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Die Wahrheit · 1929-07-19 · Heft 29 (19.7.1929) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT gierige) Besucher nationalsozialistischer Versammlungen ja nichts wissen. Man hat ein wohlgespicktes Arsenal immer wieder zugkräftiger und einschmeichelnder Schlagworte, die man nicht einmal weit herzuholen braucht und die doch immer wieder einschlagen. Man spricht von dem gutsitzenden englischen Frack des Herrn Lobe — und der Beifall dröhnt. Man veralbert Stresemann als den Schwachkopf, als den ihn die Leser rechtsradikaler Provinzblätter kennen — und der Beifall verdoppelt sich. Besonders beliebt ist die Technik, das, was man nicht direkt sagen kann und will, in allgemeinverständliche Bilder und Beispiele einzukleiden. Man sagt dann, beileibe, kerne Unwahrheit. Wenn man gestellt würde, könnte man immer einwenden: Aber das war ja nur ein Bild, eine Karikatur! Aber diese Karikaturen werden natürlich von den Zuhörern für bare Münze genommen, und daß. die Wirklichkeit erheblich anders aussieht, davon bekommt der Versammlungsbesucher nichts zu hören. S t r a s s e r ist ein Virtuose in dieser Kunst der Wirklichkeitsentstellung. Er zieht, in seinem gemütlichen Münchener Tonfall, alle Register der Versammlungswirkung und verschmäht, zum Unterschied von anderen Führern seiner Bewegung, auch rührselige Pathos nicht. Mitunter fragt man sich, ob nicht nackte Tatsachen noch stärker wirken würden, als agitatorische Wendung. Ueber die Finanzpolitik des Herrn Hilferding etwa ließen sich wirklich an Hand der Tatsachen vernichtende Wahrheiten sagen. Strasser verzichtet darauf, er mischt verschiedene Zahlen, unvergleichbare, falsch zusammengestellte Größen zu einem unübersichtlichen Brei, würzt ihn wieder mit einigen schlecht passenden Gleichnissen — und setzt dadurch selbst den schärfsten Gegner der Hilferdingschen Politik in die Verlegenheit, sie gegen diese Einstellungen zu verteidigen. Em sachlicher Bericht über diese völlig aufs Stimmungsmäßige gestellten Reden, bei denen die Form alles, der Inhalt nichts gilt, ist unmöglich. Man kann sie hören, aber nicht wiedergeben. („Erfurter Anzeiger.") Grabsteinweibe. In Sarajevo wurde in feierlicher Weise das Grabmahl, welches die aschkenasische jüdische Gemeinde in pietätvoller Weise nach dem eindrucksvollen Projekt des Ing. Oskar Grof ihrem verdienstvollen langjährigen Oberrabbiner Dr. Weszel errichtete, enthüllt. Im Beisein der Vertreter der aschkenasischen und scphardischen Gemeinden sowie sämtlicher jüdischer Vereine und einer großen Anzahl von Verehrern ihres unvergeßlichen sei. Oberrabbiners hielt dessen Nachfolger, Oberrabbiner D. Heinich Urbach eine tiefempfundene Gedenkrede, in der er die dauernden Verdienste Oberrabbiner Dr. W e s z e 1 s nicht nur um das Judentum in Sarajevo, sondern weit über die Grenzen des Landes würdigte. Seine Arbeit war von seinem gediegenen, lauteren Charakter bedingt eineT tiefen Frömmigkeit, einem unermeßlichen Wissen und von seltener Güte beseelt. In Vertretung der aschkenasischen Gemeinde sprach Ing. Oskar Grof in rührender Weise. Zwittau. Am Dienstag, den 9. Juli I. J., weilte Präsident Masaryk in unserer Stadt. Unter den Deputationen, die das greise Oberhaupt unseres Staates begrüßten, befand sich auch eine solche der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde unter Führung unseres geschätzten Herrn Oberrabbiners. Seiner Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Felix