Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-07-19 · Heft 29 (19.7.1929) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064225--17327-3087444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 die Wahrheit gespaltenes Volk so notwendig ist wie das tägliche Brot." Das sind vortreffliche, goldene Worte, die nur eines zu wünschen übrig lassen, daß die katholischen Blätter in Deutschland sich so rückhaltlos zu ihnen nur in Fällen bekennen, wo es sich, wie z. B. bei dem von der „Kölnischen Volkszeitung" benützten Anlaß, um rein katholische Interessen handelt Sonst hört man in diesen Blättern wenig davon, daß die „Duldsamkeit für ein konfessionell gespaltenes Volk so notwendig ist wie das tägliche Brot." Ego. Bewegte Tage der Chewra Kadischa. Die letzte Generalversammlung der alten Prager Chewra Kadischa nahm einen sehr stürmischen Verlauf, der bis in die Prager Tageszeitungen seine Wellen schlug. Nachdem der bisherige Obmann der Chewra Kadischa, Herr David Lieben, schon längere Zeit in statu demissionis gewesen war, wurde bei dieser Generalversammlung ein überwiegend neuer Ausschuß gewähit, und zwar wurden neu gewählt die Herren Professor Salomon Hugo Lieben, Artur Kauders, Dr. S. Freiberger, August Redisch, David Tezner. Von den alten Ausschußmitglieder wurden wiedergewählt: Strauß. Anton ßrandeis, Simon Hahn, Wallerstein und David Lieben. Von diesen haben jedoch die Herren Strauß. S. Hahn und David Lieben bereits wieder resigniert. Da statutengemäß ein neuer Ausschuß mindestens 4 Mitglieder des alten Ausschusses haben muß, ist hiermit eine Neuwahl nötig geworden, welche in den nächsten Tagen stattfindet. In der Vorgeschichte dieser Generalversammlung spielen zwei Streitfälle eine Rolle. 1. Ein Konflikt mit dem Oberrabbiner in der Frage des Neubaues und 2. die Urnenbestattung. Als man nämlich mit dem Neubau auf einem dem alten Judenfriedhof anliegenden der Chewra gehörenden Terrain beginnen wollte, fand man.Knochen, welche darauf hinwiesen, daß hier eine Begräbnisstätte war. Der Oberrabbiner erklärte hierauf, daß ein Weiterbau aus religiösen Gründen an dieser Stelle unstatthaft sei. Ueber dieses Verbot setzte sich, offenbar mit Rücksicht auf die großen bereits investierten Kosten, die Chewra hinweg. Die zweite Schwierigkeit war die immer brennender werdende Frage der Bestattung von Urnen. Der Ausschuß der Chewra widersetzte sich mit Rücksicht darauf, daß er die Leichenverbrennung nicht für religiös statthaft hielt, der Beisetzung der Urnen. Die Einhaltung dieses Standpunktes wird jedoch dadurch sehr erschwert, daß nach einem Gesetz vom Jahre 1921 bei Familiengruften die Bestattung von Urnen über oder unter der Erde nicht verweigert werden darf. Da eine große Anzahl solcher Gruftkontrakte besteht (bereits der für zwei Personen angekaufte Bestat'tungsplatz gilt in diesem Sinne für eine Familiengruft), verlor die Chewra Kadischa die in solchen Fällen angestrengten Prozesse und mußte dann , die Urnen bestatten. Es handelt sich bisher um sechs Fälle. Stets führte jedoch die Chewra die Prozesse durch, um so zu dokumentieren, daß sie die Bestattung nur auf Grund des Zwanges vornehme. Nun haben sich in letzter Zeit zwei Fälle ereignet, welche den besonderen Anlaß zur Demission des Obmannes David Lieben, der überdies in letzter Zeit krank war, gaben. Der eine Fall war der, daß der Ausschuß nach einem in zwei Instanzen bereits verlorenen Prozeß in Abwesenheit des Obmannes sich mit der Partei vor der Entscheidung der dritten Instanz ausglich, unter der Bedingung, daß die Urne unter der Erde bestattet werde. Der zweite Fall