Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-07-19 · Heft 29 (19.7.1929) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064225--17328-3087445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Dl£ WAHRHEIT Seite ü Fords Freunde von ehedem. Henry Ford, bis vor etwa Jahresfrist eine Art Schutzheiliger der antisemitischen Internationale, der dann plötzlich seinen Frieden mit den Juden machte, hat wieder einmal den stärksten Unwillen seiner ehemaligen Anbeter erregt. In New York fand unlängst, wie wir berichteten, ein Ehrenempfang für den Vorsitzenden des „Joint Distribution Committee", David A. Brown, einen bekannten Philanthropen, statt, an dem gegen 2500 Personen teilnahmen. An der Ehrentafel zu Seiten des bekannten Louis Marshall saß dabei Herr Ford, der eine überschwengliche Erklärung über seine Freude, seinem guten Freunde Brown und über ihn hinaus seiner großen Rasse seinen Tribut der Bewunderung zollen zu dürfen, schriftlich unter den Gästen hatte verbreiten lassen. Man könnte vielleicht sagen, daß etwas weniger einen sachlicheren und darum aufrichtigeren Eindruck gemacht hätte. Trotzdem ist die Form der antisemitischen Kritik an diesem Verhalten Fords doch kaum noch mit dem primitivsten Anstandsregeln der Journalistik vereinbar. Der „Völkische Beobachter" tut es nicht unter zwei Anreißer-Schlagzeilen. „Henry Ford macht Kotau vor den jüdischen Börsenbanditen der Wallstree t", „Henry Ford kniet vor den jüdischen Börsenbanditen." Das Blatt spricht dann von einem „feigen Zusammenbruch vor dem jüdischen Geldsack" und schließt mit dem Satze: „Wir können über den Fußfall Fords nur unserer unbegrenzten Verachtung Ausdruck geben." Judenbekehrungstätigkeit des „GoodwhT'-Committee. Die gegenwärtig in Detroit tagende Konvention der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner hat sich gegen die Versuche gewisser Kreise des Komitees zur Herbeiführung eines guten Verhältnisses zwischen Christen und Juden (GoodwilJ- Committee), die Tätigkeit des Komitees für Judenbekehrungszwecke auszunutzen, ausgesprochen. Rabbi Solomon Fester, eines der jüdischen Mitglieder der gemeinschaftlichen Konferenz der „Goodwill"-Bewegung, äußerte Zweifel darüber, ob die jetzige Form der Zusammenarbeit zwischen der Zentraikonferenz amerikanischer Rabbiner und dem Federal Council of Churches of Christ in Amerika nach der Richtung der Herbeiführung eines Freundschaftsverhältnisses zwischen juden und Christen wirklich von dauerndem Wert sei. Die christlichen Mitglieder des „Goodwill"-Committee, sagte Rabbi Foster, haben es definitiv abgelehnt, ihren Kirchen zu empfehlen, von der Missionstätigkeit unter den Juden zu lassen. Die Berichte des Federal Council of Churches of Christ in Amerika gefallen sich in der Ausmalung der wundervollen Möglichkeiten, die sich aus einer Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen für einen Fortschritt des Christentums Neu eröffnet! Neu eröffnet! Modernst eingerichtete Dampfbäckerei Unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates d.AOAS JISRGEL (Schiffschul) Allen hygienischen Anforderungen entsprechend Lederer & Kohn Verkaufslokal: IL, Gr. Sdiiffg. 16, Tel. R 41-7-45 Betrieb: Wien IL, Hollandstr. 7, Tel. R 47-4-95 Weiß-, Fein- und MilchgebSck Spezialität: Ung. Weizen« und Kornbrot unter dem Namen eLKa-brot Karlsbader- und Kinderzwieback, Grahambrote, Milchbrote, Topfendelkel, Guglbupfen und Semmelbrösel. Scholef wird IL, Hollandsfraße 7, gesetzt innerhalb des modernen Judentums ergeben. Rabbi Isaac Landman, der Organisator der ständigen Kommission für Herbeiführung eines Verständnisses zwischen Juden und Christen verteidigte die Goodwill-Bewegung. Die Konvtntion belaßte sich mit der Tätigkeit der Sonntagsschuien der jüdischen Reformtempel. Mehrere Rabbiner erklärten die Sonniagssehuien als einen völligen Mißerfolg. Während andere religiöse Organisationen im Durchschnitt 30 Dollar für die jüdische Erziehung eines Kindes ausgeben, gibt