Kanter begrüßte den Herrn Präsidenten namens der israelitischen Bewohner Zwittaus in einer überaus herzlichen schwungvollen Ansprache, die in den innigen Wunsch ausklang, daß die inbrünstigen Gebete, die er allsabbatlich an geweihter Stätte für das Gedeihen unseres Staates verrichtet, Erhörung finden mögen zmn Heile und Wohle aller Völker und Nationen, die unsere Republik bewohnen Sichtlich gerührt dankte Präsident Masaryk für die warmen Begrüßungsworte und unterhielt sich längere Zeit mit der Deputation, wobei er sich besonders für den Studiengang und die schriftstellerische Tätigkeit unseres verehrten Seelsorgers interessierte, ist doch Doktor Kanter als fruchtbarer Schriftsteller weit über den engeren Kreis seiner Fachgenossen hinaus bekannt und geschätzt. A. P. Linz. Herr Manfred Süß, Sohn des Herrn Heinrich Süß in Firma Max Bruder, Linz, hat am hiesigen Realgymnasium die Matura mit Auszeichnung abgelegt. Ein Weltkongreß aller jüdischen kaufmännischen und gewerblichen Organisationen wird vom 3. bis 10. September 1929 in Wien stattfinden. Durch diesen Kongreß soll im Interesse der österreichischen Volkswirtschaft der Güteraustausch in allen Branchen der ganzen Welt durch direkte Verständigung der kaufmännischen, industriellen und gewerblichen Korporationen des In- und Auslandes herbeigeführt werden, insbesondere soll durch die Stabilisierung einer ständigen Liga hierfür in Wien auch auf dem Gebiete des internationalen Geidkreditwesens Ersprießliches geleistet werden. Permanentes Kongreßbureau: 1. Bez., Elisabethstraße 9, I./10, Tel. R 45-8-34. 70. Geburtstag. Frau Betty Adler, Schwester des Herrn Rabbiner Baß, feierte am 11. d. M. ihren 70. Geburtstag. Eine, durch ihren überaus großen Wohltätigkeitssinn bekannte Dame, war sie Gegenstand herzlicher Kundgebung von Seite ihrer vielen Verehrer und ihrer Armen. Wir wünschen ihr noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit. G. G. Todesfall. Sonntag, den 14. Juli, wurde Herr Redakteur Gustav Deutsch, der am 12. Juli im 81. Lebensjahre verschieden ist. zu Grabe getragen. Der Verstorbene war ein bedeutender Journalist, der sich wegen seines trefflichen Charakters großer Achtung erfreute. Wer diesem prächtigen Mann nähergekommen ist. der war von seinem vornehmen und dennoch schlichten Wesen gefangen. Bescheiden und wunschlos für seine eigene Person lebte er als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und widmete sich seiner Familie, die ihm dann in jeder Weise den Lebensabend zu verschönern suchte. An der Bahre trauern seine Gattin Julianne Deutsch, seine Kinder Felix. Benno, Viktor. Therese. Karoline und Otto, seine Schwiegertöchter Franziska und Amalie Deutsch und seine Enkelkinder Kurt und Helene. An der Trauerfeier, die auf Wunsch der Familie in aller Stille stattgefunden hat, beteiligte sich der Fachschriftstellerverband durch eine große Anzahl Vorstandsmitglieder und Mitglieder. Ich werde dem Verblichenen, der nicht nur einer der ältesten und hervorragendsten Mitarbeiter meines Verlages, sondern durch Jahrzehnte ein aufrichtiger Freund meines Hauses war, stets ein ehrendes Andenken bewahren. Ludwig Hirschfeld. Mi H Cafes iat. „Die MW! Hygienisches Königlich! Iii III Seit vielen Jahren das anerkannt beste Man achte auf die ges. gesch. Marke Hygien. Königslicht' und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon P 33-1-87

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