war der, daß es einem Herrn gelungen war, die Urne mit der Asche seiner Mutter heimlich ohne Einwilligung auf dem Friedhof selbst zu bestatten. Die Unstimmigkeiten, die sich aus diesen zwei Fällen ergaben, waren der spezielle Grund für die Umwälzungen in der Chewra; der allgemeine war der. daß sich in den Ausschußmitgliedern eine gewisse Unsicherheit dem streng orthodoxen Standpunkte gegenüber geltend zu machen begann. Der neue Ausschuß bedeutet daher einen Sieg der strengeren orthodoxen Richtung. Die Chewra steht auf dem Standpunkt, daß es nicht ihre Sache sei, die Urnen zu bestatten und ist bereit, wie sie dies bereits vor fünf Jahren war, der Kultusgemeinde einen Platz abzutreten, auf welchem diese die Bestattung der Urnen vorzunehmen hat. Zu erwähnen wäre noch, daß in der letzten Generalversammlung Herr Doktor Salomon Lieben dafür eintrat, daß die Chewra wieder ein gutes Einvernehmen mit dem Prager Oberrabbiner herstellen solle, wogegen Professor Salomon Hugo Lieben opponierte. Wfaks$mimmm%ge Gegen die Politisierung der Jewish Agency. In Detroit tagte vor kurzem die vierzigste Konvention der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner (liberale Richtung im Judentum) bei Anwesenheit von etwa 300 Rabbinern aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. Zu Beginn der Konvention wurde eine Botschaft des Präsidenten der Zentralkonferenz, Rabbi H. G. E n e 1 o w, verlesen, in der Rabbi Enelow die Konvention auffordert, gegen die von einigen Kreisen propagierte Idee, Palästina als das eigentliche Heimatlanddesmodernen Juden hin zu stellen, Stellung zu nehmen. Wo immer Juden leben und bürgerliche Rechte genießen, sagte Rabbi Enelow, ist ihre Heimat. Er empfiehlt der Konferenz, ihrer Sympathie für jene Bestrebungen Ausdruck zu verleihen, die dahin gehen, Palästina als ein Heim für solche Juden zu erklären, die dort leben wollen und insbesondere unpolitische Institutionen, wie hebräische Universität u. a. m. zu fördern. Er fordert die Konvention auf, zum Ausdruck zu bringen, daß sie die Jewish Agency als eine von allen politischen Zusammenhängen und Bindungen befreite internationale und unparteiische Institution zu Förderung und Schutz jüdischer Arbeit im Heiligen Lande ansieht. Vor kurzem wurde unter der Führerschaft von Louis Marshall ein Plan für Eintritt jüdischer Nichtnationalisten in die Jewish Agency vorgelegt. Politische Verwicklungen waren nie für Juden und Judentum zum Guten gewesen. Es ist nicht Sache der amerikanischen Juden, sich über Englands Pläne in Palästina auszulassen; es ist nicht unsere Aufgabe, uns in Englands politische Ziele einzumischen oder an ihnen teilzuhaben; auch ist es nicht an uns, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob Palästina Siebentes Dominion des britischen Reiches werden solle oder nicht. In alle diese Fragen aber würde die Jewish Agency verwickelt werden, würde sie eine politische Einkleidung erhalten. Unter britischer Herrschaft darf man eine faire Behandlung einer jüdischen Organisation mit internationaler Mitgliedschaft, die dem Wohl der Juden in Palästina gewidmet ist, wohl erwarten; befreit von politischen Bindungen, könnte die Jewish Agency die Gegnerschaft der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas und die offenen, wie verborgenen Antipathien anderer Elemente mildern und um so sicherer mit einer aus vollem Herzen geleisteten Unterstützung der Juden Amerikas und anderer Länder rechnen. Restauration in Salzburg Hermann Kohn Wolfdietridisfraße Nr. 14 Mäßige Preise! Geitfe Küdhe?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.