdischen Gemeinde, Herr Ignaz G o 1 d m a n n. Dieser war es. der auf die Stimme Selma Kurz', die damals als junges Mädchen im Chor sang, aufmerksam wurde und ihr den ersten Gesangunterricht erteilte. In weiterer Folge hat Oberkantor G o 1 d m a n n Gönner gesucht und gefunden, die ihr die Mittel zur weiteren Ausbildung zuwendeten. Nachdem Oberkantor Goldmann die Grundlage für d'iie weitere Gesangausbildung gelegt hatte, brachte er Selma Kurz nach Wien und vermittelte es, daß der Nestor der Wiener Gesangkunst Professor R e ß die weitere Ausbildung übernahm. Auch hier in Wien fand Herr Goldmann Gönner, die für die materiellen Grundlagen zum wetteren Studium beigetragen haben. Viele interessante Briete aus dieser Studienzeit legen Zeugnis von den Gefühlen ab. die Selma Kurz ihrem Entdecker und ersten Lehrer entgegenbrachte und dessen sie sich auch noch als berühmter Star dankbar erinnerte. Hitlers engster Mitarbeiter spricht Wenn man nicht Journalist wäre, möchte man wohl nationalsozialistischer Agitator sefin. Man hätte dann, selbst bei einer Bombenhitze im politikfeindlichsten Jul'itnonat, die beglückendb Möglichkeit, einen krachvollen Versammlungssaal zu entflammen, man hätte begeisterte Anhänger, die bei jeder Kraftstelle mit dröhnendem Beifall einsetzen, und man hätte dabei nicht die Last der Verantwortung zu tragen, die den Politiker aus anderen Lagern bedrückt und die ihn an ähnlichen Versammlungserfolgen hindert. Freilich, ein körperlich anstrengender Beruf ist es auch: Gregor S t r a ss e r. der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete, erzählt, daß er im Jahre durchschnittlich 170 Male öffentlich spreche. Aber dieser körperlichen Leistung kann begreiflicherweise nicht der gleiche geistige Aufwand gegenüberstehen. Man kann seinen Anhängern nicht 170 Mal im Jahre etwas Neues erzählen. Man braucht ja auch gar nicht in die schwierigen technischen Einzelheiten der politischen Geschehnisse hineinzusteigen; davon will der (entweder begeisterte oder sensations- TREFFPUNKT AI. CAFEHAUS . „ „ , — V I»RAlTER fHAIIPTAUCCI der vornehmen judischen Gesellschaft Besitzer: Edelstem *Matovic. Erstklassige Bedienung