das Reformiudentu.il nur 5 Dollar pro Kind aus. Neue Störungen an der Klageinauer. Ungeachtet der jüngst gegebenen Versicherungen, daß die Andacht der Juden an der Klagemauer nicht mehr gesiört werden wird, haben der Klagemauer benachbart wohnende Araber den letzten Freitagabend-Gottesdienst an der Klagemauer gestört, indem sie auf Trommeln schlugen und die Flöten bliesen. Wie Berlin Judenrein" gemacht werden sollte. Das Erweiterte Schöffengericht Frankfurt a. M. verhandelte gegen den „Ingenieur" Albert Brühahn, einem Staalhelmer und völkischen Agitator, der vorgab, eine Art „Todesstrahlen"-Maschine erfunden zu haben und ein schlesisches Adelskonsortium um eine große Summe Geldes geprellt hat. Brühahn, von Beruf Elektromonteur, hatte sich noch während des Krieges an militärische Stellen gewandt und behauptet, er vermöge elektrischer Energien drahtlos in weite Entfern ingen auf bestimmte Körper zu jagen. Im November 1918 soll er einen Vorschuß von 26.000 Mark zur Herstellung seiner Apparate erhalten haben. Die Verbindung wurde mit ihm aber abgebrochen. Ein schlesisches Adelskonsortium, dem Generalleutnant Oskar von St. Ange, der frühere Platzkommandant von Breslau, der die Geschäftsführung übernahm, ein Fürst Bismarck, Graf Pückler, Graf Malzahn, Exzellenz von Ducksen und andere schlesische Magnaten angehörten, brachte 6Ü.0«)ö Mark für die Brühahnsche „Erfindung*" auf. Oberst Reinhardt soll die Erfindung befürwortet haben. Es wurde Brühahn ermöglicht, in der Universität Breslau vor einigen Wissenschaftlern sein Experiment auseinanderzusetzen. Diese Wissenschaftler konnten aber kein richtiges Bild gewinnen. Der Stahlhelmer Brühahn, der stets auf die Juden und die Republik schimpfte, gewann jedoch das Vertrauen des genannten Adelskonsortiums. Dem Generalleutnant v. St. Ange, der Geschäftsführer des Unternehmens war, setzte er auseinander, man könne eines Tages alle Juden auf dem Tempeihofer Feld versammeln, ein Flugzeug werde aufsteigen und den Todesstrabler in Tätigkeit setzen. Innerhalb drei Minuten sei;Jerlin judenrein. Als aber aus der Erfindung nichts vurde und Brühahn auch bei einem Frankfurter Spediteur 16.0U0 Mark: erschwindelte, wurde eine Anzeige gegen ihn erstattet. Das Gericht verurteilte Brühahn wegen mehrfachen Betruges zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Das Konkordat und die italienische Judenheit. Mussolini hat vor kurzem gelegentlich des Empfanges des ITA-Direktors Herrn Jacob Landau diesem gegenüber die Versicherung abgegeben, daß das zwischen dem römischen Staate und der katholischen Kirche geschlossene Konkordat die Lage der jüdischen Gemeinschaft in Italien womöglich noch verbessert. Ungeachtet dieser Versicherung macht sich in den verantwortlichen Kreisen der italienischen Judenheit hinsichtlich der Auswirkungen des Konkordats eine starke Besorgnis geltend. Der Abschluß des Konkordats wird als ein Wendepunkt in der Geschichte der italienischen Judenheit und als ein Ereignis von Bedeutung auch für die Juden der ganzen Welt angesehen. Alle Leiden der Juden im Mittelalter waren auf die Tatsache zurückzuführen, daß der Kirche Macht in den Dingen des Staates eingeräumt wurde und daß das Kanonische Recht gegenüber dem weltlichen Gesetz Geltung hatte. Emanzipation und politische Gleichberechtigung wurden von den Juden Italiens erst nach der Trennung der Kirche vom Staate errungen. Das jetzige Konkordat nun, das den Status der Katholischen Kirche innerhalb des Staates wieder befestigt, bedeutet in dieser Hinsicht einen Rückschritt. Die Erklärung Mussolinis, daß die nichtkatholischen religiösen Gemeinschaften auch nach dem Konkordat der Katholischen Kirche gegenüber gleichberechtigt sind, stimmt mit der Wirklichkeit nicht überein. In mehreren wichtigen Punkten, wie im Erziehungswesen und im Eherecht, ist die Katholische Kirche sehr im Vorteil gegenüber den nichtkatholischen Gemeinschaften.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.